Sonntag, 18. April 2021
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Lokalnachrichten >> Samstag, 09. Januar 21

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Auto eines "Querdenkers". (Quelle der Fotomontage: Telegram)
Brisante Lage

Am Ende sterben wir sowieso

Stellen wir es mal sehr vereinfacht dar: Wissenschaftler warnten im Sommer vor dem Winter: Zweite Welle!

Politiker: Abwarten, alle sind so gut drauf.

Welle kommt.

Wissenschaftler: Bitte handeln!

Politiker: Ja, aber sachte. Viele sind vom Fr√ľhjahr noch frustriert.

Welle steigt.

Wissenschaftler: Letzte Lösung, absolute Kontaktsperre!

Politiker: Wir m√ľssen Weihnachten retten. Lockdown light! Impfung kommt.

Virus mutiert, Impfstoff stagniert, Weihnachten wird stellenweise zum Seuchentreiber.

Wissenschaftler: Notbremse ziehen!

Politiker: Das ist zu hart, lasst uns Kreise ziehen.

Kritiker: Wer denkt sich diesen Unsinn aus?

Querdenker: Diktatur! Freiheitsentzug!

Wissenschaftler und Mediziner: Ihr habt alle nichts kapiert! Eine Mutation ist im Anmarsch, es könnte es noch schlimmer werden.

Gegenstimmen: Wir können es nicht mehr hören.

Ende der Debatte?

Dieses Bild gef√§llt vielen nicht, aber es ist zutreffend: Der Seuchentod schwingt unerbittlich die Sense. Ministerpr√§sident S√∂der hat es so ausgedr√ľckt: Deutschlandweit stirbt alle zwei Minuten, bayernweit alle elf Minuten ein Mensch an oder mit Corona.

Und auch dies ist unbestritten: Wenn der Krieg gegen das Virus beendet ist, sind wir alle mehr oder minder traumatisiert.

Gespalten sowieso.

Wer sich dar√ľber im Klaren ist, dass die Lage ernst ist, sich konsequent eingeschr√§nkt, auf vieles verzichtet, blickt verst√§ndnislos und teilweise w√ľtend auf die Ignoranten.

Wer die Seuche ignoriert - es gehört zu den menschlichen Schutzmechanismen unbequeme Wahrheiten zu verdrängen - wird am Ende dieser schwarzen Monate vom schlechten Gewissen geplagt werden. Oder auch nicht: Auch diese Unannehmlichkeit lässt sich durch neue, falsche Erzählungen wegwischen.

Was gef√§hrlich ist: Die Seuche zwingt die Politik zu unpopul√§rem Handeln. Populisten und Staatsfeinde sehen ihre Sternstunde gekommen: "Hier habt ihr den Beweis, sie wollen uns unterdr√ľcken und qu√§len!" Woran Sie die Irrprediger erkennen? Sie sind stets laut, nicht nur im Netz, auch auf den Marktpl√§tzen. Sie verwenden falsche Etiketten und Erz√§hlungen, um die Gesellschaft in die Irre zu f√ľhren.

In den USA haben wir gesehen, welche Eskalation ein einziger Irrprediger ausl√∂sen kann: Er hat den N√§hrboden f√ľr inl√§ndische Terroristen bereitet. Sie nennen sich "Patrioten" oder treten als "K√§mpfer f√ľr die Wahrheit" auf. 

Unbequeme Nachrichten aus der Heimat:

  • Im Stadtgebiet Passau sind allein in dieser Woche zehn Corona-Tote zu beklagen, die drei j√ľngsten sind 41, 53 und 56.
  • 186 Corona-Patienten werden, Stand gestern, auf den Corona-Isolierstationen der drei Krankenh√§user in Passau, Vilshofen und Rotthalm√ľnster sowie einem Notkrankenhaus in Aidenbach behandelt.
  • Bei 36 Corona-Erkrankten ist die Lage sehr kritisch, ein Drittel von diesen k√§mpfen an Beatmungsmaschinen gegen den Tod.

Wegschauen ist jedenfalls keine L√∂sung. Die Mitwirkenden an der "Corona-Front" k√∂nnen es auch nicht. Es soll bei uns kein zweites "Bergamo" geben, haben wir uns im Fr√ľhjahr geschworen. Die Lockerer von Gestern bekennen sich heute mit bleichen Gesichtern zum sch√§rfsten Stillstand.

Die Politik erlebt, wie in der Seuche Demokratie zum Dilemma wird: Wer abw√§gt und Kompromisse sucht, demokratisch handelt, kommt zu L√∂sungen, die widerspr√ľchlich, teilweise unwirksam sind.

Warum ist beruflich vieles erlaubt, aber privat fast nichts? Das ist eine der berechtigten Fragen, welche sich viele Menschen stellen.

Das Virus kann sich immer dort ausbreiten, wo Menschen sich begegnen. Ob Baumarkt oder Bauwagen auf der Gro√übaustelle, ab Restaurant oder Teek√ľche im Gro√üraumb√ľro - Corona kennt keinen Unterschied.

"Am Ende sterben wir sowieso", hat ein "Querdenker" (mit einer Fotomontage) auf sein Auto geschrieben. Richtig, aber bitte nicht an einem Tod, der vermeidbar gewesen w√§re und alles andere als menschenw√ľrdig ist.

 
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