Donnerstag, 23. Januar 2020
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Furchtlose Kriegerin? Rey (Daisy Ridley) stellt sich dem Bösen. (Foto: Disney)
Kino: Star Wars

So alt, so neu

Fast eine Stunde des Films ist abgespult, da wird er endlich interessant.

Kein Witz, es muss erst ein Raumschiff explodieren, damit eine gewisse Spannung entsteht. Im Prinzip wĂ€re es kein Grund zur Aufregung, denn explodierendes Metall trĂ€gt die „Star Wars“-Reihe quasi in ihrer DNA. Allerdings hat diesmal nicht irgendwer irgendwen hochgejagt: An Bord des Frachters befand sich eine wichtige Nebenfigur und die Waffe ausgelöst wurde von der sonst untadeligen Jedi-Ritterin Rey - im Zorn. Ein kleiner, aber folgenschwerer Ausraster, soviel ist jedem klar, der das Star-Wars-Universum auch nur in seinen GrundzĂŒgen kennt. Die Story, die bis dahin eher so vor sich hinplĂ€tscherte, nimmt Fahrt auf. Endlich geht es um etwas.

Dem Werk “Der Aufstieg Skywalkers” fĂ€llt die undankbare Aufgabe zu, die in den ersten beiden Teilen der Sequel-Trilogie geknĂŒpften HandlungsfĂ€den zu Ende zu erzĂ€hlen. Im maßlosen Universum sind die Fragen nach dem großen Ganzen tatsĂ€chlich die einzigen Konstanten: Wer ist das Kind von wem, wer wird böse, wer wird gut, wer kommt (vielleicht) mit wem zusammen? Einzelheiten sind Nebensache. So begleiten wir die tapfere Rey auf der klassischen Sammelqueste (es muss eine Art magischer Wegweiser beschafft werden) mit ihren Getreuen von einem Planet zum nĂ€chsten, wo die eingestreuten Figuren und Ereignisse wie Stichwortgeber dienen, um die oben angesprochenen Komplexe von IdentitĂ€t und Autonomie irgendwie anzureichern, bis die Zeit bis zum Finale ĂŒberbrĂŒckt ist.

Die Leere, in der diese großen Worte widerhallen, werden vom Donnern der Turbolaser-Kanonen ĂŒbertönt. Von denen hat “Der Aufstieg Skywalkers” eine sehr große Menge zu bieten. Die Endschlacht ist eine von mehreren; recht oft wird jemand in letzter Sekunde gerettet, stets geistert durch die Story die Frage, ob man das Schlechte zulassen muss, um gut sein zu können. Mit altbekannten Strickmustern wird eine Geschichte zu Ende gebracht, die vor ĂŒber vierzig Jahren damit begann, dass ein schwarzer Ritter eine Prinzessin raubte.

Wo also erzĂ€hlerisch vielleicht nie wirklich viel zu holen war, schĂŒrft Regisseur J. J. Abrahams ausgiebig den Rohstoff, der unbegrenzt zur VerfĂŒgung steht: das SpektakulĂ€re. Scharlachrote Sturmtruppen, eine Sith-Nekropole im stroboskopartigen Blitzlicht, die Überreste des Todessterns umspĂŒlt von stĂŒrmischer See. TatsĂ€chlich setzten die Sequel-Filme das visuelle Potential der VorgĂ€nger vollumfĂ€nglich um; was alt war, sieht jĂŒnger aus als jemals zuvor. Abrahms, der bereits bei Episode VII Regie fĂŒhrte, sah seine Chance, und er nutzte sie.

An Betrachts der Tatsache, dass die “Star-Wars”-Reihe lĂ€ngst mythisiert worden ist und von allen Seiten mit ĂŒberzogenen Erwartungen bedacht wird (irgendwie will man Neues, gleichzeitig soll alles beim Alten bleiben), wird man zwangslĂ€ufig zu dem Schluss kommen, dass “Der Aufstieg Skywalkers” so gut ist, wie er sein kann. Ein besonderer Verdienst kommt den beiden Hauptdarstellenden zu: Daisy Ridley (Jedi-Ritterin Rey) und Adam Driver (Antagonist Kylo Ren). Das Pathos des Films, das sich mit jedem Abschied, mit jedem plötzlich auftauchenden alten Bekannten routiniert entleert, wird im Grunde allein durch die Dynamik dieses Jungschauspieler-Duos gerettet.

TatsĂ€chlich gelingt es “Der Aufstieg Skywalkers”, die Figurenentwicklung der beiden Antagonisten glaubhaft zu einem Abschluss zu bringen - was nebenbei vor Augen fĂŒhrt, wie völlig gleichgĂŒltig die meisten der Nebenfiguren uns letztendlich sind. Woran das liegt, darĂŒber ist viel spekuliert worden. Aber wer sich daran beteiligt, sollte sich vielleicht fragen, ob die Anforderungen eines postmodernen „komplexen“ Kinos auf einen Film ĂŒbertragen werden können, der schon zu seiner Zeit im Nostalgie-Modus erzĂ€hlte. Wer davon absieht, muss anerkennen, dass die Aufgabe, eine epische Geschichte von Familie und Verrat zu erzĂ€hlen, am Ende mit Bravour erfĂŒllt wird.

 

“Die Saga ist vollendet” - so hieß es mal vor langer, langer Zeit in einer weit entfernten Galaxis. Genauer gesagt im Jahre 2005, als das erste Mal eine von den drei Hauptfilmen um das “Star-Wars”-Universum zu Ende, eine aus den 1970er Jahren ausgelagerte Filmreihe. Fast 15 Jahre spĂ€ter flimmert jetzt unter demselben Schlagwort Teil 9 der Reihe ĂŒber die LeinwĂ€nde. Die Geschichte wiederholt sich und entsprechend darf man Zweifel haben, ob das wirklich das Ende ist. Spinn-Offs (‘Rogue One’) und Serienadaptionen (‘The Mandalorian’) sind oder werden bereits produziert. Welchen Grund sollte Disney auch fĂŒr vornehme ZurĂŒckhaltung haben?

 

Wir sehen uns 2033, möge die Macht bis dahin mit uns sein.

Clemens Pittrof

 
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