Donnerstag, 23. Januar 2020
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Bayern >> Samstag, 21. Dezember 19

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Schlussapplaus (v.l.): Choi, Williams, Brown, Kim, Tilch, Noack, Fultz und Pannermayr. (Foto: mediendenk)
Nachtkritik

Weihnachtsm├╝der Mozart

Vielleicht lag`s am dunklen Regenwetter, an den vielen Weihnachtsfeiern oder an "Don Giovanni" selbst. Wer zehn Frauen am Tag vernascht, der f├╝hlt sich manchmal reif f├╝rs Sofa. Der Pauker im Orchestergraben war offenbar auch angeschlagen, er verkniff sich in den langen Pausen das G├Ąhnen und zum Schlussapplaus tauchte er ├╝berhaupt nicht mehr auf.

Der Pauker machte ansonsten - wie das ganze Ensemble - alles richtig und war wichtig. Mozarts Oper ├╝ber M├Ąnnersexgier, Frauenrache und Leidenschaft lebt vom musikalischen Kontrast: Pauken und Trompeten, Mandolinen und Cembalo.  

Regisseur Ultz steckt die Mozart-Oper ├╝ber den Sch├╝rzenj├Ąger und Schweren├Âter in ein modernes Kleid. Don Giovannis Diener Leporello (Peter Tilch) tr├Ągt schwarze Security-Jacke und K├Ąppi; der sich unschuldig f├╝hlende Casanova (Kyung Chun Kim), "Ich kann nichts daf├╝r, es sind die Hormone", h├Ąlt sich im schick gemusterten Trainingsanzug mit einer f├╝nf Kilo Hantel fit oder in Laune mit Champagner; wenn nicht gerade in ein fremdes Bett steigt.

Der geh├Ârnte Br├Ąutigam (Daniel Pannermayr), hat ein T-Shirt mit der Aufschrift "Letzter Dog in Freiheit" ├╝bergestreift. Er zieht mit dem Gewehr los, um seinen Nebenbuhler Don Giovanni zu erlegen, der ihm die Hochzeitsnacht mit seiner Verlobten (Emily Fultz) streitig machen will.  Der mit einem Baseballschl├Ąger bewaffnete Vater (Heeyun Choi), der seine Tochter (Kathryn J. Brown) vor der Vergewaltigung gerettet hat, stirbt nach einem lautlosen Pistolenschuss.

Sch├Âne Musik, sch├Âne Stimmen, sch├Âne Momente. Die Musiker m├╝ssen selbst schmunzeln, als Mozarts Notenwerk die Streicher wie Mandolinenspieler klimpern l├Ąsst; ansonsten schauen sie eher genervt und gelangweilt. Das k├Ânnen zwar die wenigsten im Publikum sehen, aber es passt irgendwie zu diesem Abend, an dem der Funke nicht richtig ├╝berspringt.

Die Zuh├Ârer, die nicht in den vordersten Reihen sitzen, bem├Ąngeln dass der f├╝r das B├╝hnenbild gebaute Kasten, ein wei├čes Zimmer, das sich in Schlafgemach oder Partyraum verwandelt, die Stimmen der Singenden stellenweise verschluckt habe. Manche meinten, der Dirigent habe das Orchester zu schnell angetrieben, deshalb hinkten die Solisten hinterher. Es k├Ânnte auch am Kommunikationsmangel durch den Kasten gelegen haben, meint der Profi-Kritiker der Heimatzeitung. Mal sehen, was der schreibt.

hud

 
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