Donnerstag, 23. Januar 2020
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Bayern >> Donnerstag, 12. Dezember 19

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Großes Medienaufgebot, ein Justizbeamter nimmt dem angeklagten Brummifahrer die Handschellen ab. (Foto: Altvater/ mediendenk)
Fernfahrer verurteilt

Zweijährige Haftstrafe nach riskantem Überholmanöver

Der Fernfahrer, 53 Jahre alt, Schnauzbart, schütteres Haar, kariertes Flanellhemd, sitzt wie ein Häufchen Elend auf der Anklagebank und schluchzt fast den ganzen Prozess über. Nach drei Stunden das Urteil: Er muss mindestens bis Herbst im Passauer Stadtgefängnis bleiben, zwei Jahre und drei Monate Haftstrafe für einen vorsätzliche Gefährdung im Straßenverkehr.

Der tschechische Staatsbürger hatte am Steuer eines Sattelzugs ein mörderisches Manöver verübt. Auf der Bundesstraße 12 bei Freyung überholte er im Februar in einer unübersichtlichen Rechtskurve einen Lastwagen; im Gegenverkehr kam ein Schulbus. Es ging gerade noch einmal gut aus, weil die beiden anderen Kraftfahrer ausweichen konnten.

Ein nachfolgender Lkw-Fahrer hatte die dramatischen Sekunden auf der in seiner Kabine festinstallierten Verkehrskamera aufgezeichnet. Der Videobeweis landete erst im Netz, dann bei Ermittlern. Der Brummifahrer wurde in seiner Heimat im März in Auslieferungshaft genommen, im Juni nach Passau überstellt.

Die von der Passauer Staatsanwaltschaft erhobene Anklage wegen versuchten Mordes am Landgericht scheiterte, weil Richter dort diese als überzogen sahen. Das Münchner Oberlandesgericht entschied auf die Beschwerde der Staatsanwaltschaft hin schließlich, das die Anklage am Amtsgericht gut aufgehoben sei; kein Mordversuch, sondern ein „vorsätzliche Gefährung im Straßenverkehr“.

Der Verteidiger führte an, dass sein Mandant, ein dreifacher Familienvater, wegen der im Raum stehenden Mordversuchsvorwürfe psychisch sehr belastet gewesen sei. In der Haft sei er isoliert, weil seine Frau sich die Besuchsfahrten nicht leisten könne. Er lebt wohl in einfachen Verhältnissen. Im Passauer Stadgefängnis teilt er  sich die Zelle derzeit mit einem Landsmann, einem Betrüger.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Der Staatsanwalt sagt im Prozess, er wolle mit dem Strafmaß eine Zeichen gegen die "Verrohung im Straßenverkehr" setzen. Historisch gesehen gab es rohere Zeiten: Bis in die 1970er Jahre existierte kein Tempolimit auf Landstraßen. Erst wegen der vielen tödlichen Unfälle wurde Tempolimit 100 eingeführt.

Im Juli wiederholte sich der ähnliche Fall eines riskanten Überholmanövers im Bayerischen Wald. Diesmal ein Autofahrer und ein entgegenkommender Reisebus. Videobeweis. Der Autofahrer, so hat ein Kfz-Gutachter unserer Redaktion nachgetragen, hat seinen Führerschein abgegeben und den Strafbefehl über eine Geldstrafe akzeptiert.
 

ta/ hud

 
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