Freitag, 06. Dezember 2019
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Bayern >> Donnerstag, 14. November 19

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So grausam kann Bayern sein: Ein Bub mit einem Teddybär in der Hand klingelt an der Waisenhaustür. Seine Mutter haben sie in Abschiebehaft gesperrt. (Archivfoto vom Januar 2019: mediendenk)
Wenn Abschiebung zum HĂ€rtefall wird

Wer hilft Hahmudi?

„Das wĂ€re der Wahnsinn, dieses Kind abzuschieben!“, sagt die Schulleiterin. „Dublin gehört abgeschafft“, fordert eine RechtsanwĂ€ltin. „Kirchenasyl ist politischer Konfliktstoff und es dĂŒrfte schwierig sein, einen Platz zu finden“, bedauert ein Mann der Kirche. „Wir mĂŒssen was tun!“, sagt der Reporter zu seinen Kollegen. In Berlin und Regensburg haben sich neue Initiativen gebildet, die Verfolgten die Hand ausstrecken: BĂŒrgerasyl.

Abschiebung bedeutet oft menschliche Grausamkeit. Hochschwangere Frauen werden im Morgengrauen mit ihren Kindern aus den Betten gerissen. Eine Migrantin in Passau hat das bereits zu Jahresbeginn erlebt. Der Fall ging durch die Medien, weil Mutter und Kind zwölf Tage lang getrennt worden waren. Die Hochschwangere im AbschiebegefĂ€ngnis, ihr Söhnchen im Waisenhaus. Sie durften zurĂŒckkehren.

Jetzt droht sich das Schicksal fĂŒr die kleine Familie zu wiederholen. Vermutlich zum letzten Mal ist vorgestern die Duldung um einen Monat verlĂ€ngert worden. Das GesprĂ€ch bei der Zentralen AuslĂ€nderbehörde in Deggendorf hat offenbar nichts gebracht. „Dublin greift“, sagte die Beamtin. Das bedeutet fĂŒr Drei, man zwingt sie nach Lettland.

Doch Passau ist lĂ€ngst ihre neue Heimat geworden. Der siebenjĂ€hrige Sohn, ein aufgewecktes Kind, das mit seinen Deutschkenntnissen besticht, besuchte den Kindergarten und seit September die erste Klasse einer Grundschule. Das Trauma der ersten Abschiebung hat der Kleine gerade verkraftet, man dĂŒrfe ihm das kein zweites Mal antun, sagen PĂ€dagogen. Jeder, der Hahmudi und seine Mutter kennenlernt, wĂŒrde sich sofort mit aller Kraft fĂŒr sie einsetzen. BrĂŒderchen Elias ist ein gebĂŒrtiger Passauer, drei Monate alt. Zudem gibt es hier eine wichtige Familienbindung: Der Bruder der Mutter ist Wirtschaftsstudent an der Uni Passau im dritten Semester.

Diese dramatische Geschichte um eine Passauer Migrantenfamilie ist geplant fĂŒr unser nĂ€chstes Heft, aber bis dahin könnte es zu spĂ€t sein. Schon morgen könnten wieder in aller HerrgottsfrĂŒh sechs Polizeibeamte anrĂŒcken, die weisungsgebunden ihren Dienst tun: Mutter, Kind und Baby aus dem Schlaf reißen, um sie, wie es juristisch korrekt heißt, in „Ausreisegewahrsam“ zu nehmen. Was fĂŒr ein Begriff fĂŒr eine Zwangsmaßnahme, die in der HĂ€rte schlimmer ist als die Festnahme eines mutmaßlich Kriminellen, weil es Unschuldige und Schwache trifft, deren Unrecht darin besteht, auf Mutter Erde an falscher Stelle ihr LebensglĂŒck zu suchen oder gefunden zu haben.

Sehr geehrte Frauen Regierungsdirektorin Puschert-Sedlmaier und Vizileiterin Bettina Nickel vom Katholischen BĂŒro Bayern, sehr geehrte Herren Innenminister Herrmann, Bischof Oster, RegierungsprĂ€sident Haselbeck, Landtagsabgeordnete Waschler, Flisek und Schuberl, Caritasdirektor Endres und OberbĂŒrgermeister Dupper, bitte helfen Sie mit, dass eine Petition an den Landtag und Schreiben an die bayerische HĂ€rtefallkommission nicht vergeblich gewesen sind.

Die Betroffenen: Sama Chukri Chreih (31 Jahre), Elias (drei Monate) und Hahmudi (sieben Jahre)

Wenn BĂŒrger fĂŒr Menschen bĂŒrgen, die unserem Land dienen und es vorwĂ€rtsbringen wollen, dann dĂŒrfen keine bestehenden alten Paragraphen, dann mĂŒssen neue, menschennahe und wirklichkeitsgerechte Regeln der Maßstab sein.

 
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