Freitag, 22. November 2019
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Lokalnachrichten >> Samstag, 02. November 19

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Passanten bleiben am Gedenkort für den getöteten Passauer Iman R. stehen. (Foto: mediendenk)
Tödliche Messerattacke

Haftbefehl wegen Mordes

Am Mittwoch um 16 Uhr wird die Gemeinde der Evangelischen Freikirche in Passau-Haidenhof, der das Mordopfer aus dem Univiertel angeh√∂rte, eine Gedenkfeier abhalten. Es wird gesammelt f√ľr die √úberf√ľhrung des Get√∂teten nach Teheran.

"Wir wollen Geld sammeln, dass seine Leiche in der Heimat bestattet werden kann", erzählen die besten Freunde des Getöteten. Das sei der Wunsch der letzten Angehörigen, die in Teheran leben: eine alte, kranke Mutter, ein behinderter Bruder und eine Schwester.

3. November, 11 Uhr

Der Haftrichter hat den mutma√ülichen M√∂rder des Passauer K√ľchenangestellten Iman R. (33) ins Gef√§ngnis geschickt. Der 26-j√§hrige Asylbewerber aus dem Iran, ein Landsmann des Get√∂teten, wird bis zum Prozess in Untersuchungshaft bleiben.

Der Haftbefehl ist am Sonntagvormittag ausgestellt worden wegen Mordes. Nach Angaben von Beobachtern hat der Beschuldigte bei der einst√ľndigen Haftvorf√ľhrung sich nicht zur Tat ge√§u√üert. Er hatte sich am Vortag in Wiesbaden der Polizei gestellt. Die Ermittler hatten bereits den Namen des Tatverd√§chtigen gekannt und sprechen von "Beziehungsproblemen".

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Von der Messerattacke bis zur Stelle, wo der t√∂dlich Verletzte starb; der k√ľrzeste m√∂gliche Fluchtweg misst 500 Meter. (Quelle: maphub/mediendenk)
In der Halloweennacht soll es zwischen den beiden M√§nnern am Zentralen Busbahnhof von Passau zur Konfrontation gekommen sein. Bei einem Messerangriff erlitt der 33-J√§hrige schwere Stichverletzungen am Oberk√∂rper. Er muss in Panik davongelaufen sein. Warum in der belebten Partynacht nicht fr√ľher Passanten auf ihn aufmerksam wurden, ist unklar.

2. November, 15.30 Uhr

Enge Freunde haben am Nachmittag einem verlorenen Leben ein Gesicht gegeben: Sie stellten im Univiertel am Gedenkort f√ľr den get√∂teten Passauer Iman R. (33) Kerzen und Bilder auf. 

Nach Auskunft der Trauernden lebte Iman R., ein geb√ľrtiger Iraner, seit f√ľnf Jahren in Passau, hatte eine Wohnung in einem Stadteil n√∂rdlich der Donau und arbeitete in der Gastronomie, zuletzt einem Speiselokal im Neumarkt. Sein j√ľngerer Landsmann soll erst vor zwei Monaten in die Stadt gekommen sein.

2. November, 13 Uhr

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Ein Landsmann des erstochenen 33-j√§hrigen Passauers hat sich am fr√ľhen Samstagmorgen im 500 Kilometer entfernten Wiesbaden der Polizei gestellt. Zwischen Opfer und T√§ter soll es laut Polizeibericht "seit l√§ngerem erhebliche Beziehungsprobleme gegeben haben."

Der 26-j√§hrige Festgenommene wird nach Passau √ľberstellt und einem Haftrichter vorgef√ľhrt. Er hat in Wiesbaden offenbar Bekannte. In die Fahndung war laut Polizeibericht eine 20-k√∂pfige Arbeitsgruppe der Kripo eingebunden. Ausgangspunkt des Streits soll nach neuesten Erkenntnissen das Umfeld des Nibelungenplatzes, zwischen Supermarkt und Busbahnhof, gewesen sein. Ein Zeugenaufruf erfolgte zudem auf Persisch. Dort und auf dem Fluchtweg des Attackierten sind zahlreiche √úberwachungskameras installiert.

1. November, 16 Uhr

Bis zum Nachmittag sind bei der Polizei mehrere Hinweise auf das Verbrechen im Unviertel eingegangen, die derzeit ausgewertet werden. Ebenso die Aufzeichnungen der √úberwachungskameras.

Der Pressesprecher des Polizeipräsidium Straubing hatte um 13 Uhr erste Details zum Tötungsdelikt im Univiertel herausgegeben:

  • Es gibt keine Anhaltspunkte f√ľr eine fremdenfeindliche Tat. Es handelt sich bei dem Get√∂teten um einen Passauer mit iranischen Wurzeln, einem ehemaligen Asylbewerber. 
  • Tatort und der Ort, an dem der Erstochene aufgefunden worden ist, sind nicht identisch.
  • Die Polizei fragt deshalb, ob jemand einen Streit, eine Auseinandersetzung im Umfeld der Innstra√üe, N√§he Eisenbahnbr√ľcke, auf dem Uni-Gel√§nde, am Zentralen Omnibusbahnhof oder am Kleinen Exerzierplatz ("Klostergarten") gemacht hat: 0851 - 9511-0

In Studentenkreisen ist bekannt, dass die R√ľckseite der Innsteg-Aula ein beliebter Treffpunkt von Migranten ist. Er ist von der Stra√üe her nicht einsehbar, liegt etwa 200 Meter vom Auffindeort des Get√∂teten entfernt.

1. November 9.40 Uhr:

Passau - Ist der 33-jährige Erstochene aus dem Universitätsviertel ein Student oder ein Asylbewerber, ein Passauer oder ein Tourist?

Die Staatsanwaltschaft hat angeordnet, dass die Herkunft des getöteten Mannes vorerst nicht bekannt gegeben wird.

Die Pressemitteilung √ľber die t√∂dliche Messerattacke, die sich vermutlich auf offener Stra√üe ereignet hat, beschr√§nkt sich auf einen versp√§teten Zeugenaufruf: Hat jemand zwischen 21 und 22 Uhr verd√§chtige Wahrnehmungen gemacht?

Auf dem Gehweg der Innstra√üe, vor einem Parkplatz nahe der Pizzeria ‚ÄěPadu‚Äú, hatten Passanten gegen 21.40 Uhr den Sterbenden entdeckt, der am Oberk√∂rper stark verwundet war. ‚ÄěTrotz sofortiger Reanimation durch den herbeigerufenen Notarzt verstarb das Opfer noch am Auffindeort‚Äú, hei√üt es im Polizeibericht. In der Pizzeria, 15 Meter entfernt, war zu dieser Zeit Betrieb. 

Passanten h√§tten den den Schwerverletzten auf dem Gehweg liegend bemerkt, hei√üt es im Polizeibericht. Widerspr√ľchlich dazu berichtet im Netz eine angebliche Augenzeugin, dass der Schwerverletzte ihrer Gruppe, sie schreibt von vier Begleitern, entgegengelaufen sei. Er sei in ihren Armen gestorben, habe keine Lebenszeichen mehr gezeigt, als der Notarzt eintraf. Diese Betroffene gibt an, dass das Opfer mit einer auff√§llig wei√üen Jacke bekleidet gewesen sei. Dies sei ein wichtiger Hinweis f√ľr m√∂gliche Zeugen des vorangegangenen Streits.

Um 7 Uhr morgens, neun Stunden nachdem das Verbrechen entdeckt worden ist, bei Dienstbeginn der neuen Schicht, hat die Polizei ihren ersten Fahndungsaufruf gestartet. Warum war es neun Stunden lang nicht f√ľr notwendig erachtet worden, die Bev√∂lkerung zu informieren, nach verd√§chtigen Wahrnehmungen zu fragen? Ja, vielleicht auch vor einem Messert√§ter zu warnen?

Im digitalen Netz verk√ľndet das Polizeipr√§sidium manchmal jeden Maidulteinsatz. Hier bleibt es stumm. Neun Stunden vor dem Verbrechen hat es in der letzten Twitternachricht des Polizeipr√§sidiums gehei√üen: "Wenn ihr Halloween feiert, nat√ľrlich viel Spa√ü und viel Vergn√ľgen dabei und allen guten "Geistern" eine schaurige und friedliche Halloweennacht." Es folgt - fast makaber - als n√§chste Meldung der Zeugenaufruf zu "Messerstich - Opfer stirbt."

Die Spurensicherer haben im Umkreis des Tatorts das Laub weggekehrt. Kreidestriche markieren den Umriss des Get√∂teten. Jemand hat vier Rosen abgelegt. Auf einer Haustreppe in der N√§he liegen eine blaue Wolldecke und ein gr√ľn-wei√ü-kariertes Kissen, die wohl die Ersthelfer verwendet haben.

Ein Sprecher der Einsatzzentrale in Straubing, welche federf√ľhrend an einem Feiertag f√ľr die Ausk√ľnfte zust√§ndig ist, wei√ü darauf keine Antwort, warum eine √∂ffentliche Fahndung zun√§chst √ľber viele Stunden nicht notwendig war. Er kann nur vermuten, dass der "Sachverhalt sich ge√§ndert" habe. Im Klartext: Man ist offenbar davon ausgegangen, dass sich der T√§ter mit eigenen Kr√§ften schnell ermitteln l√§sst.

Passau ist eine √ľberschaubare Provinzstadt und das allt√§gliche Polizeiaufgebot so gro√ü wie noch nie in deren Geschichte. Es h√§ngt mit der Grenzn√§he zusammen. Seit dem Migrationsdruck 2015 sind hier neue Einheiten von Seehofers Bundespolizei und S√∂ders sogenannter Grenzpolizei installiert worden. So eine Polizeidichte kenne man nicht mal in Berlin, erz√§hlen sich Studenten und berichten, dass beispielsweise vor Kurzem bei einer Privatparty wegen n√§chtlicher Ruhest√∂rung gleich drei Streifenwagen vorgefahren seien.

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Die Innstraße ist normalerweise die Hauptverkehrsstraße im Univiertel. Am Allerheiligentag, nach der Halloweenpartynacht, herrscht Ruhe. (Foto: Tobias Köhler/mediendenk)
In dieser Halloween-Nacht waren in der Studentenstadt Passau Tausende Nachtschwärmer unterwegs, es gab viele Partys; Abfall und Scherben auf den Straßen zeugen davon. Als der Zeugenaufruf der Polizei kam, das Verbrechen bekannt gemacht worden ist, haben alle diese möglichen Zeugen fest geschlafen und manche schlafen wahrscheinlich jetzt noch.

Die Staatsanwaltschaft will im Laufe des Tages neue Einzelheiten bekannt geben.

 
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