Mittwoch, 23. Oktober 2019
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Die große Unbekannte: Max (Jacob Tremblay), Lucas (Keith Williams) und Thor (Brady Noon) finden Mädchen (Molly Gordon) plötzlich spannend. (Bild: Universal Pictures)
Kino: Good Boys

Wie geht kĂŒssen?

“Good Boys” ist die neue Komödie des Regisseurs Gene Stupnitsky, der von Seth Rogen und Evan Goldberg produziert wurde.

Die beiden Letzteren habe ich bewusst erwĂ€hnt, weil diese Konstellation Kinofreunden möglicherweise etwas sagt: Das Duo Rogen/Goldberg schuf gemeinsam das Drehbuch fĂŒr “Superbad” im Jahre 2007, eine Kultkomödie; entsprechend wurde “Good Boys” beworben. Die Geschichte ist damals wie heute die gleiche. Heranwachsende wollen unbedingt auf eine bestimmte Party, damit ihr Ansehen steigt und sie bei ihrer Angebeteten landen. Diesmal sind es drei Knirpse: Max, Lucas und Thor.

Trotz der kindlich-jugendlichen Protagonisten ist “Good Boys” ein Film fĂŒr Erwachsene, denn er steckt voll schlĂŒpfriger Zweideutigkeiten. Die meisten Pointen bauen darauf auf, dass die drei kleinen Gangster die Dinge permanent fehl interpretieren, wenn sie mit SexualitĂ€t und  deren Spielarten konfrontiert werden. Von der unschuldigen Frage, wie man richtig kĂŒsst (und vor allem, wohin!), wofĂŒr Tampons gut sind bis zum Fund der elterlichen “Wiederbelebungspuppe” mit den großen BrĂŒsten; nichts wird ausgespart, vieles ĂŒberzeichnet.“Good Boys” nutzt dieses Stilmittel, um dem Zuschauer die naive Weltsicht der Protagonisten nĂ€herzubringen. Er betrachtet mit VergnĂŒgen die Dissonanzen, zusĂ€tzlich angereichert mit einer unĂŒberschaubaren Menge von Zoten. Das Lustige könnte schnell platt wirken, wird es aber nicht. Die Macher zeichnen die Charaktere der Unbedarften behutsam, hinterfragen die als selbstverstĂ€ndlich gesetzten Positionen von Reife und Anerkennung.

Als Max als einziger auf seine erste “Kussparty” eingeladen wird, ziehen seine Kameraden Lucas und Thor aus SolidaritĂ€t mit. Dem Zuschauer wird vor Augen gefĂŒhrt, dass die Interessenkonflikte in diesem Alter durch den entschieden werden, der den zielstrebigsten Egoismus an den Tag legt (und der solche Gespanne meist ruiniert). Lucas, den MĂ€dchen und Alkohol am wenigsten interessieren, aber die Clique zusammenhĂ€lt, beweist gerade durch sein Desinteresse Reife, wĂ€hrend fĂŒr Thor die Erkenntnis dĂ€mmert, dass nicht der Kampf um Anerkennung wichtig ist, sondern man zu akzeptieren hat, seinen eigenen Weg zu gehen.

"Good Boys" thematisiert wie nebenbei, aber umso interessanter, das Erwachsenwerden im 21. Jahrhundert. Wie beispielsweise die Möglichkeit, zu jeder Zeit das unendliche Wissen aus dem Netz zu schöpfen zur Gefahr werden kann, das eigene Lernen zurĂŒckbleibt. Eine Kameradrohne wird von den Knirpsen missbraucht, um eine angeblich nymphomane Nachbarin auszuspĂ€hen. Und der Albtraum aller PĂ€dagogen wird wahr, wenn das Trio im Zuge seiner Nachforschungen auf Pornoseiten stöbert. Der Erkenntnisgewinn stellt sich als gering heraus und die kleinen Burschen merken schnell: Erfahrungen mĂŒssen am Ende selbst gemacht werden. Manche Dinge Ă€ndern sich eben nie.

“Good Boys” verpackt mit seinem eigenstĂ€ndigen dramaturgischen Stil den Stoff höchst amĂŒsant. Schade ist nur, dass dies nicht ganz bis zum Ende durchgezogen wird, die Auflösung der Story etwas betulich und standardgemĂ€ĂŸ daherkommt.

Zu sehen gibt es "Good Boys" im Cineplex.

 

 
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