Dienstag, 20. August 2019
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Lokalnachrichten >> Montag, 29. Juli 19

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Das Aushängeschild der "Europäischen Wochen", das hervorragende italienische Theaterstück "Lampedusa Way" als deutsche Uraufführung wurde zum Flop. (Foto: mediendenk)
Zehn-Jahres-Vergleich

Europäische Wochen: Auf die Hälfte gesundgeschrumpft

Mit 11.700 Besuchern und 7.400 „gebuchten Tickets“ hat der künstlerische Leiter die Abschlussbilanz der 67. Europäischen Wochen bekannt gegeben. Es war die zweite Spielzeit ohne Intendanz. Die Zahl der tatsächlich verkauften Tickets will er nicht nennen.

„Das war eine beeindruckende Gemeinschaftsleistung“, lobt Carsten Gerhard in der Pressemitteilung alle Mitwirkenden. Die Ausstellung „La Grande Guerra Bianca“ im Kulturmodell war mit gut 2.500 Besuchern der größte Magnet. Als „Höhepunkte“ genannt werden die Gastspiele „hochkarätiger klassischer Orchester, Ensembles und Solisten“, darunter die „Academy of St. Martin in the Fields“, „Amsterdam Sinfonietta“, Julia Lezhneva mit Dmitri Sinkovsky und dem Ensemble La Voce Strumentale, Frank Peter Zimmermann und Martin Helmchen.

Flaute beim Flüchtlingsdrama
Zum ersten Mal in Deutschland war das Theaterstück „Lampedusa Way“ der italienischen Regisseurin Lina Prosa zu sehen. Es ist als bedeutsames Ereignis der Festspiele auffällig plakatiert worden, aber der Vorverkauf lief mau. "Studentenangebot: 6 Euro" wurde zum Schluss aufgeklebt.

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Erinnerungsfoto nach dem Abschlusskonzert: Mit dem Glanz der Passauer Goldhaubenfrauen setzten ihr schönstes Lächeln auf das EW-Team (v.l.): Kratzer, von Moreau, Gerhard, Brunner und von Pollak. (Foto: Roswitha Prasser)
Warum die Zurückhaltung des Pubikums? Um Kosten zu sparen, sei darauf verzichtet worden, die Produktion in deutscher Sprache umzusetzen, erklärte Gerhard in der Heimatzeitung. Ein Theater mit Übertiteln fanden manche Interessierte vielleicht zu anstrengend. Zudem war der Veranstaltungsort, eine Mehrzweckhalle im Gewerbepark Passau-Kohlbruck nicht gerade attraktiv. Der Große Redoutensaal hätte genügt, resümierte PNP-Feuilleton-Leiter Raimund Meisenberger nach der Premiere angesichts der leeren Reihen. Die Inszenierung selbst und die Schauspieler treffen das Thema mitreißend.

Verkaufszahlen verschwiegen
Wie viele Ehren- und Freikarten sind an Partner, Presse und Sponsoren  gegangen? „Wir liegen bei den Besucherzahlen der Konzerte im Verhältnis der Vorjahre“, weicht Carsten Gerhard der Frage aus. Den Anteil der kostenlosen Tickets unter den 7.400 „gebuchten“ will er nicht nennen. Von Verhältnissen früherer Jahre ausgehend, dass ein Siebtel der Konzertbesucher kostenlos dabei sind, heuer also mindestens 1.000, wären 6.400 Tickets echt verkaufte.

Um das alles besser zu bewerten, ein Vergleich mit den 57. Europäischen Wochen vor zehn Jahren, 2009 unter Intendant Pankraz von Freyberg:

  • 14.000 gebuchte Tickets
  • davon 12.000 bezahlte Tickets
  • zuzüglich 26.000 Besucher in kostenlosen Ausstellungen, Gottesdiensten, Vorträgen, Diskussionen; die Besucher der Kunstnacht und die Betrachter einer Skulptur auf der Innwiese der Universität, „Auf dem Weg zum Mond“, sind damals mitgezählt worden.

Dem stehen heute die 67. Europäischen Wochen gegenüber:

  • 7.400 gebuchte Tickets
  • 6.000 bezahlte Tickets (geschätzt)
  • zuzüglich 4.300 Besucher in kostenlosen Ausstellungen, Gottesdiensten, Vorträgen, Diskussionen.

Der EW-Verein um Rosemarie Weber hat die Festspiele grob betrachtet auf die Hälfte gesundgeschrumpft. Wörtlich heißt es im Pressetext: "Mit den Festspielen 2019 setzten die Europäischen Wochen ihren Konsolidierungskurs erfolgreich fort. Die Festspiele haben vorsichtig gewirtschaftet und konnten den Haushaltsrahmen der Produktionskosten ohne Schwierigkeiten einhalten."

Kunst, die berühren und bewegen will, braucht Paukenschläge und Provokation. Sie "vorsichtig" in einen "Haushaltsrahmen" zu spannen, das klingt nicht wirklich gut.

Kunst ist kein Kartoffelfeld, das man säen und ernten kann. Sie ist wie eine Blume, die auf dem Acker wächst, nutzlos für den Bauern, aber wundervoll für den Betrachter

 
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