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Hat mal wieder alle Hände voll zu tun: Dorfsheriff Eberhofer (Sebastian Bezzel). Foto: Constatin
Kino: Leberkäsjunkie

Im H√ľhnerstall, da liegt eine Leiche

Die "Constantin"-Filmgesellschaft" hat die neueste Verfilmung der beliebten "Eberhofer"-Krimis von Rita Falk im Passauer Cineplex-Kino vorgestellt. "Leberk√§sjunkie" ist der sechste Teil der Reihe um den br√§sigen Dorfpolizisten Franz Eberhofer (Sebastian Bezzel). Regie f√ľhrte wieder Ed Herzog, der schon die Vorg√§nger verfilmte.

Nach dem Motto ‚ÄúNever change a running system‚ÄĚ pr√§sentiert ‚ÄúLeberk√§sjunkie‚ÄĚ eine Menge Slapstick und Situationskomik vor dem Hintergrund eines m√§√üig interessanten Kriminalfalls auf dem niederbayerischen Dorf. Dieser kommt erst mit einiger Drastik daher, eine Frau wird als verkohlte Leiche in einem Bauernhaus entdeckt, das wird dann aber verbl√ľffend schnell zur Nebensache. Es mag den Charme der Reihe ausmachen, dass die Suche nach dem Schuldigen bestenfalls gleichberechtigt ist mit den allt√§glichen Sorgen und Problemen Eberhofers, die Regisseur Ed Herzog genussvoll in breitestem Niederbairisch ausbreitet.

Trotz des h√§sslichen Mordes ist die Niederkaltenkirchner Idylle nie wirklich gef√§hrdet, selbst dann nicht, wenn Eberhofer, dieser ‚ÄúLeberk√§sjunkie‚ÄĚ, auf Di√§t gesetzt wird. Im Handlungsverlauf werden Themen aufgenommen und verwoben, wie es gerade passt, Hauptsache, der Dorfcop kommt gut ins Schwitzen: gierige Investoren, alleinerziehende Eltern, Rassismus - und das alles gleichzeitig und gleich wichtig. Es stellt sich mit der Zeit eine gewisse Beliebigkeit ein, denn dieses Nebeneinander von v√∂llig unterschiedlichen Themen vermittelt den Eindruck, wir bek√§men hier die Staffel eine Heimatserie zu sehen, die man auf knapp einhundert Minuten eingedampft hat.

Dass ‚ÄúLeberk√§sjunkie‚ÄĚ trotz allem unterhaltsam bleibt, ist haupts√§chlich dem Ensemble zu verdanken. Hauptdarsteller Sebastian Bezzel spielt Eberhofer als meist sonambulen Trampel, der im richtigen Moment dann aber doch mal zulangen kann; sei es mit kalauernder Schlagfertigkeit oder entschlossener Handfestigkeit. Ein Reigen mal mehr, mal weniger bekannter Gesichter baiert sich dabei mit ihm durch die Geschichte: die Konstanzer "Tatort"-Kommissarin Eva Mattes ("Klara Blum" kaum wiederzuerkennen als wuchtige Esotante), der Oberpf√§lzer Komiker Harry G. in einer Gastrolle als Nymphomane oder der Passauer Kabarettisten Sigi Zimmerschmied als Oberwachtmeister.

Eberhofer und seine Dorfclique sind liebenswerte Querk√∂pfe: Sie fressen, saufen, schreien und sind ein bisschen korrupt. Diese ironische √úberzeichnung rettet die Krimikom√∂die davor, in Sentimentalit√§ten abzugleiten und den oft dr√∂gen Alltag auf dem Dorf als ‚Äúheile Welt‚ÄĚ zu idealisieren. Insofern hat Rita Falks Krimireihe ihren Erfolg verdient. Aber ganz von Kritik freisprechen kann man sie nicht: Neben der bereits erw√§hnten Beliebigkeit einzelner Handlungsteile, oft nicht  zu Ende gef√ľhrt, ist es insbesondere die  zwiesp√§ltige Darstellung von Homosexualit√§t, die stutzig macht. So blamiert sich Eberhofer zu Recht, als ihm sein scheinbar unbekannter Gegen√ľber pl√∂tzlich er√∂ffnet, er habe ihm damals in der Schule ‚ÄúSchwuchtel‚ÄĚ auf den Rucksack geschmiert; etwas weiter vorne sind es aber dann doch wieder die Schwulen, die f√ľr √Ąrger sorgen, weil sie viel zu emotional sind. Hier besteht Nachholbedarf in dieser sonst durchaus reflektierten Kom√∂die.

 ‚ÄúLeberk√§sjunkie‚ÄĚ bleibt trotz dieser M√§ngel eine gelungene Dorfklamotte mit flottem Erz√§hltempo, dem richtigen Cast und viel bayerischem Humor. Unterhaltsame Sommerleinwandkost. L√§uft ab 1. August.

Clemens Pittrof

 
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