Montag, 16. September 2019
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Lokalnachrichten >> Samstag, 13. Juli 19

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Der Eigentümer hat ein Gerüst aufstellen lassen: Vorbereitungen zum Abriss. (Foto: mediendenk)
Empörung im Bayerischen Landtag

Denkmalfrevel "Linzer Tor": Grobe Missachtung des Parlaments

Dieser Alleingang des Passauer SPD-OberbĂŒrgermeisters hat Wellen der Empörung bis nach MĂŒnchen schlagen. Es geht um ein Kulturerbe, das alte Holzhaus am Linzer Tor im sogenannten Malerwinkel. Der Abriss wird gerade vorbereitet.

„Der Umgang der Stadt Passau mit ihren BaudenkmĂ€lern ist skandalös,“ so die denkmalpolitische Sprecherin der GrĂŒnen-Fraktion im Landtag, Dr. Sabine Weigand. Dass identitĂ€tsstiftende Bauten verschwinden, sei "skandalöse und kulturlose Politik", kritisiert mit selber SchĂ€rfe das Vorgehen Monika Fecher, stellvertretende Vorsitzende vom "Forum Passau".

Was ist passiert? Das Forum Passau, ein Verein zur Bewahrung des Stadtbilds und der Landschaft, hatte eine Petition beim Bayerischen Landtag eingereicht, um das Denkmal am Linzer Tor zu retten. ZunĂ€chst erfolgreich. Eine Delegation reiste im MĂ€rz eigens nach Passau zur Ortsbesichtigung. Die Beteiligten, darunter der EigentĂŒmer mit seinem Anwalt und Lokalpolitiker fast aller Parteien, an der Spitze die Landtagsabgeordneten Gerhard Waschler (CSU) und Toni Schuberl (GrĂŒne), gingen mit dem Ergebnis auseinander: Das Landesamt fĂŒr Denkmalpflege solle eine erneute Bestandsuntersuchung vornehmen und die Stadt bis dahin den Antrag des EigentĂŒmers auf Abriss zurĂŒckstellen.

Es kam anders. Am 10. Juli hat der zustĂ€ndige Ausschuss des Bayerischen Landtags den Fall erneut auf die Tagesordnung gesetzt. „Grund dafĂŒr war, dass die Stadt Passau bereits im Mai eine Abrissgenehmigung erteilt hat, ohne den Ausschuss zu informieren. Schreiben des Vorsitzenden sowie weiterer Landtagsabgeordneter wurden vom OberbĂŒrgermeister nicht beantwortet“, erklĂ€rt Schuberl. Sein CSU-Kollege Waschler spricht in der Heimatzeitung von "Wortbruch".

Der Landtagsausschuss hat nach der Debatte einstimmig beschlossen, dass der Neubau sich streng an das Original zu halten habe, damit das sensible Ensemble an dieser Stelle nicht weiter geschwÀcht werde.

Das „Forum Passau“ habe, wie es heute in einer Pressemitteilung heißt, in seiner fĂŒnfzigjĂ€hrigen Geschichte erst zweimal den Petitionsausschuss in MĂŒnchen eingeschaltet, um die Schönheit der DreiflĂŒssestadt zu bewahren. Im ersten Fall hat eine Privatschule in der Altstadt ein Stockwerk zurĂŒckbauen mĂŒssen, dass sie sich als Schwarzbau aufgesetzt hatte. Im aktuellen Fall ist das Original wohl verloren.

FĂŒr die Arbeit des Petitionsausschusses sei die jetzige Situation prekĂ€r, schreibt Forumsvorsitzender Friedrich Brunner. "Wenn sich herumspricht, dass dessen BeschlĂŒsse ohne Folgen missachtet werden können, kann er sich selbst abschaffen.“ Das Vorgehen der Stadt stellt eine "grobe Missachtung des Parlaments" dar.

Der EigentĂŒmer des Holzhauses, das ĂŒber Jahrzehnte vor aller Augen dem Verfall preisgegeben war, hat ein GerĂŒst aufstellen lassen. Es sind wohl die Vorbereitungsen zum Abriss.

Historiker Matthias Koopmann, Stadtrat der Passauer Liste, hegt den sehnlichen Wunsch, dass der Bauherr zumindest markante hölzernen Bestandteile wie Balkon oder Dachverzierungen unbeschadet entnehme und diese in die Kopie wieder einbaue.

Welche Rechtswirksamkeit der Beschluss des Landtags hat, wird sich zeigen.

 
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