Mittwoch, 22. Mai 2019
·
·

Bayern >> Samstag, 11. Mai 19

bild_klein_0000015475.jpg
Armbrüste im Zimmer, Sportbpgenschütze am Auto: Aufkleber am Wagen der Toten. (Foto: mediendenk)
Tatort Waldpension

Drei Leichen, drei Armbrüste und tödliche Pfeile

„Da ist man einmal nicht im Haus und dann passiert so etwas", sagt ein Fabrikarbeiter aus dem Schwabenland und bestellt sich nach dem Abendessen ein zweites Bier, wahrscheinlich, damit er heute ruhig schlafen kann. Er wohnt seit mehreren Monaten hier. Mit einem Dutzend anderer Pensionsgäste sitzt er in der schlichten Speisestube an einem der sechs Resopaltische. Gespräche begleitet von einem Gefühl zwischen Grusel und Grauen drehen sich darüber, was sich in der Nacht in einem der Nachbarzimmer wohl abgespielt hat. 

bild_klein_0000015484.jpg
Spurensicherer im Flur vor dem Gästezimmer der drei Leichen: Sie sichern alles, was die toten Touristen mit sich geführt haben.(Foto: mediendenk)
An diesem Samstag kurz vor der Mittagsstunde hat ein Zimmermädchen, als ihr Klopfen ohne Reaktion blieb und sie eintrat, drei Leichen im Bett gefunden; zwei junge Frauen und einen älteren Mann. 

Kurz darauf sind Spurensicherer der Kripo mit weißen Schutzanzügen und blauen Gummihandschuhen am Tatort beschäftigt. Sie verpacken alles, was den Ermittlungen dienen könnte in braunes Packpapier und Plastikkörbe, schleppen es die Treppe hinunter in ihren weißen Transporter. Reisetaschen, Handys, Bettwäsche und das ungewöhnlichste Utensil im Zimmer: drei Armbrüste, davon eine unbenutzt in der Tasche. Die Papiere verraten, dass die toten Touristen aus Niedersachsen und Rheinland-Pfalz stammen; 54 Jahre alt der Mann, 31 und 33 die Frauen.

Nachtrag: Wie sich die tödliche Tragödie abgespielt haben könnte, ob Drogen oder Alkohol eine Rolle spielten, werden die Münchner Gerichtsmedzinier am Montag oder Dienstag klären. Eines steht fest: In allen Toten stecken Armbrustpfeile. Nach eigenen Angaben hat die Kripo noch nicht klären können, in welcher Beziehung die Toten zueinander standen. Zur Frage, ob es einen Abschiedsbrief gibt, sagt der Pressespecher: "Keine Auskunft!"

Der 54-jährige Tote scheint möglicherweise Sportschütze und Jäger gewesen zu sein. Das Symbol eines Armbrustschützen  Sportbogenschützen und Jagdbetriebsschilder finden sich wieder auf einem weißen Pick-up, der verlassen auf dem Pensionsparkplatz steht; ein Autokennzeichen aus Rheinland-Pfalz. Eine Fasanenfeder hängt am Rückspiegel. Noch in der Nacht hat die Kripo den Wagen beschlagnahmt und abtransportieren lassen.

bild_klein_0000015477.jpg
Kripobeamte tragen Beweismittel, beschriftet und verpackt in braunem Packpapier, aus dem Tatorthaus, darunter zwei Armbrüste. (Foto: mediendenk)
In welchem Verhältnis stand der mutmaßliche Forstmann zu den beiden jüngeren Frauen, mit denen er sich das Zimmer teilte? Das Trio war Freitagabend spät angereist, hatte angeblich für drei Tage gebucht, ohne Frühstück. Die Pension ist ein beliebter Stopp für Durchreisende, aber auch Zeitarbeiter mieten sich hier gerne ein. Abseits der Stadt, keine Parkplatzprobleme, himmlische Ruhe.

Während die Pensionsgäste um 19 Uhr in der Speisestube neben der Küche ihr Abendessen einnehmen, Rehragout und Rinderschmorbraten, sind im zweiten Stock des Nebengebäudes die Spurensicherer immer noch bei der Arbeit.

bild_klein_0000015487.jpg
In diesem Pensionshaus sind die drei toten Touristen entdeckt worden: das hinterste Balkonzimmer. (Foto: mediendenk)
Wie die drei ums Leben kamen, welche Rolle die beiden Armbrüste spielen? Die Pressesprecher der Polizeidirektion Straubing halten sich bedeckt. Die Kripo will Zeit gewinnen. Die Angehörigen sollen es nicht aus dem Netz erfahren. Erst morgen wird es auf Anfrage mehr geben.  

Die Pension liegt abgelegen im Flusstal der Ilz. Im nächstgelegenen Ort Hals, zwei Kilometer entfernt, ein Stadtteil von Passau, haben die Bewohner nicht viel mitbekommen. Kurz nach 12 Uhr fuhren Polizei- und Notarztwagen über den Marktplatz ins obere Ilztal, sechs Stunden später in der Gegenrichtung ein silberner und zwei schwarze Mercedes-Bestattungswagen.

Nieselregen setzt zur Dämmerung ein. Über einem Burgturm, der am Flussufer gegenüber aus dem Nadelwald ragt, zieht Nebel auf. Die Ilz rauscht. Ein Kuckuck schreit. Der schwäbische Fabrikarbeiter hat sich auf den Balkon seines Zimmers zurückgezogen und eine Zigarette angezündet. Er wohnt auf dem Stockwerk, in dem die drei Leichen gefunden worden sind, im selben Flur, drei Zimmer weiter. Er hat das Polizeisiegel an der Tür gesehen.

 
Bitte klicken Sie diese Förderer
und Freunde der freien Presse:

Hier Ihre Anzeige?
Kontaktieren Sie uns!

 

Unsere News und Bilder
finden Sie wieder:
 
Tageszeitung

 

Wochenzeitung

 

Illustrierte

 

TV & Radio
ARD
ZDF
Bayerisches Fernsehen
 
Agenturen

 

Ausland

 

Internet
Google
Yahoo
Passau Bilder