Dienstag, 16. Juli 2019
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Umweltdebatte im Sportausschuss

Heikles Thema: Fußballvereine und Mikroplastik

Die Passauer StadtrĂ€te im Sportausschuss haben sich heute am lĂ€ngsten mit einem heiklen Punkt beschĂ€ftigt: Plastik auf dem Fussballplatz. 

PflegebedĂŒrftige Natur oder pflegeleichter Kunststoff? Fußballvereine wĂŒnschen sich auf ihren SpielplĂ€tzen Letzteres, weil sich ĂŒbers Jahr gesehen die Nutzungsdauer verlĂ€ngern lĂ€sst. Über die Konsequenzen hat sich keiner so richtig Gedanken gemacht. Als 2015 Wissenschaftler vom Fraunhofer-Institut ihre ersten Studien ĂŒber Mikroplastik herausbrachten, sind Kunstrasen erstmals als Quellen erwĂ€hnt worden. Im Juni 2018 haben die Forscher nachgebessert: Kunstrasen sind grĂ¶ĂŸere Mikroplastikschleudern als die gesamte Kosmetikindustrie. 

An die große Glocke gehĂ€ngt haben das die Medien nur zögerlich, denn Fußball ist in Deutschland eine Heilige Kuh, gleich nach dem Auto. Die Kommunen wollen es nicht so genau wissen, denn schließlich sind sie es, die mit hohen ZuschĂŒssen die millionenschweren Kunststoffinvestitionen der Fußballvereine erst möglich gemacht haben.

Abwiegeln ist angesagt. Ein SPD-Stadtrat hat in Passau gemeint, die Gefahr durch KunstrasenplĂ€tze sei wohl weniger dramatisch. Die Diskussion habe ein Fernsehbericht des Bayerischen Rundfunks entfacht, wonach im Quellwasser einer Brauerei, deren Quellen neben einem Kunstrasenplatz liegen, Mikroplastik nachgewiesen worden ist. Die alarmierenden Forschungsergebnisse ignoriert der Sozialdemokrat. Es ist in vielerlei Hinsicht spĂŒrbar: Den Genossen sind grĂŒne Themen zuwider, seit die GrĂŒnen sie abgehĂ€ngt haben.

Umdenken ist gefordert. Ein GrĂŒnen-Stadtrat* ÖDP-Stadtrat meinte, man könne die Verwendung von Mikroplastik nicht â€žsehenden Auges“ unterstĂŒtzen. Die Verwaltung sollte es fördern, wenn umweltfreundlichere Granulate, die bekanntlich teurer sind, eingesetzt werden. Anmerkung: Frei von Mikroplastik und krebserregenden Stoffen sind auch die "umweltfreundlicheren" Kunststoffprodukte nicht. 

Mikroplastik ist Neuland**. ÖDP-VizebĂŒrgermeister Urban Mangold, der Sitzungsleiter, dessen Partei nach dem Rekordvolksbegehren zum Artenschutz im Aufwind liegt, merkte an, dass die Mikroplastikproblematik nicht bekannt gewesen sei, als in Passau mit dem Bau von KunstrasenplĂ€tzen begonnen worden ist.

Die bisherigen vier KunstrasenplĂ€tze entsprĂ€chen alle der DIN-Norm, verteidigten sich Vertreter der Verwaltung. Dass die Normen der Wirtschaft nicht zwingend fĂŒr sauberes Wasser, saubere Luft und giftfreie Nahrung sorgen, ist bekannt.

Fazit der Politik: Die Verantwortung liege bei den Bauherren, den Fußballvereinen. Konkret derzeit in Schalding links der Donau und Patriching. Beiden ist der Zuschuss von je rund 700.000 Euro bereits genehmigt worden; in Patriching war bereits Spatenstich, in Schalding soll der Platz zum 70-jĂ€hrigen VereinsjubilĂ€um fertig sein.

Mehr dazu im nÀchsten BB-Heft.

cp/ pl

*Reporter der Lehrredaktion kannten die StadtrĂ€te nicht und orientierten sich an der Sitzordnung; ein GrĂŒnen-Stadtrat hatte diese nicht eingehalten und sich zur CSU gesetzt.  

**"Unwissenheit ist vorgeschoben" hieß es ursprĂŒnglich. Der VizebĂŒrgermeister Urban Mangold hat in einer Mail heute betont, dass bei den Genehmigungen der KunstrasenplĂ€tze das Thema "Gefahr durch Plastik" weder bekannt war noch von der Verwaltung je angesprochen worden ist.

 
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