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Kulturkritiker Hermann Schmidt hat dem Vorstand der Europäischen Wochen seinen entgültigen Austritt erklärt: "Nach längerem Hadern..." (Foto: Stefan Schopf/ mediendenk)
Demontage der Festspiele

Europäische Wochen: Kündigungsschreiben von Kulturkritiker Schmidt

Ein Restaurant verliert seinen Charakter und seine Bewunderer, wenn es sich keinen kreativen Koch mehr leistet, sondern von einem Caterer beliefern lässt. Wie belanglos wäre eine Zeitung, die mit beliebigen Texten gefüllt würde, weil sie den kritischen Chefredakteur einsparen will? Und im Kunstbetrieb ist es ähnlich. Welche Schubkraft ein fähiger Kopf entwickeln kann, zeigt seit Jahren beim niederbayerischen Landestheater Intendant Stefan Tilch. Er bringt Inszenierungen auf die Bühne, vom Broadway-Musical bis zur Wagner-Opern, sodass Großstadtkritiker beim Blick in die Provinz sich ungläubig die Augen reiben.

Jetzt das: Die Passauer Festspiele „Europäische Wochen“ (EW), genauer gesagt der Vorstand des Festspielvereins, wollen mit einem Beschluss Ende Mai den Intendantenposten entgültig streichen (mehr dazu in der neuen Printausgabe). EW-Freunde sind sprachlos, Sponsoren irritiert, manchen Mitgliedern blutet das Herz; zu Letzteren zählt Hermann Schmidt. 

Der angesehene Kulturkritiker Hermann Schmidt, Vorgänger von PNP-Feuilleton-Redakteur Raimund Meisenberger, der sich als ehrenamtliche Mitarbeiter und Mitglied des EW-Beirats mit Leidenschaft einbrachte, hat heute sein Kündigungsschreiben der Öffentlichkeint zur Kenntnis gebracht. „Jetzt war`s Zeit, weil ich nicht mehr zuschauen kann. Kannst den Anhang nach Belieben verwenden“, schrieb er seinem ehemaligen Schützling und Volontär, dem Autor dieser Zeilen.

Den Interessierten sei das Kündigungsschreiben zum Nachlesen hier angefügt:

Sehr geehrte Damen und Herren des Vorstandes,

nach längerem Hadern und aufgrund der jüngsten Entwicklung in Sachen Umstrukturierung des Vereins in Richtung „Alle Macht dem Vorstand", halte ich einen Austritt aus dem Verein Europäische Wochen für unumgänglich.

Eine Kulturinstitution dieser Tradition und Bedeutung, die offenbar nicht umhin kann, die Position künftiger künstlerischer Leiter (Intendanten) derart zu degradieren, praktisch in eine Bittsteller-Situation zu bringen, ganz je nachdem, wie er dem mächtigen Vorstand behagt, wird zwangsläufig in Bedeutungslosigkeit abstürzen.

Welche künstlerisch und organisatorisch potenziell hochrangigen Bewerber würden denn noch einen EW-Vertrag unterschreiben? Für solche Leute winkt die „Provinz“ beileibe nicht.

Ein EW-Vorstand, der – nach eigenen Aussagen -  gleich zwei Intendanten in kurzer Zeit unter nie ganz aufgeklärten Umständen verbraucht hat, sollte gehen, anstatt mit fragwürdigen „Reformen“ nur die eigenen Fehler zu kaschieren. Die Absicht ist nur allzu klar: Beim Ganzen geht es um zementierte  Machtfülle eines wohl bald unstürzbaren Vorstands, der sich dann halt Geschäftsführung nennt, und schrittweise Ausschaltung des Vereins als Souverän.

Dennoch, die Mitglieder werden sicher all das kaum Fassbare mit gehobenem Zeigefinger absegnen. Ich will da nicht dabei sein.

Deshalb erkläre ich jetzt ganz formal als jahrzehntelanger ehrenamtlicher Mitarbeiter bei den EW mit sofortiger Wirkung meinen Austritt aus dem Verein.

Trotzdem mit Glückwünschen

Hermann Schmidt

 
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