Mittwoch, 24. April 2019
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Printmagazin >> Donnerstag, 11. April 19

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B├╝rgerblick-Abonnenten handeln solidarisch

"Weil es mir nicht Wurscht is!"

"Hiermit k├╝ndige ich mein B├╝rgerblick-Abo mit sofortiger Wirkung." Nach der Preiserh├Âhung zum 1. April hat das erste Schreiben mit diesem Satz dem Journalisten das Herz in die Hose rutschen lassen.

War┬┤s das mit der freien Presse, weil f├╝r unabh├Ąngigen Journalismus, f├╝r lokale Meinungsvielfalt keiner mehr Geld ausgeben will? Gibt┬┤s doch alles gratis im Netz, h├Ârt man oft. Das Gedruckte ist sowieso von Gestern und braucht keiner mehr.

Wenige Sekunden sp├Ąter sprang der freie Journalist vor Freude fast in die Luft. Er hatte den Brief des vermeintlich verlorenen Abonnenten zu Ende gelesen, der in der n├Ąchsten Zeile wie folgt weiterging: "Und nehme stattdessen ab sofort ein Premium-Abo!" Weil es ihm "nicht Wurscht" sei, wie der Verfasser anf├╝gte. Der Journalist fotografierte das Schreiben und schickte es ├╝ber Nachrichtendienst* dem Team aufs Handy. Ein "Ehrenmann" kommentierte ein junger Kollege von der Lehrredaktion.

"B├╝rgerblick Passau" ist das einzige lokale Kaufmagazin in der bayerischen Presselandschaft, der letzte gr├╝ne Grashalm auf einer gro├čen schwarzen Asphaltfl├Ąche, auf der sich, um im Bild zu bleiben, eine dem Wachstum verschriebene Verlegerfamilie wie Fl├Ąchenfra├č ausgebreitet hat. K├Ânnen Printprodukte ├╝berhaupt ├╝berleben, wenn die Werbewirtschaft ins Netz abwandert, weil Facebook und Co. ihre Tr├╝mpfe ausspielen?

Am h├Ąrtesten trifft es augenscheinlich die Wurfzeitungen, die kostenlosen Anzeigenbl├Ątter, die zu 100 Prozent auf die Werbewirtschaft angewiesen sind. Sie k├Ânnen die Verluste nicht abfedern, nicht zum Kaufprodukt wechseln, weil sie keinen journalistischen Mehrwert bieten. Das Drama ist in den letzten Monaten sichbar geworden. Anzeigenbl├Ątter wie die "Passauer Woche" oder die "Am Sonntag" sind im Umfang geschrumpft, dienen - zum Schaden der Post und deren Kunden - den Verlegern vornehmlich als Vehikel f├╝r Werbeprospekte. Und der Inhalt? Die Redaktionen der beiden genannten Bl├Ątter sind unter ein Dach gestellt und auf eine Mininmalbesetzung eingedampft worden. Kulturteil, Sportteil, war einmal.

Andere Gratisbl├Ątter wie die "Paparazzi" halten sich als echte L├╝genpresse ├╝ber Wasser, kleiden sich in Hochglanz und gaukeln mit bezahlten Beitr├Ągen Journalismus vor; selbst die Titelseite ist seit jeher k├Ąuflich und der einzige "Mehrwert" besteht darin, dass der Herausgeber mit seiner rechtspopulistischen Feder ein paar Seiten f├╝llt. Mit Verschw├Ârungstheorien, Aufs├Ątzen zur Klimal├╝ge oder Tagesschau-Schelte, Sichtweisen, die insbesondere bei AfD-Anh├Ąngern Anklang finden d├╝rften.

Wie geht┬┤s in solchen Zeiten B├╝rgerblick, ein kleines Passauer Presseprodukt, das seit vierzehn Jahren als Kaufzeitung, seit jeher gegen den Strom schwimmt, dem David im Goliath-Revier?

Mit seinem neuen Preismodell beim Abo will B├╝rgerblick eine Debatte ansto├čen: Journalismus als kontrollierende S├Ąule der Demokratie kann nur bestehen, wenn die Gesellschaft sie solidarisch tr├Ągt. Wer das neue Premium-Jahresabo bucht, unterst├╝tzt Sonderkonditionen f├╝r Gering- und Nichtverdiener. Der Zugang zu einem Presseprodukt, das unabh├Ąngigen Journalismus und lokale Meinungsvielfalt garantiert, sollte f├╝r alle Interessierten m├Âglich sein.

Der Allgemeinarzt aus dem Landkreis, der sein B├╝rgerblick-Abo k├╝ndigte, um zum F├Ârder-Abo zu wechseln, ist nicht der einzige Abonnent, der dem Herausgeber und seinem Team das Signal gibt: Ihr seid auf dem richtigen Weg!

Transparenz: Die zahlenden Leserinnen und Leser am Kiosk und im Abo bestreiten derzeit gut ein Viertel der Gesamteinnahmen, ein Drittel w├Ąre w├╝nschenswert. Ein treuer Kundenstamm von etwa einem Dutzend Wirtschaftspartnern, die wir vorbildlich und ehrlich nennen, weil sie keine redaktionellen Begehrlichkeiten hegen, bestreitet den Rest. Zur Existenzsicherung bedient der Herausgeber und freie Journalist zus├Ątzlich andere ├╝berregionale Medien. Ein F├Ârderkreis, der sich aus den treuen alten und neuen Wirtschaftspartnern zusammensetzt, soll ins Leben gerufen werden. Eine gemeinn├╝tzige Gesellschaft w├Ąre ein passendes Fundament f├╝r B├╝rgerblick. Doch ein Anruf beim Finanzamt hat den Herausgeber entmutigt, diesen vermutlich m├╝hsamen Weg zu beschreiten. Ein B├╝rgerblick auf gemeinn├╝tzigen Beinen w├╝rde - mit Blick auf die "Passauer Neue Presse" - den Wettbewerb verzerren.

*F├╝r Interessierte: B├╝rgerblick hat sich vor drei Jahren im dienstlichen Gebrauch von der US-Datenkraken Whatsapp verabschiedet und benutzt stattdessen den Schweizer Anbieter "Threema"; dieser kassiert einmalig ein paar Euro und betreibt zugriffssichere und datengesch├╝tzte Server in der Schweiz.

 
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