Mittwoch, 24. April 2019
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Bayern >> Montag, 11. Februar 19

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Forschen und experimentieren ohne Netz? Marleen Heimann tritt für diese Szene kurz selbst vor die Kamera. Sie hat viele Nächte am Schneidetisch verbracht und dem Nachrichtenbeitrag "WLAN-Notstand" ihre Stimme geliehen. (Quelle: "Schampusdialog")
Schonungsloser "Schampusdialog"

Uni Passau: Netzwerk ohne Netz

Stimmt es, was die neue Uni-TV-Show "Schampusdialog" verbreitet?

Am Samstag um 23.30 Uhr, als der Reporter die Redaktion verließ, hat er den Faktencheck gemacht. Er fragte die beiden Studenten, die mit Bierflasche in der Hand im benachbarten Innenhof das Semesterende feierten: „Ist es wirklich so schlimm?" Krass, sie bestĂ€tigen den Totalausfall: Vor allem wĂ€hrend der PrĂŒfungsphase, wenn die Bibliotheken bummvoll sind, sei das hausinterne WLAN ĂŒberlastet. Es lĂ€dt und lĂ€dt und lĂ€dt.

Forschung und Lehre finden an der elitÀrsten Uni der Provinz im offline-Modus statt!?

Diese peinliche EnthĂŒllung ĂŒber die UniversitĂ€t Passau haben eine Handvoll Studentinnen und Studenten mit einer gewitzten TV-Show im kleinen Jan-Böhmermann-Format in die Welt getragen. Zu sehen auf ihrem Youtube-Kanal und vielleicht kĂŒnftig in dem einen oder anderen Passauer VorfĂŒhrraum.

Die HÀme, die in der studentischen Videoproduktion durchklingt, hÀngt wahrscheinlich mit diesen zwei Faktoren zusammen:

  • Im Vorjahr hat die UniversitĂ€tsleitung fĂŒr eine nicht nĂ€her genannte fĂŒnfstellige Summe einen Imagefilm ĂŒber ihr Haus produzieren lassen. Es wird dick aufgetragen. Nur ein Beispiel: Die Kamera fĂ€hrt aus dem All auf den Planeten zu, ĂŒberspannt vom globalen Netzwerk, Leitungen und Knoten glĂŒhen, die Zoomfahrt endet dort, wo offenbar alle FĂ€den zusammenlaufen: in der DreiflĂŒssestadt, am Campus der UniversitĂ€t.

Harter Schnitt. Das studentische TV-Magazin „Schampusdialog“ deckt schonungslos auf, was der PR-Knaller verschweigt: Das hauseigene Netz ist der steigenden Studentenzahl lĂ€ngst nicht mehr gewachsen. Vielleicht sei der geplante Ausbau fertig, wenn die neuen Medizinstudenten einziehen, Ă€tzt ein "Schampusdialog"-Moderator.

  • Die studentischen TV-Show-Produzenten stellen zudem diese berechtigte Frage: Warum lĂ€sst die UniversitĂ€t fĂŒr viel Geld von externen KrĂ€ften einen Werbefilm produzieren, wenn die hauseigenen StudiengĂ€nge "Medien und Kommunikation", "Journalistik und strategische Kommunikation", "Sprach- und Textwissenschaften" und ein mit teurer Technik vollgepacktes "Zentrum fĂŒr Medien und Kommunikation" die besten Voraussetzungen bieten, ein solches Projekt im Sinne der Lehre selbst zu starten?

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"Schampusdialog" mit Perserteppich: Holm Putzke mit den Moderatoren Maier (Schreibtisch) und Pittrof (Sessel), im Hintergrund ein Bild des jungen Kaisers, Franz Beckenbauer. (Quelle: "Schampusdialog")
Auf ihre Anfrage hieß es, man wolle die Medientechnik der UniversitĂ€t nicht ĂŒber GebĂŒhr beanspruchen, nicht die Lehre blockieren. Dass diese RĂ€ume grĂ¶ĂŸtenteils ungenutzt bleiben, haben die "Schampusdialog"- Produzenten mit dem hausgemachten Projekt bewiesen.

Bereits im Vorjahr hatte dieses Magazin nach Sinn und Zweck des kostspieligen PR-Projekts gefragt. Die Pressesprecherin hat geantwortet, dieser Imagefilm sei fĂŒr die Außendarstellung wichtig, man wĂŒrde ihn vor allem bei PrĂ€sentationen im Ausland einsetzen. Nach der Fertigstellung wird klar, dass er fĂŒr den Heimgebrauch schwerlich taugt. Er wirbt fĂŒr ein Produkt, das nicht hĂ€lt, was es verspricht. „Dieser Imagefilm wĂŒrde sogar das Klo vom ZOB wie Buckingham Palace aussehen lassen“, meint einer der Moderatoren.

Ein Uni-WLAN, das nicht funktioniert, ist der thematische Einstieg der satirisch angelegten Online-Sendung. Es beginnt also mit der schallende Ohrfeige fĂŒr den offiziellen Werbefilm. Und dieser wird genĂŒĂŸlich zitiert, in fast voller LĂ€nge. Damit seine hohle Werbesprache entlarvt wird? Zitat: "Innerhalb Europas wollen wir zu einen der fĂŒhrenden Forschungszentren zu den gesellschaftlichen Auswirkungen der Digitalisierung werden." In China mag er die Unwissenden beeindrucken, an der Innstraße fĂŒhlen sich die Betroffenen eines netzgestörten Massenbetriebs wahrscheinlich stellenweise verhöhnt.

Putzke und Stahl als Quotenbringer
Einen lokalen und einen ĂŒberregionalen Prominenten haben sich die Produzenten als Zugpferde fĂŒr ihren Pilotfilm geholt: Strafrechtsprofessor Holm Putzke, der mutmaßliche Passauer OberbĂŒrgermeisterkandidat der CSU, wird ins Studio gebeten und auf Herz und Nieren geprĂŒft. Er nippt artig Aldi-Champagner aus einem Plastikkelch („Ob das umweltpolitisch korrekt ist?“), fegt zum Schluss, er nennt es „Fun Fact“, versehentlich das GefĂ€ĂŸ mit Salzstangen vom Schreibtisch.

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Böser Bube, brave Buben: Carsten Stahl (grimmig), Alexandar Maier (WollmĂŒtze), Clemens Pittrof (Spickzettel). (Quelle: Uni-TV-Show "Schampusdialog")
Das Produktionsteam hat keine Kosten und MĂŒhen gescheut, könnte der nĂ€chste abgedroschene Satz lauten. Es reiste nach Ulm, um eine Kultfigur seiner Generation zu interviewen: Carsten Stahl, Jahrgang 1973, mutiert vom PrĂŒgelknaben seiner Schulklasse zum Bud Spencer von Berlin, heute selbsternannter Anti-Mobbing-Trainer. Die Passauer Uni-BĂŒrschchen wollten offenbar ihr blaues Wunder erleben – sie bekamen es.

"Schampusdialog" sei ein Wortspiel, eine satirische Antwort auf das offizielle Uni-Hausmagazin "Campus-Dialog", erklĂ€rt Redaktionsleiter Ben Balzereit. „Wir behandeln alle wichtigen Themen rund um das studentische Leben in Passau und alles, was wir witzig finden“, kĂŒndigt das Team die Premiere an.

Die ein Dutzend Mitwirkenden vor und hinter der Kamera zÀhlt der Nachspann auf: Alexandar Maier und Clemens Pittrof (Moderation, Redaktion); Ben Balzereit (Schnitt, Koordination, Redaktion), Marleen Heimann (Schnitt, Redaktion, Off-Stimme), Lisa Parzl (Schnitt, Redaktion); Patrick Manzer (Redaktion, Bildmischung und Tapetenwechsel), Marius Michler (Kamera),Tobias Köhler (Kamera, Redaktion, Reinigungskraft), Florian Reichelt und Lisa Koch (Schnitt), Thomas Altvater und Heinrich Waal (Redaktion).

Wenn Sie Namen entdecken, die sie in der studentischen Lehrredaktion dieses Magazins wieder finden: Die Idee und Umsetzung dieser TV-Satire-Show steht in keinerlei Zusammenhang mit BĂŒrgerblick. Der Herausgeber wurde am Wochenende bei einer Preview selbst mit dem Endprodukt ĂŒberrascht.

 
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