Sonntag, 20. Januar 2019
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Regionales >> Mittwoch, 26. Dezember 18

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Der Haupteingang des "Instituts für Spaß und Gesellschaft", das viele Veranstalter als neuen Klub für eine Nacht buchen. (Foto: mediendenk)
Reizgasattacke im Weihnachtsklub

Spaßgesellschaft zum Weinen gebracht

Passau - Die laut Veranstalter „glamouröseste Weinachtsparty“ der Stadt, der Rechtschreibfehler hatte etwas Prophetisches, hat tatsĂ€chlich die Menschen zum Weinen gebracht, mit TrĂ€nen und Blaulicht geendet.

Dutzende GĂ€ste flĂŒchteten mit Augenreizungen, Übelkeit und Atemnot ins Freie; vier Menschen ließen sich von SanitĂ€tern behandeln und wurden zur ambulanten Weiterbehandlung ins Klinikum gebracht. Die niederbayerische Einsatzzentrale der Polizei in Straubing berichtet auf Anfrage von acht Verletzten, die registriert worden sind. Es werden sich wohl noch weitere melden.

Beim „Ball der Liebe“ in einer Partyhalle am GĂŒterbahnhof hatten sich laut Polizeibericht zwei MĂ€nner um eine Frau gestritten. Dabei setzte einer sein Pfefferspray ein!

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Um 23 Uhr hatten die GĂ€ste noch ausgelassen gefeiert, wie Bilder in den sozialen Netzwerken zeigen. Es stand gerade DJ Van Art am Pult, als die Pfeffersprayattacke geschah. (Quelle: Facebook)
Die Veranstaltung, die gegen 23 Uhr in Schwung gekommen war und bis 5 Uhr frĂŒh gehen sollte, wurde abgebrochen, die RĂ€ume gelĂŒftet. Als das Reizgas sich gegen 1.50 Uhr ausbreitete, brach in der Menge teilweise Panik aus. Die NotausgĂ€nge auf der Seite zu den Bahngleisen wurden geöffnet, die Lichter gingen an. Die Rettungsleitstelle, die von der Einsatzzentrale der Polizei informiert worden war, schickte zwei Rettungswagen zum Schauplatz. Drei Streifenwagen trafen ein.

Der 31-jĂ€hrige ReizgassprĂŒher ist von der Besatzung der alarmierten Polizeistreife festgenommen und zur Vernehmung aufs Revier mitgenommen worden. Er muss sich wegen gefĂ€hrlicher Körperverletzung verantworten.

„Ich bin sofort aufs Klo gerannt und habÂŽ mir mehrmals die Augen ausgewaschen“, erzĂ€hlt Markus, 29, ein Gast. Es sei ihm noch Stunden danach schlecht gegangen, er werde nachtrĂ€glich bei der Polizei Anzeige erstatten. Anfangs sei nicht klar gewesen, was los ist, bis einer schrie „Pfefferspray! Pfefferspray!“ Die Reizgaswolke hatte sich zuerst auf der TanzflĂ€che ausgebreitet. Die Streitenden standen wohl in der NĂ€he des DJ-Pults. Der Mann, den es voll erwischt hatte, wurde von einem Freund gestĂŒtzt nach draußen gebracht. Er musste sich, wie manch andere auch, ĂŒbergeben. Das Personal brachte GlĂ€ser mit Wasser und HandtĂŒcher nach draußen, damit sich die Betroffenen auswaschen konnten.

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Nach dem Pfeffersprayeinsatz eines 31-jĂ€hrigen Mannes suchten die GĂ€ste den schnellsten Weg ins Freie, hier ein markierter Notausgang des "Instituts fĂŒr Spaß und Gesellschaft" am Ausgang beim Bahngleis. (Foto: mediendenk)
Was ist das fĂŒr ein Veranstaltungsort? Kulturraum oder getarnter Klub?

Im westlichsten Trakt der grau getĂŒnchten Passauer Hallen am GĂŒterbahnhof, wo sich frĂŒher EinrichtungshĂ€user befanden, hat sich dieses Jahr unter dem Namen „Institut fĂŒr Spaß und Gesellschaft“ ein Veranstaltungsraum etabliert. Die Immobilie wird von der PNP-Verlegerfamilie Diekmann, den neuen EigentĂŒmern, verpachtet. Nach dem Panoramarestaurant auf Oberhaus schwingt der Medienriese (PNP, Donaukurier, Wochenblatt, Am Sonntag, Radio Galaxy, Unser Radio, Pressekurier) hier sozusagen sein zweites gastronomisches Spielbein.

Die Veranstalter dieses Abends, bekannt fĂŒr Bootspartys, hatten diese Weihnachtsparty in der Diekmann-Immobilie mit Superlativen angekĂŒndigt: „Ein unvorstellbar glamouröses Weihnachten“ in „Passaus begehrtester neuer Location“; die „goldigste“ Weihnachtsparty, mit „ParkplĂ€tzen ohne Ende.“ „Wir feiern die Nacht, wie es der große Gatsby nicht besser hĂ€tte tun können.“

Laut Polizeibericht waren 200 GĂ€ste anwesend.

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"Die Veranstaltung wurde abgesagt", Ă€nderten die Veranstalter den Eintrag im Netz nach dem Blaulichteinsatz wegen Reizgases. Sie war angekĂŒndigt als "Weinachtsparty".
Die klassischen Diskothekenbesitzer blicken auf die neue nĂ€chteweise Tanzwirtschaft offenbar mit Neid und Missgunst. Da es sich um Einzelveranstaltungen verschiedener Veranstalter unter dem Deckmantel „Kultur“ handele, seien die gastronomischen Auflagen weniger streng kontrolliert, kritisiert ein Betroffener. Dass die Musik nicht zwingend im Vordergrund steht, verrieten die Veranstalter diesmal selbst: „Lasst beseelt besinnlich die Korken knallen!“, „Wir versorgen Euch mit allem was das Trinker Herz (sic!) begehrt“. FĂŒr die feste Unterlage, Döner und Falafel, sorgte vor der TĂŒr ein Imbisswagen.

 

 
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