Montag, 16. September 2019
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Regionales >> Sonntag, 16. Dezember 18

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Das denkmalgeschützte grüne Holzhaus am Linzer Tor ist vom Abriss bedroht. Am Sonntagabend hat sich eine zarte Schneedecke um das Postkartenidyll gelegt. (Foto: mediendenk)
Online-Petition

Letzte Chance f√ľr Postkartenidylle?

Aktuelle Meldung voraus: Den angeblich interessierten Investoren soll die M√∂glichkeit gegeben werden, mit dem Eigent√ľmer des Denkmals zu verhandeln. Es w√§re wohl die letzte Chance auf eine Rettung. Der Bauausschuss hat deshalb am Montagnachmittag den Beschluss, den Abriss zu genehmigen, vertagt und die Angelegenheit zur Beratung in die Fraktionen verwiesen. Den Antrag hatte Historiker Matthias Koopmann gestellt. Der n√§chste Stadtratsbauauschuss tagt am 31. Januar.

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W√§hrend sich der erste Schnee auf die D√§cher der Stadt legt und die Domglocken zum Adventsliedersingen mit dem Bischof l√§uten, gedenken manche in feierlich-w√ľtender Stimmung des Schicksals eines alten gr√ľnen Holzhauses am s√ľd√∂stlichen Stadttor, das im frischen Schneezauber mit einem Lichterbaum im Garten geschm√ľckt, mit erleuchteten Fensterchen, hinter denen sich das Flackern des Kaminfeuers vermuten l√§sst, eine der wohl wundervollsten Stimmungen an diesem vorweihnachtlichen Sonntagabend erzeugen k√∂nnte.

Es ist eine sch√∂ne Vorstellung, der sich vielleicht all diejenigen hingeben, die gerade in den letzten Stunden um den Erhalt dieses Denkmales k√§mpfen: Die Landtagsabgeordneten Gerhard Waschler und Toni Schuberl, Vizeb√ľrgermeister Urban Mangold und Stadtrat Matthias Koopmann, Forumsvorsitzender Friedrich Brunner und die ehemalige Stadtheimatpflegerin Gisa Sch√§ffer-Huber; letztere sich im Netz zu Wort meldend, vielleicht, weil man von Ihrem Nachfolger Herbert Wurster zu diesem Denkmal, das die Gem√ľter bewegt, √ľberhaupt nichts √Ėffentliches vernommen hat.

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Postkarte aus dem Passauer Stadtarchiv: Das Holzhaus am Linzer Tor, Poststempel 1912. Als Abdruck im aktuellen B√ľrgerblick-Magazin.
Das Haus ‚ÄěLinzer Stra√üe 2‚Äú ist zweifellos sch√ľtzenswerter und wichtiger als eine getackerte adventliche Holzfassade am Rindermarkt namens "H√ľttenzauber". In der √∂ffentlichen Wahrnehmung scheint es umgekehrt, im Netz sowieso. Dieses ist nicht daf√ľr bekannt, vornehmlich Tummelplatz von Gelehrten und Vern√ľnftigen zu sein, weshalb es nicht als leuchtendes Ergebnis bewertet werden sollte, dass sich 1.617 Menschen eingetragen haben, die k√ľnstlich-romantische Installation am Rindermarkt zu erhalten. Gut, den Abriss wenige Tage vor dem Fest h√§tte man sich tats√§chlich sparen k√∂nnen. Er brachte die betroffene Gesch√§ftsfrau in eine Opferrolle, welche zum Schluss vielleicht nicht unerw√ľnscht war, weil so die wahren Fakten zu diesem vorweihnachtlichen Schauspiel in den Hintergrund traten. Aber das ist eine andere Geschichte.

Zur√ľck zum Altehrw√ľrdigen: Der Eigent√ľmer des Holzhauses ‚ÄěLinzer Stra√üe 2‚Äú hat offensichtlich weder Interesse noch Kapital, dieses eine Postkartenidylle pr√§gende Denkmal in die Zukunft zu retten. Es st√ľnden Investoren bereit, die das anpacken w√ľrden; wie Baul√∂we Kapfinger beispielsweise den Glassalon am Schulerberg oder Denkmalprofessor Greipl das Ilzer Wirtshaus "Zur Felsn", beide unterst√ľtzt mit √∂ffentlichen Geldern. Ob es beim ‚ÄěLinzer Tor‚Äú scheitert oder gelingt, liegt in der Hand des Eigent√ľmers. Mit ihm m√ľsste √ľber einen angemessenen und fairen Verkaufspreis zu verhandeln sein. Dies scheint schwierig, weil er sich angefeindet und bedr√§ngt sieht.

√Ėffentliche Sondersitzung
Den Mehrheitsbeschluss der Stadträte im Bauausschuss
, das Denkmal gegen den Willen des Eigent√ľmers √ľber den Winter notzusichern, will morgen der Oberb√ľrgermeister macht seines Amtes aufheben. Dazu hat er vor der gro√üen Stadtratssitzung um 15.30 Uhr im kleinen Rathaussaal eine √∂ffentliche Sondersitzung anberaumt. Die Debatte um das Denkmal ist der Tagesordnungspunkt 3 von 4.

Vorweihnachtliche Stimmung k√∂nnte eine gute Voraussetzung sein, dass eine einvernehmliche L√∂sung gefunden wird, dass dem alten Passau, das schon so viele alte sch√∂ne Puzzlesteine verloren hat, wenigstens dieser erhalten bleibt. Selbst, wenn es nur mit einem Nachbau, einer historischen Kopie gel√§nge, in welche Elemente, die sich erhalten lassen, eingef√ľgt sind, dann w√§re es in diesem Fall noch immer die beste L√∂sung.

Eine Petition f√ľr das alte Haus am Linzer Tor nach dem Vorbild der Dekofassade ‚ÄěH√ľttenzauber‚Äú gibt es jetzt auch. Namhafte B√ľrger √ľber alle Parteien hinweg haben bereits unterschrieben und es sollte nicht irritieren, dass als Initiator der Liste ein Juraprofessor genannt ist, der in seinem Verh√§ltnis zum Oberb√ľrgermeister nicht gerade die gl√ľcklichste Moderationsfigur abgibt, ist er doch als dessen gr√∂√üter Kritiker bekannt.

Die Online-Petition "Linzer Tor" haben bislang 160 B√ľrgerinnen und B√ľrger unterschrieben.

Sei¬īs drum, eine hohe Zahl von Unterschriften k√∂nnte nicht schaden, selbst wenn sie nicht rechtswirksam den Lauf der Dinge √§ndert. Letztendlich sind es zwei Menschen, die das Schicksal dieses Denkmals in der Hand haben: Der Eigent√ľmer, der sich mittlerweile in dieser Angelegenheit von einem Anwalt vertreten l√§sst, und ein m√∂glicher Investor mit Idealismus, mit dem er einen Konsens finden m√ľsste. Ein Signal, dass Stadt und Denkmalpflege ihr M√∂glichstes dazu leisten, w√§re f√∂rderlich.

Zuletzt hat das Rathaus signalisiert, dass an erster Stelle Paragrafen zur Denkmalw√ľrdigkeit und das statische Gutachten stehen, weniger sentimentale Begriffe, die in der bayerischen Verfassung verankert sind, wie ‚ÄěLiebe zur Heimat‚Äú oder ‚ÄěVerantwortungsgef√ľhl f√ľr alles Sch√∂ne.‚Äú

Stimmen aus dem Netz

Gisa Sch√§ffer-Huber: "Das Ensemble stammt aus dem Mittelalter, wurde von den Stadtbr√§nden verschont, von Hofmaler Wolf Huber 1530 gezeichnet von Franz Weismann fotografiert. Auch wenn der verputzte Holzbau v√∂llig verrottet ist , so muss er eben Balken f√ľr Balken erneuert werden , so wie es die Japaner mit ihren Pagoden machen. Dem Eigent√ľmer darf kein Schaden entstehen. Die Mehrkosten gegen√ľber einem konventionellen Bau sollen ihm aus Mitteln der Denk malpflege erstattet werden. Es muss aber die Bedingung gestellt werden, dass ein f√§higer Archtitekt, der vom Landesamt f√ľr Denkmalpflege und Stadtbauamt ausgew√§hlt mit der Aufgabe betraut wird."

Maximilian Moosbauer: "Als Besitzer eines Einzeldenkmals am Anger weiss ich, wie wichtig der Erhalt dieser H√§user f√ľr unsere Stadt ist."

Toni Schuberl: "Das Haus ist ein Kleinod und ein wichtiges Denkmal, das aufgrund der Nachlässigkeit der Stadt Passau immer mehr verfallen ist. Jetzt ist der letzte Moment, um es zu retten."

Brigitte Urmann: "Im Hinblick darauf, dass das Schaffen neuer architektonischer Qualitäten in Passau nicht allzu selten vermasselt wird, sollte ein reizvolles, voller Geschichte steckendes Gebäude unbedingt erhalten werden."

Michael Sch√∂ffberger: "Es darf nicht sein, dass tatenlos zugeschaut und nichts unternommen wird bis nur noch der Abriss √ľbrig bleibt. Das sind wir unserer Stadt und unseren Nachkommen schuldig!"

Boris Burkert: "Passau ist nicht nur Altstadt, auch dieses Haus mit seinem unverwechselbaren, einzigartigen Charme trägt dazu bei, dass unsere Stadt in den Außenbereichen nicht zu ges(ch)ichtsloser Beliebigkeit verfällt."

Dr. Georgine Fisch: "Weil es f√ľr mich unfa√übar ist, wie schnell und leichtfertig in Passau erhaltenswerte Geb√§ude (z.B. Apfelkoch) einfach dem Erdboden gleich gemacht werden."

Georg A. Thuringer: "Solche Bauwerke machen die organisch gewachsene Vielgestaltigkeit unserer Stadt aus. Werden die originär-originellen Bauten durch Standard-Wohnungsbau ersetzt, vergraut die Stadt, ersetzt man sie durch historisierend bunte Pseudobauten disneyfiziert sie."

Urban Mangold: "Wir werden es nicht hinnehmen, dass Denkm√§ler aus spekulativen Gr√ľnden dem Verfall preisgegeben werden und seitens der Beh√∂rden alle zuschauen. Der knappe Notsicherungsbeschluss im letzten Bauausschuss war hoffentlich eine Kehrtwende! Wir w√ľrden uns freuen, wenn k√ľnftig andere Parteien gemeinsam mit uns den Erhalt von Denkm√§lern aus Liebe zur Heimat gegen blo√ües beh√∂rdliches Abwarten durchsetzen. Jetzt ist eine Notsicherung erforderlich und dann die Rettung des Denkmals. Sollte der jetzige Eigent√ľmer dazu nicht in der Lage sein, pl√§dieren wir f√ľr einen Ankauf und eine Sanierung durch die Stadt. Falls sich tats√§chlich herausstellt, dass das Geb√§ude nicht mehr zu retten ist, muss es wieder genauso errichtet werden, wie es vorher aussah. Das w√§re allerdings nur das letzte Mittel, wenn Sanierung wirklich nicht mehr machbar ist. Die jetzige Praxis des schludrigen Umgangs mit Denkm√§lern werden wir als gew√§hlte B√ľrgervertreter jedenfalls nicht dulden. Dem Bauausschuss muss k√ľnftig viertelj√§hrlich ein Bericht des Bauordnungsamtes √ľber denkmalgesch√ľtzte Geb√§ude vorgelegt werden, bei denen sich Leerstand und Vernachl√§ssigung abzeichnen."

Friedrich Brunner, Matthias Koopmann, Karl Synek, Holm Putzke und Gerhard Waschler haben diese √∂ffentliche Petition unterschrieben: "Die Stadt Passau m√∂ge alle Anstrengungen unternehmen, um eine L√∂sung zu finden, bei der ein Abriss des Hauses in der Linzer Stra√üe 2 in Passau vermieden und der Erhalt erm√∂glicht wird. Hierf√ľr bedarf es, in enger und rascher Abstimmung mit dem Eigent√ľmer, eines Aufschubs (Moratorium), damit mit einem pl√∂tzlichen Abriss keine vollendeten Tatsachen geschaffen werden und Zeit gewonnen wird, einen Investor zu finden, der bereit ist, das denkmalgesch√ľtzte Haus trotz der massiven Sch√§den zu sanieren.

Das Haus in der Linzer Stra√üe 2 ist von hoher √§sthetischer Qualit√§t. Es ist ein unverzichtbarer Bestandteil des gesamten baulichen Ensembles und nicht ohne Grund ein gern gew√§hltes Postkarten- und Fotomotiv. Der Abriss w√§re ein herber Verlust f√ľr Passau und das architektonische Erbe unserer Heimatstadt. Viel zu oft schon wurden in Passau Geb√§ude, die eine lange Historie hatten und stadtbildpr√§gend waren, abgerissen und damit ein f√ľr allemal der Nachwelt entzogen (z.B. der Gasthof ‚ÄěApfelkoch‚Äú in der Innstra√üe). Es ist unverantwortlich, Geb√§ude sehenden Auges dem Verfall preiszugeben, um irgendwann einmal, scheinbar √ľberrascht, festzustellen, dass es gerade wegen des fortgeschrittenen Verfalls nicht mehr erhalten werden kann. Wir appellieren ‚Äď √ľber den jetzigen konkreten Fall hinaus ‚Äď generell an die Stadt Passau, Denkmalschutz ernst zu nehmen und vorausschauend t√§tig zu werden, um gemeinsam mit Eigent√ľmern m√∂glichst einvernehmliche L√∂sungen f√ľr den Erhalt von Geb√§uden zu suchen, die das Stadtbild von Passau pr√§gen und das einzigartige Flair ausmachen."

Hilferuf nach M√ľnchen f√ľr den "Malerwinkel"

Das Forum Passau wendet sich mit einer zusätzlichen Petition an den Bayerischen Landtag:

"Das Forum Passau e.V. bittet den Petitionsausschuss, sich f√ľr das Baudenkmal Linzer Stra√üe 2 in Passau einzusetzen. Unsere Forderungen sind: 1. Die Abri√ügenehmigung f√ľr das Haus wird widerrufen; 2. Das Haus bleibt als Einzeldenkmal in  der Denkmalliste eingetragen; 3. Das bayerische Denkmalschutzgesetz wird in der causa Linzer Stra√üe 2 vollzogen.

Begr√ľndung:
Das Objekt Linzer Stra√üe 2 ist das letzte noch erhaltene vorst√§dtische Holzhaus mit b√§uerlichen Strukturen. Es geht im Kern auf die Mitte des 18. Jahrhunderts zur√ľck. In seiner optischen Erscheinung ist es ein unverzichtbarer Bestandteil des sogenannten "Malerwinkels", des  Ensembles rund um das erhaltene Stadttor "Linzer Tor". Das √ľber eine noch erhaltene Steingred erschlossene Objekt ist auf zahllosen Stadtansichten, Gem√§lden und Postkarten verewigt. Es ist ein integraler Bestandteil der historischen Innstadt. Seit mehr als zehn Jahren weist das Forum auf den zunehmenden bewusst in Kauf genommenen Verfall des Geb√§udes hin.

In zahlreichen Pressemitteilungen und Briefen an die Verwaltung wurde darauf hingewiesen, dass der jetzige Besitzer das Objekt bewusst verfallen l√§sst. Schon aus Gleichheitsgrunds√§tzen kann dem Abriss nicht stattgegeben werden, da dem sanierungswilligen Nachbarn des Denkmalobjekts Linzer Stra√üe 4 hohe und teure denkmalpflegerische Auflagen gemacht wurden, zum Beispiel bei der vom Landesamt geforderten Sanierung des historischen Dachstuhls. Dass im selben Atemzug das historisch wertvollere Eckgeb√§ude ohne Eingriff der Denkmalpflege dem Verfall preisgegeben werden konnte, steht der Gleichbehandlung aller B√ľrger entgegen. Selbst bei 20- bis 40-prozentiger Erhaltungsm√∂glichkeit der Originalsubstanz ist das Haus in seiner Gesamtwirkung  f√ľr das Stadtbild unverzichtbar."

 

 
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