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Vier Vertreter des Rates für deutsche Rechtschreibung verkünden in Passau vor den Kameras der ARD, des "Red-Bull"-Senders "Servus TV" und der Uni ihre Entscheidung. (Foto: mediendenk)
Geschlechtergerechte Sprache

Passau schreibt ein StĂĽck Rechtschreibgeschichte

Der Rat für deutsche Rechtschreibung hat sich heute nach einer Konferenz in Passau zum Thema geäußert, wie die Gleichberechtigung aller Geschlechter künftig in der Sprache umgesetzt werden könnte. Es ist ein einstimmiger Beschluss gefasst worden, der sechs grundsätzliche Punkte aufzählt. Es sei aber zu früh, bestimmte Schreibweisen zu empfehlen oder festzulegen. Die Entwicklung stehe noch am Anfang, heißt es.

Mit Sternchen oder Strichen? Oder dadurch, dass Mittelwörter, die Handlung und Eigenschaft zugleich bezeichnen, zu Hauptwörtern werden? Beispiel „Studierende“ statt Studentin und Student.

Der Rat für deutsche Rechtschreibung hat seinen Sitz in Mannheim. Sein Vorsitzender Josef Lange hat sich geäußert, dass zu unterscheiden sei, um welche Textgattung es sich handelt. Für journalistische oder literarische Texte seien andere Maßstäbe anzuwenden als für Gesetzes- oder Verwaltungstexte.

Durch ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts, wonach im Geburtenregister neben „männlich“ und „weiblich“ eine dritte Option geschaffen werden soll, hat die Rechtschreibdebatte für öffentliche Einrichtungen an Bedeutung gewonnen.

Die AnsprĂĽche gehen weit auseinander, gibt es einen goldenen Mittelweg? Bestimmte Gruppen von Menschen sollen in der Sprache besser erkennbar werden, zugleich soll diese ihre Ă„sthetik und Lesbarkeit nicht verlieren.

Der Rat für deutsche Rechtschreibung ist 2005 von sechs Ländern als beratendes zwischenstaatliches Gremium eingerichtet worden, um die Einheitlichkeit der Rechtschreibung im deutschen Sprachraum zu bewahren. Er beobachtet die Schreibentwicklung, klärt Zweifelsfälle und gibt wissenschaftlich begründete Vorschläge. Diese umzusetzen unterliegt letztendlich den staatlichen Stellen der einzelnen Länder.

Von allen Vertretern ist in Passau einstimmig beschlossen worden, wie geschlechtergerechte Texte sein sollen:

•    sachlich korrekt
•    verständlich und lesbar
•    vorlesbar (mit Blick auf die Altersentwicklung der Bevölkerung und die Tendenz in den Medien, Texte in vorlesbarer Form zur VerfĂĽgung zu stellen).

Sie sollen auĂźerdem die

•    Rechtssicherheit und Eindeutigkeit gewährleisten
•    ĂĽbertragbar sein im Hinblick auf deutschsprachige Länder mit mehreren Amts- und Minderheitensprachen
•    fĂĽr die lesenden beziehungsweise Hörenden die Möglichkeit zur Konzentration auf die wesentlichen Sachverhalte und Kerninformationen sicherstellen

Dabei sei jeweils auf die unterschiedlichen Zielgruppen und Funktionen von Texten zu achten.

Der gesellschaftliche Diskurs über die Frage, wie neben männlich und weiblich ein drittes Geschlecht oder weitere Geschlechter angemessen bezeichnet werden können, verlaufe sehr kontrovers. Was in Deutschland hohe Relevanz habe, stehe in anderen Ländern überhaupt nicht zur Debatte.

Vor drei Kameramännern, zwei Fotografen, drei Journalistinnen und einer Handvoll zuhörender Gäste hat der Rat seinen Passauer Beschluss in einem Seminarraum der Uni verkündet. Der Rat wurde repräsentiert vom Vorsitzenden, zwei Vertretern und einer Vertreterin.

 
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