Dienstag, 16. Oktober 2018
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Bayern >> Samstag, 29. September 18

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Alfred T. (26, schwarze Trainingsjacke), Abdulai T. (19) und Abraham T. (23, Mütze) ertüchtigen das Gleisbett der Granitbahn. (Foto: mediendenk)
Gleisbett ert√ľchtigen

Granitbahn setzt in Passau auf ihr "A-Team"

Ein totes Gleis ist totes Kapital. Einem Afrikaner leuchtet das ein, einen Europ√§er juckt das weniger, er hat ja seinen Diesel in der Garage. Vielleicht erkl√§rt das, warum die Freunde der Granitbahn, die eigenen Vereinsleute ausgenommen, mehr auf die Unterst√ľtzung von so manchen Asylbewerbern z√§hlen d√ľrfen als auf die der einheimischen Bev√∂lkerung. ‚ÄěDie haben eh¬ī nichts zu tun, denen tut die Arbeit gut‚Äú, h√∂re ich jetzt welche sagen.

Ein Foto von drei Schwarzafrikanern, wie sie die Strecke der Granitbahn mit Spitzhacken wieder ert√ľchtigen, ist f√ľr den Texter ein Drahtseilakt. Der schwarze Mann erledigt geb√ľckt die k√∂rperlichen Dienste und der wei√üe Mann steht aufrecht und dirigiert?

Die Vorsitzende der Granitbahn hat gleich abgewunken, als der Reporter sie bat, sich zum Trio der M√§nner zu stellen. ‚ÄěDas sieht dann nach Kolonialzeit aus‚Äú, merkte sie an. An dieser Stelle sei erw√§hnt, dass der Vereinsvorsitzenden selbst der Schwei√ü auf der Stirn stand, denn sie ver√ľbte in orangefarbener Signalweste die selbe Arbeit ein paar Meter weiter. Vielleicht nicht so schnell und effektiv, denn die kr√§ftigen Burschen aus Sierra Leone sind ein paar Jahrzehnte j√ľnger als sie.

‚ÄěDie arbeiten echt was weg‚Äú, lobt sie die Helfer. Sie hei√üen mit Vornamen Alfred, Abdulai und Abraham, ein echtes ‚ÄěA-Team‚Äú. Frei nach dem Namen der Nothelfer in der gleichnamigen US-Action-Serie. Freiwilligen wie ihnen ist es zu verdanken, dass das st√§dtische Granitbahngleis wieder in einem passablen Zustand ist. Alle Vereinsmitglieder warten gespannt auf die Freigabe f√ľr einen Probefahrtbetrieb. Die technische Abnahme ist bereits erfolgt, die Ergebnisse st√ľnden noch aus, sagt die Vereinsvorsitzende.

‚ÄěHaben Sie einen Zettel dabei?‚Äú, fragt Abdulai T., der 24-J√§hrige, im astreinen Deutsch den Reporter, damit dieser die Namen richtig aufschreibt. Er hat sich Deutsch angeblich selbst beigebracht. Einen festen Job habe er bereits, erz√§hlt er auf Nachfrage. Er schafft bei einer Friedhofsg√§rtnerei. Die anderen beiden sind Bewohner der Fl√ľchtlingsunterkunft am Fu√ü der Ries, das gro√üe wei√üe Reihenhaus gegen√ľber vom Hotel "Atrium". Manchmal sieht man die Asylbewerber, wenn sie ihre Eink√§ufe √ľber die Schanzlbr√ľcke nach Hause schleppen. Kontakt mit der einheimischen Bev√∂lkerung haben sie kaum.

Am Gleis der Granitbahn kann man ihnen jedenfalls einen ‚ÄěGuten Tag!‚Äú w√ľnschen. Aber die meisten Spazierg√§nger gehen stumm vorbei. Manche peinlich ber√ľhrt ob der merkw√ľrdigen Szene, manche mit abf√§lligem oder √§ngstlichem Blick. "F√ľrchtet ihr den schwarzen Mann?", das alte Kinderspiel steckt immer in alten K√∂pfen. Aber selbst damals schon gab es welche, die sich bereitwillig "abklatschen" lie√üen, denn "schwarzer Mann" zu sein war irgendwie auch ganz cool.

Tipp: Die M√§nner ansprechen, einen Kaffee vorbeibringen, es sind patente, gutm√ľtige Kerle.

Rassismus zwischen den Zeilen

Vor kurzem habe ich in der Deggendorfer Zeitung ein √§hnliches Foto gesehen. Vier Schwarzafrikaner aus Sierra Leone stellten sich in Pose, damit der Heimatzeitungsredakteur das Motiv zu dem Thema hat: "Fl√ľchtlinge zupfen Unkraut auf unseren Friedh√∂fen." Er schrieb "weil sie etwas von dem zur√ľckgeben wollen, was Deutschland f√ľr sie getan hat". Der Redakteur, so dachte ich mir, hat wahrscheinlich vergessen, dass unser Wohlstand daher r√ľhrt, dass wir der Bev√∂lkerung in diesen L√§ndern eine Menge "angetan" haben. Vielmehr haben wir  etwas weggenommen. Es st√ľnde uns gut an, dort die Gr√§ber zu pflegen.

Im Text wird namentlich ein Asylbewerber herausgestellt, der sich von diesem Freiwilligendienst an den Gr√§bern wieder zur√ľckgezogen hat. Gelten Pers√∂nlichkeitsrechte f√ľr einfache Migranten nicht? Stellen Sie sich vor, die Stadtg√§rtnerei ruft zur freiwilligen Mithilfe auf und die Heimatzeitung z√§hlt tags darauf die B√ľrger namentlich auf, die am zweiten Tag nicht mehr erschienen sind. Es k√∂nnte Beschwerden hageln. Der st√§dtische Tiefbauleiter spielte die Rolle des √ľberheblichen wei√üen Mannes. Als w√§ren die drei Schwarzafrikaner zu unbeholfen, Unkraut zu j√§ten, wird dieser tats√§chlich mit dem Satz zitiert: Ein "erfahrener" Vorarbeiter w√ľrde ihnen erkl√§ren, was sie tun m√ľssten und sie "bei der Hand nehmen". Der Beitrag war feiner Rassismus zwischen den Zeilen.

 


 
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