Donnerstag, 15. November 2018
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Meinung >> Dienstag, 21. August 18

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Der elektrische Citybus hat eine ähnliche Größe wie der Diesel-Citybus vor ihm. Die Akkus sind auf dem Dach montiert. (Photo: privat)
Testfahrt ohne Wissen der Stadt?

Der elektrische Passauer Citybus pendelt bereits

FrĂŒher haben Leser den Redaktionen Fotos geschickt, wenn sie einen Erlkönig auf der Straße erwischt hatten. So werden Prototypen der Automobilindustrie genannt, die getarnt zu Testfahrten unterwegs sind. Heute reagieren BĂŒrger wie „elektrisiert“ (schönes Wortspiel), wenn sie ein neues Elektrofahrzeug auf Testfahrt entdecken. Ohne Auspuffrohr und MotorlĂ€rm geben sie eine Ahnung davon, wie sich eine Stadt der Zukunft anfĂŒhlen könnte. Gestern Abend lag ein Bild vom ersten elektrischen Passauer City-Bus in unserem Postfach.

Die Citybuslinie, die in engen Gassen und dicht vorbei an StraßencafĂ©s verkehrt, ist vielen AltstĂ€dter ein Dorn im Auge. Die alten Dieselfahrzeuge, die ein lokaler Reiseunternehmer betreibt, lĂ€rmen und stinken. Nach der verkehrsberuhigten LuitpoldbrĂŒcke (HĂ€ngebrĂŒcke) wĂ€re wahrscheinlich die Elektrifizierung dieser Strecke der nĂ€chste wichtige Schritt, die AltstĂ€dter ein wenig aufatmen zu lassen.

HĂ€rtetest auf der steilsten Strecke

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Der elektrische Citybus auf der Altstadtlinie im Test. Hier dreht er gerade seine Runde am Römerplatz. (Photo: privat)
Angeblich auf eine Anfrage der Heimatzeitung hin hat das Rathaus zum Thema E-MobilitĂ€t im Nahverkehr eine Stellungnahme geschickt, die in der Montagsausgabe zu lesen war. Heute ging ein identischer Text in den Rathaus-Presseverteiler. Dass auf der City-Buslinie gerade Testfahrten mit einem elektrischen Bus laufen, ist aus Unkenntnis oder bewusst verschwiegen worden. „Recherchen und bisherige Tests haben noch kein geeignetes Fahrzeug mit Elektroantrieb hervorgebracht. Die Suche nach alternativen Antriebsmöglichkeiten wird weiter vorangetrieben“, heißt es dort irrefĂŒhrend. Es gĂ€be keine geeigneten E-Modelle, die durch den Paulusbogen passen; und eine Rathaussprecherin trĂ€gt heute nach, das Ausweichen auf Gehwege sei wegen der hohen Achslast ein Problem. Jedoch: der derzeit im Einsatz befindliche E-Bus meistert offenbar diese Strecke. Eine Leserin berichtet, sie habe ihn auf der steilsten Strecke der Stadt manövrieren sehen, dem Pandurenweg nach Oberhaus - den angeblich sonst nie ein Bus nimmt. 

Will der lokale Reiseunternehmer mit einem eigenen elektrischen City-Bus den Stadtwerken zuvorkommen, um diese Strecke nicht zu verlieren? Der HĂ€rtetest erfolgt nach ersten Informationen offenbar nicht im Auftrag der Stadt.

Nachtrag: Die Stadt werde das selbe Fahrzeug nĂ€chste Woche testen, erklĂ€rt eine Rathaussprecherin. Er sei wohl eine ĂŒberarbeitete Version des VorgĂ€ngers, welcher bei vorangegangenen Tests nicht ĂŒberzeugt habe.

Das Modell, so verrrĂ€t die Beschriftung, ist ein Niederflurbus fĂŒr 16 FahrgĂ€ste, also mit barrierefreiem Einstieg fĂŒr Menschen mit Rollstuhl oder Rollator. Selbst FahrrĂ€der ließen sich im unverbauten Innenraum mitnehmen. Nach unseren Recherechen haben andere Kommunen bekundet, dass dieses Fahrzeug ausgereift und einsatztauglich sei. Im hĂŒgeligen Land bewĂ€hre sich die sogenannte Rekuperation: EnergierĂŒckgewinnung beim Bremsen und bei Talfahrten. Mit einer Ladung ließen sich auf der Passauer Citybuslinie wohl bequem zwei Dutzende Runden drehen. In spĂ€testens zwei Stunden wĂ€ren komplett leere Akkus wieder voll.

Einfache Steckdosen genĂŒgen
Das Rathaus und die Stadtwerke betonen oft die fehlende Infrastruktur, die Anschaffung der teuren LadesĂ€ulen. Das entspricht lĂ€ngst nicht mehr den Anforderungen und auch nicht der e-mobilen Wirklichkeit. FĂŒr die sogenannten Streetscooter (Postautos) genĂŒgt beispielsweise eine 220-Volt-Steckdose fĂŒr die Ladung ĂŒber Nacht; es wĂ€re eine ideale UmrĂŒstung fĂŒr die Bauhoffahrzeuge, die sich fußgĂ€ngernah in Parks und an den Flusspromenaden bewegen. Der gesichtete elektrische City-Bus ist so vorbereitet, dass er keiner besonderen LadesĂ€ule bedarf. Er kommt einfach an eine Starksteckstromdose.

Die Heimatzeitung schrieb nach der Antwort aus dem Rathaus: „Elektrobusse in der Warteschleife“, weil die Stadtwerke noch einige MĂ€ngel erkennen. Der Blick auf andere Kommunen zeigt, dass möglicherweise einer der grĂ¶ĂŸten MĂ€ngel darin besteht, dass der politische Wille fehlt.

Hubert Jakob Denk

 
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