Donnerstag, 18. Oktober 2018
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Meinung >> Montag, 30. Juli 18

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Die Tocotronics gibt es seit 1993: Gitarrist Rick McPhail, Arne Zank am Schlagzeug, Sänger Dirk von Lowtzow und Bassist Jan Müller. (Foto: mediendenk)
Nachtkritik zum Eulenspiegel-Schlusskonzert

Heißes Hamburger Finale mit Tocotronics

Es wird die wĂ€rmste Nacht des Jahres werden. Die Temperaturen sinken selbst am Fluss nach Mitternacht nicht unter 20 Grad. Eine mollige Frau im hellbeigen Kleid fĂ€chelt sich unter der blauen Kuppel im schwĂŒlheißen Zelt mit einem schwarzen FĂ€cher Wind zu. Die Umstehenden genießen mit. Ein hagerer Typ, ergrautes Haar, tĂ€nzelt mit drei HalbliterkrĂŒgen kĂŒhlem Bier durch die lockeren Reihen, um seine Kumpels am Absperrgitter zu bedienen. "Ihr seid irre, aber toll!“, ruft der SĂ€nger der Band vor der zweiten Zugabe. Jetzt jubeln sie noch mehr.

600 alte und neue Fans aus dem Passauer Land waren gekommen, um eine Hamburger Band zu feiern, die Kleinkunstveranstalter Till Hoffmann zu ihrem 25-jĂ€hrigen BĂŒhnenjubilĂ€um nach Passau geholt hat. Es ist das Schlusskonzert des Eulenspiegel-Festivals. Die vier gereiften Musiker von „Tocotronics“, an der Spitze der 47-jĂ€hrige Denker, Textdichter und SĂ€nger Dirk von Lowtzow,

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Alte und neue Tocotronic-Fans im Eulenspiegel-Zelt. (Foto: mediendenk)
„Ich habe sie das erste Mal gehört, einfach Klasse!“, schwĂ€rmte vor dem Nachhauseweg Stefan Brandl, der ehemalige Redaktionsleiter der „Passauer Woche“. Selbst der Leiter der PNP-Kulturredaktion, Raimund Meisenberger, der nach eigenem Bekunden mehr auf „hĂ€rtere Sachen“ steht, war neugierig geworden und hatte sich seine Rezensionskarte abgeholt.

Es schien, als hĂ€tten die vier MĂ€nner auf der ZeltbĂŒhne vor dem kleinen Publikum in Passau mehr Spaß als zuletzt vor 25.000 Zuschauern auf der Berliner WaldbĂŒhne. Stellenweise wĂ€hnte man sich bei einem Rockkonzert gegen Rechts. Von Lowtzow warnte vor Politikern, die jetzt wieder von „Heimat und Grenzen“ reden. Das neue Album „Die Unendlichkeit“ zielt gegen SpießbĂŒrger und Ausgrenzer. „Hey Du, was starrst du mich so an? Bin ich was, was du nicht kennst, weil du mich Schwuchtel nennst?“

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Dirk von Lowtzow gibt in den Texten viel ĂŒber sein Leben preis. Als Kind im Keller an der E-Gitarre ĂŒbend trĂ€umte er sich in die Welt der Rockstars. (Foto: mediendenk)
Tocotronics hat im Eulenspiegelzelt eine bunte Mischung aus alten und neuen Fans ins Schlepptau genommen. MĂ€nner mit Dutt, Bart und Bierbauch, Frauen in Hotpans, mit Handtaschen und Sommerkleidern. Sie finden in den Texten sich wieder in banalen oder anrĂŒhrenden Szenen, die der SĂ€nger seiner Biografie entnommen hat. Die Gitarren jaulen, das Schlagzeug hĂ€mmert, der Bass hĂ€mmert. Das Zelt virbiert. Sonntagabend in Passau ist alles andere als tote Hose. 

Weit nach Mitternacht, die Tropenhitze hat den Inn an der Ortspitze auf einen Niedrigpegel von 1,50 Meter verdunsten lassen, erzĂ€hlen an Strandkörben und Gartentischen die Konzertteilnehmer den Unbeteiligten, was sie versĂ€umt haben. Hamburg hat Passau gekĂŒsst und die DreiflĂŒssestadt hat die Hansestadt umarmt. Tocotronics lĂ€sst es spĂŒren: Von der Elbe bis zur Donau schlagen furchtlose Herzen im Takt.  

NĂ€chstes Jahr feiert das Eulenspiegel-Zeltfestival 25-jĂ€hriges JubilĂ€um. „Da muss er wohl ein zweites Zelt anbauen“, scherzt ein Beobachter angesichts der vielen ausverkauften Veranstaltungen in diesem Jahr. Aber Kleinkunstveranstalter Till Hofmann lĂ€sst sich nicht irremachen. "Es wird alles bleiben wie es ist", sagt er. BeilĂ€ufig fĂŒgte er an, dass das Abschlusskonzert heute sein persönlicher Favorit gewesen ist.

hud/ Fotos: mediendenk

 
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