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Die letzten Sekunden vor dem Urteilsspruch. Die Angeklagte steht vor den sechs Richtern stramm, hat ihre Hände an die Oberschenkel gelegt. (Foto: Bürgerblick)
"Ein Wunder, dass er überlebte"

Zehn Jahre Gefängnis für gescheiterte Giftmörderin

Bei einem der ungewöhnlichsten Strafprozesse dieses Sommers hat heute das Passauer Schwurgericht sein Urteil gesprochen. Die 51-jährige Laienpredigerin Elisabeth W. ist wegen versuchten Ehegattenmordes zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt worden. Der Richter nannte das Vorgehen der gescheiterten Giftmörderin „widerlich, kaltschnäuzig und zynisch“. Sie sei intelligent, eigensüchtig und manipulativ, habe ihrem Opfer ein Schauspiel vorgeführt.

Die Kammer sieht zwei Mordmerkmale erfüllt: Heimtücke und niedrige Beweggründe. Der Gatte hat ahnungs- und wehrlos den wahrscheinlich in Essen und Getränke gemischten Blutverdünner eingenommen. Die Kirchenfrau wollte ihre Gesicht wahren, verhindern dass ihr Ehebruch auffliegt. Dies war ihr wichtiger als das Leben ihres Mannes. Scheidung sei für sie keine Option gewesen, sagte der Richter. „Es hätte ihrem Nimbus der Heiligkeit geschadet, den sich gegeben hat.“

Ihr Ehemann, der den Prozess als Opfer und Zeuge von Anbeginn verfolgt hatte, hat die Urteilsverkündung nicht verfolgen können. Er sitzt seit zehn Tagen in Untersuchungshaft. Er hatte mit Falschaussagen im Zeugenstand seine Ehefrau vor Strafe bewahren wollen und den Staatsanwalt erzürnt. Dieser ließ ihn noch im Gerichtssaal wegen uneidlicher Falschaussage festnehmen. 

Er hat ihr verziehen. Warum mischt sich der Staat ein?
Der Richter sprach von einem „außergewöhnlich ungewöhnlichen Tatgeschehen und Opferverhalten.“ Der Ehemann vertrete die Haltung: „Was geht das eigentlich den Staat an? Ich will meine Frau zurück und habe ihr verziehen. Ich lasse mir meine Familie nicht kaputt machen.“ „Auch dann, wenn die Opfer es nicht wollen, haben wir uns in Familienangelegenheiten einzumischen“, belehrte der Richter. Denn ein Strafprozess diene nicht dazu, die Ansprüche des Opfers durchzusetzen, sondern den Strafanspruch des Staates; das Funktionieren unserer Gesellschaft setze voraus, dass Grundregeln eingehalten werden. "Meistens geht der Vorwurf andersrum an den Staat, er werde den Opfern nicht gerecht."

Elisabeth W. war im vorigen August festgenommen worden und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Eine Regensburger Klinikärztin hatte den Giftanschlag auf ihren Ehemann Ludwig W. diagnostiziert und die Kripo eingeschaltet. Der pensionierte Lehrer litt an lebensbedrohlichen inneren Blutungen. "Es ist ein Wunder, dass er überlebte", sagte der Richter. Ein Medikament, das Patienten zur Blutverdünnung verschrieben wird, war ihm in hoher Dosis verabreicht worden.

13.000 SMS verraten das Motiv
Durch das beschlagnahmte Handy flog auf, dass die Ehefrau seit sechs Jahren eine heimliche Affäre mit ihrem Chef hatte. Die Ermittler werteten 13.000 Kurznachrichten aus. Sie entlarvten das Motiv: Ekel vor ihren altem Ehemann, abgöttische Liebe zu ihrem Chef. Der saß bei der Urteilsverkündigung in der hintersten Ecke des Zuschauerraumes.

Flüchtlingsfrau wird zur wichtigsten Zeugin
Wie Ludwig W. die Tabletten verabreicht worden sind, das konnte die Beweisaufnahme nicht klären. Ins Joghurt gerührt oder im Tee aufgelöst? Woher sie stammen, erhellte sich teilweise. Zugang zu diesem Medikament hatte die Verurteilte, die sich in der Flüchtlingshilfe engagierte, durch eine von ihr betreute afghanische Herzpatientin. Mindestens eines von deren Rezepten hatte sie im fraglichen Zeitraum selbst in der Apotheke eingelöst und sich einen Großteil behalten. Möglicherweise hat sie sich bei einem Besuch der Flüchtlingsfrau in einem unbeobachteten Moment zusätzlich bedient. Die junge afghanische Mutter wurde zur entscheidenden Belastungszeugin. Deren Aussagen brachten die Angeklagte in Erklärungsnot, diese verstrickte sich in Lügen.

Dem Richter ins Gesicht gelogen
Die Glaubwürdigkeit des Ehepaars war von Anfang an erschüttert. Sie erfand in Untersuchungshaft eine Selbstmordgeschichte, die sie später widerrief. Er hatte mit seinen Aussagen ihre erfundene Geschichte untermauert und im Zeugenstand für sie gelogen: „Ich habe die Tabletten selbst genommen!“ Er habe ihr verziehen, liebe sie nach wie vor, beteuerte er desöfteren. Kurz vor seinem "Geständnis" hatte ihm die Angeklagte in einer Sitzungspause bei einer engen Umarmung einen Zettel zugesteckt. Der Inhalt blieb unbekannt, weil er ihn zerrissen und ins Klo gespült hat. Dem Richter log er ins Gesicht, diese Übergabe einer Botschaft habe es nie gegeben.

Die Angeklagte hat Revision gegen das Urteil eingelegt. 

hud

 
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