Donnerstag, 19. Juli 2018
·
·

Lokalnachrichten >> Dienstag, 10. Juli 18

bild_klein_0000014194.jpg
Toxikologin Jessica Welter-Lüdeke, 35, von der Münchner Gerichtsmedizin belegte als Gutachterin, dass die Angaben des Ehemanns, sich selbst vergiftet zu haben, nicht plausibel sind. Im Hintergrund der psychiatrische Gutachter, der am Freitag aussagt.
Versuchter Ehegattenmord

Jetzt bleibt auch das Opfer in U-Haft

Im Passauer Giftprozess um einen versuchten Ehegattenmord sitzen seit heute 16 Uhr beide Ehepartner im UntersuchungsgefÀngnis. Der Ermittlungsrichter hat Haftbefehl gegen Ehemann Ludwig W. (68) wegen Verdunklungsgefahr erlassen. Der Vorwurf: uneidliche Falschaussage.

Der pensionierte Lehrer, der offenbar seine Ehefrau Elisabeth W. (50, Laienpredigerin) in Schutz zu nehmen versucht, hatte im Zeugenstand seine erste Aussage widerrufen und das „GestĂ€ndnis“ abgelegt: „Ich habe die Tabletten selbst eingenommen.“ Wegen uneidlicher Falschaussage ließ ihn danach der Staatsanwalt im Gerichtssaal vorlĂ€ufig festnehmen. „Wer vor einem Schwurgericht lĂŒgt, dem droht eine Mindeststrafe von drei Monaten“, erklĂ€rt ein Sprecher.

Ein Justizbeamter sagte heute als Zeuge aus, was er am Landgerichtsportal gesehen und gehört hatte. Der Ehemann habe seine Stieftochter zu sich gerufen, ihr AutoschlĂŒssel und Parkkarte ĂŒbergeben. „Ich werde heute wahrscheinlich nicht mehr nach Hause kommen.“ Dies geschah wenige Minuten bevor er im Zeugenstand seine verhĂ€ngnisvolle Aussage wiederholte. Er war sich offenbar bewusst, was ihn erwartet.

bild_klein_0000014195.jpg
Ehemann Ludwig W., 68, das mutmaßliche Opfer, musste den Weg in U-Haft antreten. (Foto: BĂŒrgernblick)
Was fĂŒr eine dramatische Entwicklung fĂŒr alle Beteiligten: Die des versuchten Giftmordes Angeklagte sitzt seit zehn Monaten im Regensburger FrauengefĂ€ngnis. Das Opfer, ihr Ehemann, verbrachte die Nacht in einer Polizeizelle und wurde gestern ins Passauer StadtgefĂ€ngnis ĂŒberstellt.

Gestern Abend hat eine Toxikologin von der MĂŒnchner Gerichtsmedizin, die bei der Aussage des Ehemanns zugegen war, am Rechner simuliert, ob die vorgegebene Selbstvergiftung ĂŒberhaupt möglich gewesen sein kann. Ludwig W. hatte behauptet, dass er im Keller ein halbvolles GlĂ€schen des blutverdĂŒnnenden Medikamentes gefunden habe, in einer Schachtel aus dem Erbe seines verstorbenen Vaters. Etwa 60 Tabletten, die er in einem Zeitraum von vier bis sechs Wochen eingenommen habe.

Die Gutachterin prĂ€sentierte heute das Ergebnis: Er hĂ€tte mindestens 73, eher wahrscheinlich mehr als 120 Tabletten des BlutverdĂŒnners gebraucht, um den Vergiftungswert zu erreichen, der bei ihm nach der Einlieferung ins Krankenhaus festgestellt worden war. Seine Blutgerinnung war doppelt so niedrig als der maximal therapeutisch zumutbare. Eine harmlose Stoßverletzung hĂ€tte fĂŒr ihn tödlich ausgehen können.

„Wenn der Ehemann lĂŒgt, dann bedeutet das keineswegs, dass meine Mandantin die TĂ€terin ist“, sagt Verteidiger Sebastian Kahlert.

Am Freitag, den 13., geht der skurrile Mordversuchsprozess weiter.

 
Bitte klicken Sie diese Förderer
und Freunde der freien Presse:

Hier Ihre Anzeige?
Kontaktieren Sie uns!

 

Unsere News und Bilder
finden Sie wieder:
 
Tageszeitung

 

Wochenzeitung

 

Illustrierte

 

TV & Radio
ARD
ZDF
Bayerisches Fernsehen
 
Agenturen

 

Ausland

 

Internet
Google
Yahoo
Passau Bilder