Sonntag, 23. September 2018
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Bayern >> Samstag, 07. Juli 18

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Apart-Hotel "Innkrone" in Passau-Innstadt: Der Betreiber des Hotels "Schloss Ort" sollte es ursprünglich übernehmen, jetzt bekam der "Unternehmer der gelben Busse" den Zuschlag.
Aus meinem Reportertagebuch

Umstrittene Großunternehmer, gefährdeter Informantenschutz

In der Sommerpause wird dieses Portal zum schnell geschriebenen Tagebuch. Ich habe teilweise 80-Stunden-Wochen und Nachtarbeit hinter mir für die Produktionen der Magazine und täglichen Onlineberichte, die ich hier einstelle. Bei aller Leidenschaft für meinen Beruf, auf Dauer kann ich das nicht durchstehen. Die Einnahmen reichen nicht aus, um einen Stellvertreter zu installieren. An dieser Stelle ein Dankeschön an die Handvoll Studenten im Team, die mir oft mit ehrenamtlichen Einsatz unter die Arme greifen.  

Motiviert gehen sie und ich in die Sommerpause: Mit einem Jahresbeitrag von 25 bis 35 Euro unterstützen uns immer mehr Print- und E-Paper-Abonnenten. Das ist bemerkenswert, denn der Trend ist umgekehrt: die Tageszeitung auf Papier verliert. Trotzdem. Es bleibt eine große Finanzlücke, die ich als Lohnschreiber für andere Zeitungen zu stopfen versuche. Dieser Spagat zwischen Herausgeber und freier Journalist ist lebenszeitraubend, aber auch irgendwie einzigartig herausfordernd.

Warum jetzt in Tagebuchform? Nach der Produktion der Sommerausgabe stehen für mich die Finanzbuchhaltung an, viel Verwaltungskram und eine Mietstreitsache, also kaum Zeit für Recherche. Irgendwann sollte es ein bisschen Urlaub sein.

Heute habe ich mit Interesse den Lokalteil der PNP gelesen. Meine Abonnenten wissen es seit einer Woche: Manfred Eichberger, der Reiseunternehmer mit den gelben Bussen, will das neue Apartment-Hotel auf dem ehemaligen Gelände der Innstadtbrauerei betreiben. Das Gebäude, dem der Berliner Architekt Ralf Pasel eine Dachkrone aufgesetzt hat, war früher die Abfüllanlage. Die Herberge ist an den zwei Dutzend Zimmern gemessen eher von bescheidener Größe, nicht aber der Betreiber. Was Diekmann für die Medienlandschaft und Kapfinger für die städtische Baulandschaft ist, ist Eichberger für den regionalen Tourismusmarkt. Die Art, wie Eichberger auf dem Markt auftritt, ist offenbar umstritten. Als Reaktion auf unsere Nachricht haben mich schon vor einigen Tagen Leser informiert, dass dieser Grenze überschreite. Das klingt nach einer Geschichte, die recherchiert werden muss.

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Schlamm und Regenwasser im Garten: Der Abraum eines Kusser-Steinbruches ist die Ursache, Leidtragende ist seit vielen Jahren eine Nachbarin.
Dramatische Bilder einer Hausbesitzerin aus der Gemeinde Fürstenstein haben mich erreicht. Schlamm und Wasser fluten ihr Grundstück. Die Lehrerin im Ruhestand ist aber nicht das Opfer der unberechenbaren Wetterereignisse, sondern eines rücksichtslosen Raubbaus an der Landschaft durch die Granitwerke Kusser. Der Unternehmer ist verantwortlich für gigantische Aufschüttungen in der Nähe des Hauses, die bei starkem Regen in Bewegung geraten, den angrenzenden Donau-Ilz-Radweg und ihr Grundstück vermuren. Letztens war auch ihr Nachbar betroffen. Wenn es zu regnen beginnt, fährt dieser Frau vermutlich mehr Angst in die Knochen, als Passauern, die 2013 von der Flut betroffen waren. Wenn die Lokalpresse das Thema nicht aufgreift,Großunternehmer werden hier oft mit Samthandschuhen angefasst,  werde ich es nach der Sommerpause tun.

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Die singenden Schauspieler Jochen Decker (Jake Blues), Reinhard Peer (Elwood Blues) liefern eine sagenhafte Show ab.
Wegen der Hamburger Konferenz „Netzwerk Recherche“, ich bin Mitglied in dieser journalistischen Vereinigung, habe ich vergangene Woche die Premiere von „Blues Brothers“ bei den Burgfestspielen verpasst. Dafür freue ich mich umso mehr auf heute Abend, denn das Stück soll sensationell sein. „Besser als der Film!“, hat mir ein Stadtrat erzählt, der sonst die Dinge eher kritisch sieht. Inszenierung, Darsteller und Musik, es würde die Zuschauer förmlich vom Stuhl reißen. Meine Wetterstation auf dem Handy sagt, dass der Sommer zurückkehrt. Damit haben 100 Zuschauer heute die Chance, an der Abendkasse die sogenannten Schönwetterkarten zu ergattern. Denn auf der Freiluftbühne ist mehr Platz als im Opernhaus. Vielleicht sehen wir uns!

An einen Pressetermin hat mich am Morgen Fotograf Tobias Köhler erinnert: Im Café Hornsteiner stellt heute um 17 Uhr Kabarettist Hannes Ringlstetter seine neue CD "Fürchtet Euch nicht!" vor. Auf dem Album wird er von zahlreichen Bands und Musikern unterstützt, darunter "dicht+ergreifend", die am Sonntag das "Open-Air" zum Jubiläum "100 Jahre Freistaat Bayern" auf dem Domplatz bestreiten. Anhänger des spaßbefreiten Klerus sollten am Domplatz besser  ihre Fenster verschließen, denn solche Textpassagen könnte sie missverstehen: "Mutter Theresa war auch noch geil - wie sie 16 war". Am 25. Juli ist Ringlstetter beim "Eulenspiegel-Zeltfestival" auf der Ortsspitze vertreten.

Als Mitglied von „Reporter ohne Grenzen“ hat mich heute eine Nachricht erreicht, die mich erschüttert, weil es etwas sehr Grundsätzliches meines Berufes berührt: den Informantenschutz. In Zeiten der Datenspeicherung ist es für meine Zunft immer schwieriger geworden, verdeckt zu recherchieren, Quellen vertraulich zu halten. Genau genommen sollten wir es wie die Geheimdienste halten: Der persönlich in den Briefkasten geworfene Brief ist noch das sicherste Übertragungsmittel.

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"Reporter ohne Grenzen" prangern einen Übergriff der Münchner Generalstatsanwaltschaft an.
Auf dem Handy verwenden ich und mein Team übrigen statt der US-Datenkrake und Facebook-Tochter Whatsapp den Schweizer Nachrichtendienst Threema. Dieser kostet zwar einmalig ein paar Euro, aber das ist mir die Sicherheit wert.

Zurück zum Thema: Auch für die Übertragung von E-Mails gibt es bestimmte Verschlüsselungswerkzeuge, welche den Datenverkehr anonymisieren und verhindern, dass Unbefugte mitlesen. Ein solches Werkzeug bietet beispielsweise Riseup, dessen amerikanische Gründer sich weltweit für eine sichere Kommunikation im Netz einsetzen. Ihre Entwicklungen in den „abhörsicheren“ E-Mail-Verkehr finden auch in Deutschland Unterstützung. Netzaktivisten rufen zu Spenden auf, beispielsweise der Dresdner Verein Zwiebelfreunde. Die Dresdner betreuen unter anderem auch die sicheren Datennetze von „Reporter ohne Grenzen“.

Jetzt das Unerhörte: Auf Betreiben der Münchner Generalstaatsanwaltschaft sind die Räume der  „Zwiebelfreunde“ und deren Vorstandsmitglieder durchsucht worden; Rechner, Festplatten und Handys wurden beschlagnahmt. Die Ermittler erhoffen sich, in den Zwiebelfreunde-Spendenlisten für „Riseup“ einen bestimmten E-Mail -Absender zu finden, der über eine „Riseup“-Adresse zu gewalttätigen Protesten gegen den Bundesparteitag der AfD aufgerufen haben soll.

Auf der Suche nach der Nadel im Heuhaufen darf die bayerische Justiz Scheunen einreißen?

Ich stelle mir gerade vor, Bürgerblick hätte dieses sichere E-Mail-Werkzeug benutzt, zu Spenden für "Riseup" aufgerufen, dann wäre ich zum zweiten Mal im Fokus der Münchner Staatsanwälte, hätte die Kripo im Haus und mein Hausanwalt Dr. Klaus Rehbock alle Hände voll zu tun. Warum zum zweiten Mal? Stammleser dieses Magazins wissen es: Gegen mich ist einst strafrechtlich ermittelt worden mit dem absurden Verdacht, ich hätte wie ein Geheimdienst Fax- und E-Mail Verkehr abgefangen, um an Unterlagen in der bayerischen Staatsaffäre Schottdorf zu gelangen. In Wahrheit, so stellte sich später heraus, ging es nur darum, meine vertraulichen Quellen auszuspionieren.

Informantenschutz ist für Journalisten unabdingbar, damit sie ihre Aufgabe, ich nenne es die "kontrollierende Säule im Staat", erfüllen können. Übergriffe wie die der Münchner Generalstaatsanwaltschaft lassen mich befürchten, dass der Informantenschutz nur mehr auf dem Papier existiert. Was geschieht, wenn die Sammlungen privatet US-Datenkraken in falsche Hände geraten, darüber mag ich besser nicht nachdenken.

Schönes Wochenende!

Hubert Jakob Denk

PS: Wenn eine wichtige Nachrichtenlage ansteht, halte ich Sie hier selbstverständlich wie gewohnt auf dem Laufenden.

Zu aller unserer Beruhigung das neue Ringlstetter-Album "Fürchtet Euch nicht!". Reinhören!

 
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