Sonntag, 23. September 2018
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Regionales >> Donnerstag, 28. Juni 18

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"Vorverurteilung durch die Medien?" Auf der Bühne saßen Bild-Chefredakteur Reichelt, die Rechtsprofessorinnen Frommel und von Lewinski, Strafverteidiger Strate.
Alphatierchen im Audimax

Drei Rechtsgelehrte und ein Pr√ľgelknabe

Missachten die Medien das Recht der B√ľrger am eigenen Bild, deren Schutz an Privatsph√§re? Inwieweit werden mutma√üliche T√§ter in der Berichterstattung vorverurteilt? Spannende Fragen, zu denen vielen B√ľrgern an erster Stelle ein Blatt mit gro√üen Buchstaben einf√§llt: die Bildzeitung. Die Passauer Jurastudenten haben deren Chef, Julian Reichelt, aufs Podium geholt. Die Zuschauer erlebten einen Journalisten, der mit selbstbewusster, bissiger Rhetorik auftrat.

"Wir bitten um Geduld, er wird gleich dazusto√üen", vertr√∂stete der Veranstalter das Publikum im vollbesetzten Audimax. Reichelts Flug von Berlin nach M√ľnchen hatte sich versp√§tet. Mit Jeans, Sakko und aufgekn√∂pftem Hemd betrat er 30 Minuten sp√§ter den H√∂rsaal. "Ich sehe zum ersten Mal ein Audimax von innen", war sein knapper Kommentar, als Juraprofessor und Moderator Kai von Lewinski ihn um ein paar biografische Angaben bat. Reichelt hat als einziger auf dem Podium nicht studiert. Die Stimmung war zwischen heiter-humorvoll bis streitbar-angespannt. 

Nicht nur der Bildmann war eine schillernde Figur auf dem Podium, auch seine Mitstreiter: Promi-Strafverteidiger Gerhard Strate (Gustl Mollath, Ferdinand Pi√ęch und Carsten Maschmeyer), grellblaue Schuhe, nahm erst den Zusp√§tkommer Reichelt auf die Schippe, lie√ü dann Lewinski abblitzen, der einen Scherz auf seine Kosten gemacht hatte: "Lesen Sie auf Wikipedia nach!" Ein Podium der Alphatierchen.

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Plakatank√ľndigung mit Zitat des Bild-Chefredakteurs: Wer Kinder missbraucht, hat seiner Meinung nach alle Pers√∂nlichkeitsrechte verwirkt. Diese umstrittene journalistische Haltung hatte Bild bereits in den 1970er Jahren gepflegt.
Der dritte Jurist in der Podiumsrunde war die Kieler Strafrechtsprofessorin Monika Frommel, die zuletzt als Kritikerin der "MeToo-Debatte" f√ľr Aufsehen sorgte.

Das Thema "Vorverurteilung mutma√ülicher T√§ter" durch die Medien" trat fast in den Hintergrund, denn es drehte sich vorrangig um die Bildzeitung. Reichelt, wie ein Penn√§ler auf seinem Stuhl l√ľmmelnd, nahm von Beginn an eine Verteidigungshaltung ein. Unpr√§zise Kritik lie√ü er nicht gelten, versp√ľrte die teilweise bildzeitungsfeindliche Haltung im Publikum und begegnete diesem mit Polemik: "Wenn sich manche Bildkritiker zwischen Sympathie mit unserer Zeitung und Sympathie mit einem Kindersch√§nder entscheiden m√ľssten, w√ľrden sie mit schlafwandlerischer Sicherheit letzteren w√§hlen". Reichelt punktete. Der Nichtstudierte war dem Streitgespr√§ch mit den drei Rechtsgelehrten durchaus gewachsen.

Das Gespr√§ch streifte die bekannten Streitf√§lle der letzten Jahre: Kachelmann, Gladbeck und die RAF. W√§hrend Reichelt sich auf die Pressefreiheit und das Interesse der √Ėffentlichkeit am Zeitgeschehen berief, warf Frommel der Bild-Zeitung vor, eine Resozialisierung von Straft√§tern zu verhindern. 

Strate h√§tte in der Moderatorenrolle mit Lewinski tauschen sollen. Denn dieser hielt sich vornehm zur√ľck, w√§hrend der andere seinen Drang, sich an der Diskussion zu beteiligen, nicht zu z√ľgeln vermochte, 

Den gr√∂√üten Applaus erhielt der Bildzeitungsjournalist mit seinem Toast  auf den Rechtsstaat: "Sowohl im Recht als auch in den Medien passieren wahnsinnig viele Fehler. Aber trotzdem haben wir hier das beste System auf der Welt." 

Dominik Kalus

 
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