Sonntag, 23. September 2018
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Bayern >> Dienstag, 29. Mai 18

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Am Bauschild des neuen Investors, den die Stadt hofiert: 100 Dorfbewohner sind zum Ortstermin gekommen. (Foto: Stefan Schopf/ Bürgerblick)
Fl├Ąchenfra├č in Vilshofen

B├╝rgeraufstand gegen neues Industriegebiet

Ein Industriegebiet hoch ├╝ber den n├Ârdlichen Donauh├╝geln von Vilshofen (Landkreis Passau) soll nach den Pl├Ąnen des Rathauses weiter wachsen. Aber die B├╝rger des betroffenen Dorfes rufen ÔÇ×Stopp!ÔÇť. Es seien genug landwirtschaftliche Fl├Ąchen und W├Ąlder vernichtet. Die bayerische Politik erlebte heute wohl ihren eindrucksvollsten Protest gegen den sogenannten Fl├Ąchenfra├č.

Fast alle 600 Dorfbewohner von Albersdorf haben eine Petition an den Bayerischen Landtag unterschrieben, um die ÔÇ×Zerst├Ârung der HeimatÔÇť zu beenden. 13 sind als Antragsteller unmittelbar betroffen, 568 haben uterschrieben. Heute ist es zum Ortstermin gekommen. Vertreter des Petitionsausschusses, des Ministeriums, der niederbayerischen Regierung, des Passauer Landratsamtes und der Stadt Vilshofen setzten sich mit den Initiatoren an einen Tisch.

100 B├╝rger beim Ortstermin

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F├╝r die Besprechung mit den Vertretern aus M├╝nchen, Landshut, Passau und Vilshofen hat die Familie des Antragstellers in ihrer Partyh├╝tte einen "runden Tisch" geschaffen. Das Dorf ist gekommen, um zuzuh├Âren. (Foto: Stefan Schopf/ B├╝rgerblick)
Die Vertreter der Politik und der Antragsteller waren nicht allein: 100 B├╝rger, darunter junge Familien, Landwirte und Dorfburschen sind zu diesem brisanten Treffen gekommen. Er habe schon viele Petitionen erlebt, aber noch keine, an der sich beim Ortstermin so viele beteiligt h├Ątten, sagte Landtagsabgeordneter Hans Ritt (CSU). Er war f├╝r den Petitionsausschuss zusammen mit seiner Kollegin Jutta Widmann (Freie W├Ąhler) angereist. Nicht erschienen war der Vilshofener B├╝rgermeister Florian Gams (SPD). Er lie├č sich entschuldigen, befindet sich auf Kurzurlaub.

Mehr als 500 Hektar verlorene Natur und Landwirtschaft

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Johann Eder, ein ehemaliger Schuldirektor, hat gemeinsam mit seinem Sohn die Petition angesto├čen. (Foto: Stefan Schopf/ B├╝rgerblick)
Der Initiator und Sprecher auf der Seite der B├╝rger, ein ehemaliger Schuldirektor, dessen Sohn als Hausbesitzer das neue Industriegebiet vor die Nase gesetzt w├╝rde, hatte den Irrsinn des Fl├Ąchenfra├čes auf Schautafeln illustriert. Mindestens eine halbe Million Quadratmeter Gewerbe- und Industriefl├Ąchen haben die Kommunen im Umkreis von 15 Kilometern ausgewiesen. Warum diese Parzellen nicht bedient w├╝rden, bevor neues Land vernichtet wird, sei nicht nachvollziehbar.

Kommentar
Die Wurzel des ├ťbels: Die Gemeinden liefern sich einen Konkurrenzkampf, um m├Âglichst viel Gewerbesteuerzahler auf ihr Land zu ziehen, ja sie werben sich gegenseitig Investoren ab. Diese f├╝hlen sich wie ein Mann auf Brautschau, der von Dutzenden Br├Ąuten umworben wird. Schlimmstenfalls bleiben Industriebrachen zur├╝ck, wenn der Umzug in die Nachbargemeinde f├╝r einen Gewerbe- oder Industriebetrieb attraktiver oder lukrativer wird.

M├Âgliche L├Âsung des Problems: Die Gewerbesteuer muss der Hoheit der Kommunen entrissen werden. Die Abgabe sollte auf Bezirks- oder Landesebene abgewickelt werden und von dort nach einem fairen Schl├╝ssel ├╝ber die Kommunen verteilt werden. Das w├╝rde die Gier der Gemeinden stoppen und das Gesicht Bayerns bewahren.

Fl├Ąchenfra├č: Aufstand in Albersdorf from B├╝rgerblick on Vimeo.

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Kostenlose Online-Berichterstattung von Hubert J. Denk/ Text und Stefan Schopf/ Fotos.
Zeitaufwand: jeweils drei Stunden f├╝r Fahrt und Ortstermin, jeweils zwei Stunden f├╝r Text- und Bildbearbeitung.

 

 
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