Sonntag, 23. September 2018
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Meinung >> Donnerstag, 17. Mai 18

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Der Maestro soll auf seine Gage verzichtet haben, um den "Europäischen Wochen" unter die Arme zu greifen: Enoch zu Guttenberg dirigiert die Bamberger Symphoniker am 7. Juli in Niederalteich. (Foto_ EW)
EuropÀische Wochen

Wie geht es weiter ohne Intendanten?

Das um ein Dutzend Veranstaltungen abgespeckte Programm der Sommerfestspiele „EuropĂ€ische Wochen“, die erstmals ohne FĂŒhrung eines Intendanten stattfinden, werden nach Pfingsten als neues Faltblatt veröffentlicht.

Der Vorstand des TrÀgervereins, der sich wegen eines Kostenstreits vom OpernsÀnger und Kulturmanager Thomas Eduard Bauer getrennt hatte, steht jetzt mit der Abwicklung allein in der Verantwortung.

Kommunale und private Sponsorengelder sind oft mit bestimmten Veranstaltungen verknĂŒpft. In Burghausen ist nach der Absage von „Jedermann“ eine ProgrammlĂŒcke entstanden, fĂŒr welche der dortige BĂŒrgermeister Ersatz einfordert. Seine Jazzstadt gehört zu den großzĂŒgigen Gönnern der Kulturszene.

Der Passauer OberbĂŒrgermeister hingegen, dessen Kommune sich im Vergleich zu anderen Festspielen (siehe aktueller BĂŒrgerblick) eher bescheiden beteiligt, soll laut dem Bericht eines Sonntagsblattes seine Fördergelder "gesperrt" haben. Erst mĂŒsse die geplante Abwicklung der Veranstaltungen in Passau garantiert werden. Diese Sperre dĂŒrfte vom Tisch sein, nachdem mit heutiger Zusage von den im Veranstaltungskalender aufgefĂŒhrten 19 Passau-Terminen 17 stattfinden. Eine Neubesetzung gibt es fĂŒr das Schlusskonzert in der Altstadtkirche St. Michael: statt der „Regensburger Domspatzen“ tritt Trompeter GĂĄbor Boldoczki mit der Prager Philharmonie auf.

Die Finanzkrise und die Absetzung des Intendanten hat den TrĂ€gerverin, dem viele namhafte Vertretern der Gesellschaft angehören, gespalten. Bauers AnhĂ€nger wĂŒnschten sich eine große Reform, andere stehen hinter dem Vorgehen des Vorstands, der in der Haftung steht. Jedoch merken viele an, dass die Schuld wohl auf beiden Seiten zu suchen sei: hier die mangelnde Kontrolle, dort der kĂŒnstlerische Überschwang. Der Ruf nach einem Personalwechsel an der Spitze des Vereins wird laut, der RĂŒcktritt des Vorstandes als Zeichen der Erneuerung erwartet. Die Neuwahlen stehen ihm Herbst an.

Warum hat die Stadt keinen Rettungsschirm ĂŒber ihr Ă€ltestes und wichtigstes Klassikfestival aufgespannt? Mit außerplanmĂ€ĂŸigen Mitteln fĂŒr fragwĂŒrdige Überwachungskameras ist sie zum Beispiel schnell zu Hand. Im Hintergrund schwingen in dieser Krise wahrscheinlich persönliche und politische Befindlichkeiten mit. Die Vereinsvorsitzende, die fĂŒr die CSU im Stadtrat sitzt, hat ehemals gegen den SPD-Obermeister kandidiert, der Festspielschatzmeister war fĂŒnf Jahre lang Prokurist einer stĂ€dtischen Gesellschaft, die zum Sorgenkind wurde und abgewickelt worden ist.

Die Vereinsvorsitzende und der abgesetzte Intendant, beide haben zuletzt dem Image der Festspiele Schaden zugefĂŒgt. Er sprach öffentlich von einem verstaubten Laden, sie vom insolventen TrĂ€gerverein. Dies motiviert keine Sponsoren und verschreckt EW-Freunde. Wer kĂŒmmert sich jetzt darum, die Geldbeutel der Gönner zu öffnen? LangjĂ€hrige EW-Mitglieder, darunter branchenkundige Köpfe, haben ihre Hilfe angeboten und Ă€ußern sich resigniert. Die Vereinsspitze, so hieß es, habe angeblich alles im Griff.

Viele organisatorische Fragen sind ungelöst. Es muss nach mehren KĂŒndigungen Personal nachbesetzt werden. Wer ersetzt den Intendanten fĂŒr die reprĂ€sentativen Auftritte? Wer hĂ€lt die Festrede, wer die BegrĂŒĂŸungen vor den verschiedenen Konzerten? Die „EuropĂ€ischen Wochen“ seien keine „Passauer Festspiele“, sie spielten sich in der FlĂ€che ab, bedienten die gesamte Region, hat der Passauer OberbĂŒrgermeister verlauten lassen. Dieses Magazin hatte angefragt, ob er sich als Nothelfer verpflichtet sieht. "Warum hat er sich nicht bei der Krisenversammlung gezeigt?", fragten Passauer Mitglieder.

Vielleicht wĂ€re es eine kluge Geste, den Passauer OberbĂŒrgermeister heuer als Festredner der „EuropĂ€ischen Wochen“ anzufragen. Die EröffnungsgĂ€ste kĂ€men in den Genuss seiner feinen Rhetorik und er fĂŒhlte sich in die Festspiele integriert, deren Wiege unzweifelhaft in Passau steht. Hier schlĂ€gt das Herz der EW.

***

Hinweis in eigener Sache: BĂŒrgerblick hat fĂŒr ein Gewinnspiel "Kirchen suchen, Konzerte gewinnen" Karten auf den besten PlĂ€tzen fĂŒr die Höhepunkte des Festivals erworben. In der ersten Spielrunde, die bereits Ende April ausgelost worden ist, Ă€ndert sich ein Veranstaltungsort: Aldersbach statt Passau fĂŒr "Mozart: Sinfonien und Serenaden". In der laufenden Spielrunde des Maiheftes wird die "Zauberflöte" in Aldersbach durch das Ortenburger Schlosskonzert (Kammerorchester Bad BrĂŒckenau und Daniel MĂŒller-Schott) ersetzt.

 hud

 
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