Donnerstag, 18. Oktober 2018
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Lokalnachrichten >> Montag, 14. Mai 18

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Die alten Verläufe der Flutmauer an der Innpromenade sind verworfen worden: Der neue Favorit würde landseitig vom Innkai am Ufer verlaufen, im Osten zum Brückenkopf hochführen. (Quelle: WWA)
Heute im Stadtrat

Passauer Debatte zur Flutmauer und Video√ľberwachung: Gut, zu wissen

Der Passauer Stadtrat debattiert heute √ľber zwei Themen, welche die breite √Ėffentlichkeit bewegen. Es werden viele Zuschauer erwartet: B√ľrgerinnen, die sich gegen geplante Hochwassermauern am Inn und an der Ilz stellen; B√ľrgerinnen, die eine Video√ľberwachung auf einem der belebtesten Pl√§tze der Stadt f√ľr √ľberfl√ľssig halten.

Der von einem Kremser Architekturb√ľro ausgearbeitete Entwurf f√ľr die Hochwassermauer an der Innpromenade ist vom Rathaus als die ideale L√∂sung vorgestellt worden: ‚ÄěGro√ües Aufatmen: Die Kastanien d√ľrfen bleiben‚Äú, verk√ľndete die Heimatzeitung. Sie berief sich auf die st√§dtische Pressemitteilung. Doch Pressesprecher dienen ihren Auftraggebern. Sie greifen zu Sch√∂nf√§rberei, zur Werbesprache oder blenden Unerw√ľnschtes aus, um bestimmte Dinge gut zu verkaufen oder zu verschleiern.

Die Heimatzeitung hat sich mittlerweile selbst korrigiert: Es seien keineswegs alle möglichen Bedenken gegen eine Flutmauer an der Innpromenade grundsätzlich ausgeräumt. Auch der bevorzugte Entwurf schone nicht sämtliche Bäume.

Innkai und Parkanlage - zwei Ebenen
Konkret: Die favorisierte Mauer w√ľrde landseitig vom Innkai verlaufen, im Westen am Karolinenplatz mannshoch beginnen. Hier fallen die ersten Kastanienb√§ume. Im weiteren Verlauf lehnt sich die Flutmauer zunehmend an eine neu geschaffene B√∂schung, welche ihre H√∂he kaschiert. Das Parkgel√§nde w√ľrde dazu flussseitig vom Alleeweg aufgesch√ľttet. Sch√§tzungsweise 300 Lkw-Ladungen sind n√∂tig. Innkai und mobiler Hochwasserschutz mit neuer Parkanlage l√§gen getrennt auf verschiedenen Ebenen.

Muss das Mahnmal weichen?
Zumindest in H√∂he der Theresienstra√üe, am Mahnmal f√ľr die NS-Opfer mit den aufragenden Stahlstreben, w√ľrde ein √úbergang zum Innkai geschaffen, eine Rampe oder Treppe; das Mahnmal selbst m√ľsste wohl versetzt werden. Allein dieser Eingriff d√ľrfte f√ľr neuen Widerstand sorgen, zumal die vom K√ľnstler beabsichtigte Raumwirkung seines Werks in der neuen Umgebung verloren geht.

Parkanlage wird aufgesch√ľttet, √∂stliche Baumgruppe f√§llt?
Die Aufsch√ľttung des Gel√§ndes betr√§fe ebenso den Kinderspielplatz, insbesondere die dortige Baumgruppe bis hin zur Marienbr√ľcke, darunter gro√üe, alte Kastanien. Dieses Gr√ľn gegen√ľber des F√ľrstbisch√∂flichen Opernhauses m√ľsste wahrscheinlich komplett weichen. Wenn die Schilder nicht l√ľgen, sind auch diese B√§ume Bestandteil des Naturdenkmals.

Was verschwiegen wird: Die Baustelle selbst wird das Parkgel√§nde auf einem zehn Meter breiten Streifen erstmal total zerst√∂ren. Denn die Spundw√§nde m√ľssen bis acht Meter tief oder mehr getrieben werden, damit sie auf tragbarem Untergrund verankert werden k√∂nnen. Ebenso kl√§rungsbed√ľrftig: Bislang war ein Mauerverlauf in Ufern√§he von den Experten verworfen worden, weil der Hochwasser f√ľhrende Inn zu sehr eingeengt w√ľrde; Str√∂mung und Pegelhub benachteiligen die Flussanwohner gegen√ľber und flussabw√§rts, gef√§hrden die Marienbr√ľcke. Wenn diese Pl√§ne konkret werden, wollen Hausbesitzer vom unteren Innkai Klagen einreichen.

Entscheidung wird vertagt
Es ist so gut wie sicher, dass heute auf Antrag eines kritischen Stadtrates dieser Siegerentwurf aus dem Wettbewerb zur weitergehenden Diskussion in die Fraktionen verwiesen wird. Nachfragen bei den Mitgliedern im Jurygremium haben zudem ergeben, dass die Umsetzung des favorisierten Modells wohl viel teurer werden w√ľrde. Sch√§tzungen mit zw√∂lf Millionen Euro seien realistisch. Die Summe liegt damit ein Viertel h√∂her als in anderen Varianten vorgesehen. Dies d√ľrfte bei einer neuen Kosten-Nutzen-Rechnung die Ma√ünahme kaum mehr rechtfertigen.

Fragw√ľrdige Statistiken
Die wenigen H√§user, die auf der Gottfried-Sch√§ffer-Stra√üe, im Unteren und Oberen Sand gesch√ľtzt werden w√ľrden, sind √ľber die letzten Jahrzehnte nur zweimal wirklich schlimm betroffen gewesen: 1954 und 2013. Beim Hochwasser 2002, bei einem Innpegel von knapp 8,40 Meter seien ihre Verkaufsr√§ume im Erdgeschoss trocken geblieben, berichtete beispielsweise eine Gesch√§ftsfrau, deren Laden in der Senke an der Ecke Grabengasse/ Unterer Sand liegt. Warum dieser Fakt erw√§hnenswert ist? Den Stadtr√§ten sind Statistiken des Wasserwirtschaftsamtes vorgelegt worden, die ein verzerrt dramatisches Bild malen. Darin wird behauptet, seit Ende des 19. Jahrhunderts seien diese H√§user 14 Mal vom Hochwasser betroffen gewesen. F√ľr diese Behauptung ist ein Innpegel von ‚Äěab sieben Meter‚Äú herangezogen worden, wohl wissend, dass ein echtes Hochwasserdrama erst jenseits der 8,50-Meter-Marke beginnt.

Zur Orientierung: Bei der Flutkatastrophe 2013 wird der Innpegel mit 10,20 Meter (Donaupegel 12,90) angegeben, 1954 mit 10,10 Meter (Donaupegel 12,20). Pegelstand zum heutigen Tag: Inn 2,30 Meter, Donau 4,70 Meter.  

Klimawandel: Fl√ľsse verlieren Wasser
Im n√§chsten B√ľrgerblick-Heft werden wir Untersuchungen von Wissenschaftlern aufzeigen, die sich mit der Klimaentwicklung und den langfristigen Auswirkungen auf die Fl√ľsse besch√§ftigt haben. Unberechenbare √∂rtlich begrenzte Starkregen, wie am Haibach in Passau oder in Simbach am Inn, werden h√§ufiger werden. Die Fl√ľsse selbst werden grunds√§tzlich an Wasser verlieren, denn w√§rmere Luft bindet mehr Feuchtigkeit; die klassischen Hochwasserkurven werden abgeschw√§cht.

Flutmauer: Unmut in Hals
Derweil regt sich auch im Stadtteil Hals Widerstand gegen die geplante Hochwassermauer und den Verlust der dortigen kleinen Flusspromenade ‚ÄěEsplanade‚Äú. Beim Stadtbewahrerverein ‚ÄěForum Passau‚Äú sind Schreiben, teils anonyme, eingegangen, in denen um Unterst√ľtzung gebeten wird. Die Halser Flutmauergegner behaupten, die Stadt habe zwei urspr√ľngliche Versprechen nicht eingehalten: die Promenade zu erhalten oder zumindest die Flutmauer mit Natursteinen zu verkleiden. Letzteres sei laut neuer Auskunft von Experten jedoch nicht m√∂glich.

Video√ľberwachung: Warum gerade jetzt?

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Die Parkanlage "Klostergarten" im Zentrum des Kleinen Exerzierplatzes: Kann Video√ľberwachung unliebsames Stammg√§ste vertreiben? (Foto: mediendenk)
Die Pl√§ne zur Video√ľberwachung in der Parkanlage "Klostergarten" am Kleinen Exerzierplatz, einem der hoch frequentierten Orte, breitet Passau zu einer Zeit aus, da Kriminalit√§t auf einen historischen Tiefstand gesunken ist. Schwerwiegend oder besorgniserregend h√§ufige Strafdelikte gibt es dort nicht, zumal der Park ohnehin laut Sicherheitskonzept von allen Seiten einsehbar ist.

Was nicht ausgesprochen wird: Es geht offenbar allein um die Absicht, unliebsame Stammg√§ste des Parks, die von der Gesellschaft abgeh√§ngt sind, daf√ľr an der Flasche oder anderen Drogen h√§ngen, zu vertreiben. Ob elf geplante Kameras dies bewirken ist fraglich; aber gut m√∂glich, dass sich der soziale Brennpunkt dann an einen weniger einsehbaren Orte verlagert und dort zum echten Problem wird.

 
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