Sonntag, 23. September 2018
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Bayern >> Samstag, 03. MĂ€rz 18

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Ein rechter Spinner, eine Netzseite mit 18 Aufrufen und eine E-Mail, die besser im Spamfiler gelandet wäre, beschäftigen PNP und Polizei. (Bildschirmfoto: PNP)
Neonazi droht Wirten

Zu hoch gehÀngt

Ein rassistisch verwirrter Kopf hat mit einer Sammelnachricht an bayerische Wirte, die GrĂŒnen- Stammtische oder andere „Linke“ beherbergen, unerwartet die Aufmerksamkeit der Polizei und der Medien bekommen.

Die Heimatzeitung bringt heute als Topthema im Lokalteil, dass ein als Adressat betroffener Passauer Wirt wegen des bedrohlichen Inhalts der E-Mail Strafanzeige erstattet habe. Der anonyme Absender, der sich mit dem lateinischen Namen „glĂŒcklicher Trinker“ schmĂŒckt, auf seiner Netzseite eine Fantasieadresse in Greifswald angibt, droht damit, die WĂ€nde der GasthĂ€user zu beschmieren und deren Fenster einzuschlagen, wenn sie weiterhin linke Gruppierungen oder Parteien bewirten; ausdrĂŒcklich werden dabei auch die GrĂŒnen genannt.

Die bayerische Polizei ermittelt jetzt gegen Unbekannt. Der rechtsradikale Verfasser bezeichnet auf seiner Netzseite afrikanische FlĂŒchtlinge als „Humanschrott“, verfasst seine rassistischen Thesen im Stil einer studentischen Arbeit, benennt seine Organisation nach einem SS-Offizier, der bei der Befreiung des italienischen Diktators Mussolini mitwirkte und von Nazis zum Helden hochstilisiert worden ist.

Unsere Recherchen haben ergeben, dass bislang nur Wirte aus dem Großraum MĂŒnchen diese Droh-E-Mail erhielten: Ammersee und Landkreis Starnberg. Hier wurden in der Folge Veranstaltungen unter Polizeischutz abgehalten, in einem Fall eine Weihnachtsfeier der SPD. Zu ZwischenfĂ€llen kam es nicht. In Greifswald, dem angeblichen Sitz des Verwirrten, hat ein Gastwirt, bei dem sich die GrĂŒnen treffen, von der rechtsradikalen Greifswalder Organisation noch nie gehört, wie unsere Anfrage ergibt.

Die erste Drohnachricht wurden offenbar bereits Ende letzten Jahres versandt. Damals existierte diese rechtsradikale Internetseite noch nicht. Der Passauer Wirt hat seine E-Mail am 21. Februar erhalten, offenbar zeitgleich mit dem Erstellen der Internetseite.    bb/hud

Ein Fall fĂŒr den Spamfilter
Es wĂ€re besser gewesen, die E-Mail des Verwirrten wĂ€re - wie es wahrscheinlich bei vielen Wirten der Fall war - auch beim Passauer Wirt im Spamfilter gelandet und automatisch gelöscht worden. Mit dem Bericht der Heimatzeitung und der Nennung der Internetseite hat sie unverdiente Beachtung, kostenlose Werbung erhalten. Dies beflĂŒgelt den Absender, vergrĂ¶ĂŸert die Wirkung seiner Aktion. Seine rassistische Internetseite hat bislang 18 (in Worten: achtzehn) Aufrufe erhalten, die Aufrufe des PNP-Kollegen und der Ermittler mitgezĂ€hlt. Was mich am meisten Ă€rgert: Fast zwei Stunden haben ein Kollege und ich den Samstag mit Recherche und Schreiben fĂŒr diesen kostenlosen Online-Beitrag verbracht. Zeit und Energie, die dieser Neonazi als Guthaben fĂŒr sich verbuchen kann; ebenso die Zeit und Energie, welche Ermittler oder der betroffene Wirt aufbringen, sich damit zu beschĂ€ftigen.

 
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