Donnerstag, 15. November 2018
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Bayern >> Montag, 12. Februar 18

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An der Schleuse Kachlet, etwa 20 Kilometer flussabwärts vom Unglücksort, ist die Leiche des Matrosen angetrieben worden. (Foto: mediendenk)
Tod in der Donau

Der vergessene Matrose

Als die Wasserleiche eines Matrosen am Faschingssonntag in Passau auftaucht, stellt sich die Frage: Warum gab es keine √∂ffentliche Fahndung nach dem jungen Mann, obwohl die Vermisstenanzeige drei Monate zur√ľck liegt? Warum war in keiner Pressemitteilung von dem mutma√ülichen Ungl√ľck zu lesen, dass ein Besatzungsmitglied am Hafen von Vilshofen √ľber Bord gegangen ist? Es weckte Skepsis und f√∂rderte Spekulationen. "Da steckt bestimmt ein Verbrechen dahinter", riefen M√ľnchner Journalisten den Passauer Kollegen an. 

Ungl√ľck, Alkohol, Suizid. Alles kommt jetzt infrage, aber ein Gewaltverbrechen war es wohl nicht. Die Staatsanwaltschaft hat die Leiche heute freigegeben. Auf eine Leichenschau ist verzichtet worden. Es h√§tte nichts auf fremde Gewalteinwirkung hingedeutet, hei√üt es von den Beh√∂rden. 

Der Kapit√§n des G√ľterschiffs "MS Albatros" hatte am 12. November eine n√§chtliche Ruhepause am Hafen Vilshofen eingelegt. F√ľr das Ablegeman√∂ver am Morgen ben√∂tigte er nur einen Mann seiner mehrk√∂pfigen Besatzung. Als der 80 Meter lange blaue Schubverband donauaufw√§rts hinter Osterhofen war, fiel den M√§nnern auf, dass eine Koje leer war. Der Kapit√§n meldete bei der Deggendorfer Wasserschutzpolizei den Matrosen als vermisst. Es wurde vermutet, dass er nachts heimlich an Land gegangen ist, seinen Dienst quittiert hat. Es w√§re angeblich nicht das erste Mal gewesen.

Die Deggendorfer Wasserschutzpolizei √ľbergab den Fall den Passauer Kollegen, nachdem der mutma√üliche Ort des Landgangs, Vilshofen, zu deren Zust√§ndigkeitsbereich z√§hlt. Ausschlie√üen konnten die Ermittler ein Ungl√ľck nicht. Routinem√§√üig suchte eine Besatzung mit Polizeiboot den Fluss und seine Ufer zwischen Vilshofen und dem Kachlet ab. Ergebnislos.

Trotz alledem: Zu einer Fahndung nach dem Vermissten kam es nicht. Der Fall tauchte in keinem Polizeipressebericht auf, weder in Deggendorf noch in Passau. Der Wechsel der Zust√§ndigkeiten und die Annahme, dass der Matrose sich abgesetzt hat, d√ľrften mitgespielt haben, dass der Fall eine polizeiinterne Angelegenheit blieb. 

Ein 54-jähriger Zeuge hat die Leiche am späten Sonntagvormittag im Rechen der Staustufe Kachlet entdeckt. Bald stand fest, dass es sich um den vermissten Matrosen handelt, einen rumänischen Staatsangehörigen. Fast auf den Tag genau drei Monate nach seinem Verschwinden war die Leiche des 26-Jährigen am Donaukraftwerk Kachlet angetrieben worden.

 
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