Freitag, 23. Februar 2018
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In einem Weißbiergärkeller der Löwenbrauerei diskutierten sie über sozialen Wohnungsbau. Till Hofmann (Vollbart, schwarzes Sakko) hat seine Idee vorgestellt: Brauerei, Stiftung und Bürger als Partner zusammenbringen für eine soziale Wohnungsgenossenschaft
Soziale Wohnungsgenossenschaft

Stachel im Fleisch der Baulöwen

Wenn sich BĂŒrger und eine Brauerei zusammentun, könnten sie ein kleiner Stachel im Fleisch der Baulöwen sein, die den Passauer Wohnungsmarkt beherrschen.

Eine bunte Mischung der Passauer Gesellschaft hat sich am Freitagabend in einem weiß gekachelten Raum auf 25 harten BierbĂ€nken getroffen, um einem spannenden Thema zu lauschen: Kann man der Handvoll Baulöwen, die den Wohnungsmarkt beherrschen und die Preise bestimmen, nicht ein Modell entgegensetzen, das allein sozialen Zwecken dient?

Der MĂŒnchner Kleinkunstveranstalter Till Hofmann, der mit seinen Gastspielen „Eulenspiegel-Zeltfestival“ und „Oide Dult“ mit seiner Heimatstadt Passau fest verwurzelt ist, prĂ€sentierte seine Idee von einer sozialen Wohnungsgenossenschaft. Was in MĂŒnchen funktioniert, sollte in Passau auch gehen. Konkret: In Kooperation mit der Löwenbrauerei und deren Stockbauer-Stifung könnte auf dem westlichen Areal des BrauereihĂŒgels, die Bebauung entlang der Hollergrippe, eine neues Wohnareal geschaffen werden. Es liegt unberĂŒhrt vom geplanten Erweiterungsbau der UniversitĂ€t, welche der Freistaat auf der östlichen Seite des LöwenbrauereihĂŒgels, zum Kleinen Exerzierplatz hin, plant.

Das Interesse der BĂŒrger fĂŒr neue Modelle, die bezahlbaren Wohnraum schaffen, war grĂ¶ĂŸer als Hofmann erwartet hatte. Es zeigt, dass das Thema auf den NĂ€geln brennt. Das fĂŒr die PrĂ€sentation vorgesehene StockbauerstĂŒberl wĂ€re zu klein geworden. Der Brauereidirektor hatte vorausschauend fĂŒr die letztendlich 150 Besucher einen Raum angerichtet, der als neuer Weißbierkeller geschaffen worden ist.

Mit Hofmanns Idee könnte sich die Brauerei einen Teil ihres GelĂ€ndes sichern und selbst entwickeln, fĂŒr das Investoren und Freistaat Vorkaufs- und Erbbaurecht besitzen. In den nĂ€chsten zwei, drei Jahren, so der Brauereidirektor, mĂŒsste die Umsetzung erfolgen, wenn sie zielfĂŒhrend sein soll.

Der Blick ins Publikum war fast spannender als die PrĂ€sentation des Wohnungsgenossenschaftsmodells. Wer war an interessierten StadtrĂ€ten da? Drei GrĂŒnen-Politiker, darunter als Vertreterin des Rathauses die dritte BĂŒrgermeisterin; ein Seniorstadtrat der CSU. Wer war von den Vertretern der Baulöwen da, auf welche Hofmann in seiner Rede indirekt mit den Fingern zeigte? Der Hausarchitekt des großen Zeitungsverlags, dessen Inhaber im Immobilienmarkt krĂ€ftig mitmischen; die Ehefrau vom GeneralbevollmĂ€chtigten eines großen Baulöwen, die als angestellte Rechtsberaterin der Löwenbrauerei eine Doppelrolle spielte; der Vertreter eines großen ImmobilienbĂŒros, der zuletzt einen schillernden DĂŒsseldorfer Wohnungsinvestor betreute. Außerdem: der ehemalige Festspielintendant und eine KreisrĂ€tin der GrĂŒnen, stĂ€dtische Angestellte und BĂŒrger, die die aktuelle Entwicklung des Wohnungsmarktes offenbar satt haben.

Am Ende der PrĂ€sentation standen viele noch lange mit BierflĂ€schchen in der Hand in GrĂŒppchen zusammen und diskutierten. „Ja, es bewegt sich was“, sagten sie. Der Hofmann Till wurde mit Lob ĂŒberschĂŒttet und von alten Freunden umarmt. "Könnte nicht die Stadt Passau FlĂ€chen fĂŒr so ein Genossenschaftsmodell zusĂ€tzlich zur VerfĂŒgung stellen?", fragte jemand. "Das mĂŒsste doch auch einem SPD-OberbĂŒrgermeister gefallen", glaubte ein anderer.

 
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