Dienstag, 16. Oktober 2018
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So werden die Gelder der Fluthilfe verwendet: Ein weiterer umstrittener Neubau pflanzt sich vor die italienische Innfront der Altstadt. (Foto: Tobias Mayerhofer/ Bürgerblick)
Ăśberraschender Neubau

Klohäuschen sind im Passauer Rathaus Chefsache

Die Bürger haben in Passau nicht mitzureden, wo und wie öffentliche Klohäuschen in der schönen Dreiflüssestadt gebaut werden. Ist das Bedürfnis so dringend, dass keine Zeit bleibt, solch heikle Neubauten wenigstens einmal im Stadtrat zu diskutieren und dabei einen Blick in die Stadtbildsatzung zu werfen?

Ein neues Betonhäuschen an der italienischen Front der Dreiflüssestadt, unterm Erker eines ehemaligen Wasserschlosses und vor der ältesten erhaltenen Stadtmauer an der Ortsspitze, soll dazu geführt haben, dass der Vizebürgermeister und ein im Stadtrat sitzender Historiker empörte Ansagen und Zuschriften von Bürgern erhalten haben.

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Das 36 Kubikmeter große Beton-Klohäuschen schiebt sich vor das Ensemble "Ehemaliges Wasserschloss, mittelalterliche Stadtmauer". (Foto: Tobias Mayerhofer/ Bürgerblick)
Ja, es stimmt, der Beschluss ĂĽber diesen Neubau ging an den Stadträten, also  an der Ă–ffentlichkeit vorbei. Vertreter der Verwaltung und der OberbĂĽrgermeister bestätigen dies bei der letzten Stadtratssitzung vor Weihnachten. Sie begrĂĽnden es: Eine öffentliche Diskussion sei nicht notwendig gewesen, denn es handle sich um einen von der staatlichen Fluthilfe geförderten Ersatzbau fĂĽr das unansehnliche und mehrmals vom Hochwasser beschädigte Klohäuschen auf der Donauseite, in der Bräugasse. Der Vertreter der Landesdenkmalpflege sei zu möglichen Standorten an der Ortspitze befragt worden und habe diesen als den unauffälligsten gesehen.

Dort, wo früher an Seilen entlang dieser Altstadtmauer Kähne von der Donau zum Inn oder umgekehrt gezogen worden sind - die Befestigungsringe sind bis heute im Mauerwerk verankert - blockiert jetzt der Betonklotz diese geschichtliche Vorstellung. Der flutstabile Bau nimmt höflich, aber mit Schulterbreite wenig ehrfurchtsvoll von dem historischen Mauerwerk Abstand. Er beschädigt die Gesamtschau auf das frühere Wasserschloss, das heute ein Hotel beherbergt, und die mittelalterliche Mauer.

Wer anführen wollte, dass ein Postkartenmotiv verschwunden ist, wird vom Oberbürgermeister in der Sitzung belehrt, dass diese Stelle vorher auch nicht frei von Makel gewesen sei. „Dort ist immer etwas gestanden: ein grässlicher Grüngutcontainer“, erinnert das Stadtoberhaupt. Der Dienststellenleiter vom städtischen Bauamt springt ihm bei, dass ein Baucontainer eine Ansichtsfläche von knapp zwanzig Quadratmetern habe, dieses öffentliche WC jedoch nur eine von zwölf.

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Es nimmt gerade so viel Abstand vom historischen Mauerwerk, dass ein schmaler Zugang zur Rettungsstange bleibt. Links das grüne Klohäuschen der Klohäuschenbauer. (Foto: Tobias Mayerhofer/ Bürgerblick)
Das Klohäuschen ist angeblich viel kleiner geworden als geplant: vier Meter breit, drei Meter tief und bis zu drei Meter hoch.

Der Referatsleiter für Stadtentwicklung erklärt, dass die Stadträte nicht damit zu befassen gewesen seien, weil aus der Sicht seiner Behörde diese öffentliche WC-Anlage nicht „stadtbildprägend“ ist.

Das sei Ansichtssache, kontert der Vizebürgermeister - und ein Beleg dafür, dass die Stadtbildsatzung nicht ernst genommen wird. An den Oberbürgermeister gerichtet meint er ironisch, dass künftig wohl „Alarmstufe Rot“ gelte, wenn irgendwo im Stadtgebiet ein Container erblickt wird. Er sagt: „Man muss davon ausgehen: Hier könnte bald ein Klohäuschen stehen.“

Der Oberbürgermeister will das letzte Wort behalten und ermuntert feixend das Plenum: „Ich warte auf neue Anträge!“ Ein Zwischenrufer belustigt sich: „Machen wir doch einen Ortstermin!“

Das Ende der Debatte bestimmt schließlich die Wortmeldung des berühmtesten Passauer Stadtrats, des bayerischen CSU-Generalsekretärs. Er wittert, dass offensichtlich der Informationsfluss an der Rathausspitze, zwischen Oberbürgermeister und seinem Stellvertreter und offensichtlich auch zwischen jenem und den Vertretern der Verwaltung, gestört ist. Seine rhetorische Frage, ob bei diesem Neubau möglicherweise nicht alle vorgenannten Stellen eingebunden worden sind, übergeht der Oberbürgermeister. „Nächster Tagesordnungspunkt….“

hud

 
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