Montag, 18. Dezember 2017
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Kurz vor dem Urteil: Der Angeklagte Dominik R., zwischen seinen Verteidigern Holm Putzke (stehend) und Thomas Krimmel (verdeckt) streicht sich über des Stoppelhaar. (Foto: Tobias Köhler/ mediendenk)
Urteil im Mordprozess

Zwölf Jahre Gefängnis für Dominik R. (23)

Um 14 Uhr hat das Passauer Schwurgericht das Urteil im Mordprozess gegen den 23-jährigen Dominik R. gefällt: Zwölf Jahre Freiheitsstrafe wegen Totschlags. Die Mordanklage ist fallen gelassen worden.

Der 23-jährige Mann aus Freyung hatte im Beziehungskonflikt Lisa H., 20, die Mutter seines Sohnes, im Schlafzimmerbett erstochen. Sie waren getrennt, lebten aber in einer gemeinsamen Wohnung. Er schnürte die Leiche in einen Müllsack und flüchtete eine Woche später mit dem Baby nach Spanien. Dort wurde er im November letzten Jahres verhaftet, nachdem das Verbrechen aufgeflogen war.

„Nur Sie wissen, was gewesen ist. Aber es wird einen geben, der hat Anspruch auf die Wahrheit“, ermahnte der Vorsitzende Richter den Verurteilten zum Schluss. Er sprach auf dessen zweijährigen Sohn an, dem er die Mutter genommen hat. „Wenn er mit 18 danach fragt, was gewesen ist, dann erzählen sie ihm die Wahrheit und beschönigen Sie nichts!“

Die beiden Verteidiger, ein Landshuter Rechtsanwalt und ein Passauer Juraprofessor, hatten auf eine Freiheitsstrafe von zwölf Jahren wegen Totschlags plädiert. Der Staatsanwalt und die Nebenkläger, welche Mutter, Vater und Sohn der Getöteten vertreten, hatten lebenslänglich gefordert wegen Mordes oder, falls die Mordmerkmale nicht erfüllt sind, lebenslänglich wegen Totschlags in besonders schwerem Fall.

In der Tatnacht hätte die 20-jährige Lisa H. den Vater ihres Kindes in eine Zwickmühle gebracht, argumentierten die Verteidiger. Sie verabredete sich nach einem stundenlangen Chat auf ein Rendezvous mit ihrem neuen Freund, wollte aber Dominik R. nicht freigeben. Dieser hatte sich mit der Trennung abgefunden und geplant, zu einer Exfreundin, die er von sich schwanger wähnte, zurückkehren. Lisa H. aber drohte ihm: Wenn er mit dieser wieder zusammen käme, werde er sein Kind nicht mehr sehen.

Nach mindestens zwölf heftig geführten Messerstichen in Gesicht und Hals ist Lisa H. im Schlafzimmerbett verblutet. Der Täter, der angeblich eine 0,7 l Flasche Wodka intus hatte, fiel danach erschöpft in einen kurzen Schlaf und begann in den Morgenstunden die Flucht mit dem Kind vorzubereiten. Er meldete sich mit den Zugangsdaten der Getöteten am Rechner an, um ihre Konten zu plündern, Einkäufe zu tätigen. Etwa eine Woche lang verbrachte er mit dem Kind in der Wohnung, wo die verpackten Leiche in einer Kaminofennische versteckt war.

Mit Tätowierungen hat der Mordangeklagte für Aufsehen gesorgt: Das Todesdatum von Lisa H. und ein „Danke für alles!“ hatte er sich auf den linken Oberarm stechen lassen. An der rechten Wade verhöhnte er die Justiz: „Fick den Richter, nur Gott kann Dich richten!“ Letzteres entnahm er dem Liedtext eines Rappers.

Der Richter, der ihn heute verurteilte, hatte ihm im Sommer 2016, wenige Monate vor der Bluttat, in einem Berufungsverfahren die Freiheit geschenkt. Der Freyunger war angeklagt wegen einer Einbruchsserie und von einem Amtsrichter zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von zweieineinhalb Jahren verurteilt worden.

Dominik R., den Kopf gesenkt, bat während der einstündigen Urteilsbegründung seinen Verteidiger zur Rechten um ein Taschentuch. Während der zehn Prozesstage hatte der Kahlköpfige, der in Sportklamotten auftrat, sich meist kühl und überlegen gegeben. Jetzt brach die Fassade zusammen.

 „Wir haben nicht das Verhalten nach der Tat zu beurteilen, nur die Tat selbst“, erklärte der Richter das Urteil, das manchem Zuhörer vielleicht als zu milde erschien. Dominik R. ist nach Ansicht des Gerichts kein Mörder, sondern hat nach einem heftigen Streit die Mutter seines Kindes im Affekt erstochen. Sie soll ihn laut seinem Geständnis als Versager beschimpft, seine Mutter beleidigt und mit einem Messer bedroht haben. Es war das Ende einer so genannten On-Off-Beziehung, die von Streit und Eifersucht geprägt war, belastet durch die Spielsucht des Täters und die Drohung der Mutter, ihm das Kind zu entziehen.

„Er hing an seinen Sohn, diese Trennungen waren schmerzhaft für ihn“, sagte der Richter. „Kaltschnäuzig und irritierend“ sei das Verhalten nach der Bluttat gewesen: Leiche verpacken, Konten der Getöteten plündern, die Wohnung säubern und die Fahrt am Tattag mittags zum Recyclinghof; die Nachrichten und Bilder, welche er ins Netz schickte, um den Tod von Lisa H. zu verschleiern.

Durch die Auswertung von Handys und Computer konnte die Tatzeit eingegrenzt werden auf den 27. Oktober 2016 zwischen 0.17 Uhr und 3.42 Uhr früh. Bis 0.17 Uhr hatte Lisa H. einen stundenlangen Chat mit ihrem neuen Partner geführt, um 3.42 Uhr lockte sich der Täter mit ihren Zugangsdaten am Rechner ein, um zehn Gramm Gold zu bestellen.

„Schau mich an! Du traust dich nicht!“, rief dem Verurteilten ein junges blondes Mädchen zu, dass vor dem Gefängniswagen auf ihn gewartet hatte und in den Armen ihrer Freundin weinte. Es war offensichtlich eine gute Freundin der getöteten Lisa H..

hud

 
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