Dienstag, 23. Januar 2018
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Regionales >> Donnerstag, 04. Januar 18

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Zwei Zisternen im Wald, verschlossen mit schweren Stahldeckeln, markieren die Mineralwasserquelle am Dachsberg bei Hutthurm. (Foto: Tobias Köhler)
Vergiftete Natur

Bayerwald verliert seine einzige Mineralwasserquelle

Vom Ende der einzigen Mineralwasserquelle des Bayerischen Waldes.

"Dachsbergquelle, verschiedene Sorten, 0,7 Liter, 44 Cent.“ Mit diesem Werbeschild bietet ein Passauer GetrĂ€nkehĂ€ndler in einem Einkaufswagen vor der TĂŒr seinen Restbestand von 15 Flaschen an. Die Mineralwassermarke mit der großen Tradition, abgefĂŒllt von der bischöflichen Brauerei in Hacklberg, wird in KĂŒrze ganz aus dem Handel verschwunden sein. Seit dem Sommer wird sie nicht mehr abgefĂŒllt.

Besuch an der Quelle. Mitten im Wald des 530 Meter hohen Dachsbergs, der sich nördlich von Hutthurm zwischen dem Industriegebiet Kringell und dem Dörfchen Lenzingerberg erhebt, ragen zwei dunkelgrĂŒne Stahlpilze aus dem Boden. Von diesen etwa 80 Meter tiefen Brunnen floss ĂŒber ein Rohr das Mineralwasser in die Kringeller GetrĂ€nkeabfĂŒllung. Die Älteren erinnern sich an den ersten AbfĂŒller: „Binder ́s Limonaden“.

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Mit einer Warnung auf dem Netzportal des Bundesamts fĂŒr Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit ist Anfang Juli das Ende der Dachsbergquelle eingelĂ€utet worden: „Wegen möglicher Abweichung beim Chloratgehalt sollte natĂŒrliches Mineralwasser aus der Quelle bei Hutthurm nicht zur Zubereitung von SĂ€uglingsnahrung verwendet werden.“ Kurz darauf die Nachricht: Die Quelle werde wegen „QualitĂ€tsschwankungen“ nicht mehr genutzt.  „Schweren Herzens haben wir uns dazu entschieden“, sagt Brauereichef Stephan Marold in der PNP.

Was zur Chloratbelastung gefĂŒhrt hat, bleibt ungeklĂ€rt. Das giftige Salz könnte ĂŒber die bewirtschafteten FlĂ€chen eingebracht worden sein, wenn im Umfeld der Brunnen verbotene Pflanzenschutzmittel verwendet wurden. Chlorat entsteht auch bei der Trinkwasserreinigung, wenn das Desinfektionsmittel falsch oder zu lange gelagert wird. Letzteres war offenbar nicht der Fall: Der AbfĂŒller sei nicht fĂŒr den gestiegenen Chloratgehalt verantwortlich, haben unabhĂ€ngige Gutachter festgestellt.

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Über eine 600 Meter lange Rohrleitung lief das Mineralwasser vom Dachsberg in die Kringeller AbfĂŒllung der Hacklberger Brauerei. (Foto: Tobias Köhler)
In geringen Mengen ist Chlorat nicht lebensgefĂ€hrlich, kann beim Menschen aber die SchilddrĂŒse schĂ€digen. Die Werte der Dachsbergquelle befanden sich deutlich unterhalb der von der Weltgesundheitsorganisation vorgegebenen Richtlinien.

Schon lange ist die Dachsbergquelle nicht mehr von unberĂŒhrter Natur umgeben. Das sĂŒdlich gelegene Hutthurmer Gewerbegebiet ist bis an den Fuß des Dachsberges herangerĂŒckt.   

Beitrag erschien in  BĂŒrgerblick-Magazin Nr. 109/ Oktober.

 
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