Sonntag, 22. Oktober 2017
·
·

Bayern >> Montag, 09. Oktober 17

bild_klein_0000012608.jpg
Montag, 8 Uhr, Start für die "Orientierungswochen" der Erstsemester: Im Audimax hält die Fachschaft Jura ihre Infoveranstaltung für 635 neue Jurastudenten ab, hat "Ersti-Tüten" gefüllt mit Broschüren und Werbegeschenken ausgelegt. (Foto: Oliver/ BB)
Neue Rekordzahlen von der Uni

Die Zeichen stehen auf Notstand

Mit knapp 12.600 Studenten hat die UniversitĂ€t Passau, gegrĂŒndet 1978, die höchste Belegung ihrer Geschichte erreicht. Die EngpĂ€sse vom letzten Rekord im Wintersemester vor zwei Jahren wiederholen, ja verschĂ€rfen sich: zu wenig HörsĂ€le, zu wenig bezahlbarer Wohnraum, Warteschlangen in der Mensa und der Verwaltung.

UniprĂ€sidentin Carola Jungwirth war im FrĂŒhjahr 2016 mit dem Versprechen angetreten, den Massenbetrieb und die Raumnot zu beenden. In diesem Semester starten rund 4.000 Studentinnen und Studenten, das FĂŒnffache im Vergleich zum Sommersemester; im Vorjahressemester waren es 700 Erstsemester weniger.

Die ZustĂ€nde erinnern an das Rekordsemester 2015/2016, als erstmals die 12.000-Marke deutlich ĂŒberschritten worden war. Im Bevölkerungsanteil ausgedrĂŒckt: Ab heute ist jeder vierte Passauer Student, vor fĂŒnf Jahren galt noch "jeder fĂŒnfte".

Die Uni Passau hat zweifellos einen guten Ruf, aber vertuscht ihre SchwĂ€chen, wie die Analyse eines aktuellen weltweiten Uni-Rankings zeigt. In der Betreuungsquote, dem VerhĂ€ltnis von Professoren und promovierten Dozenten zu Studenten, belegt sie unter 1.102 UniversitĂ€ten beim weltweiten Ranking „THE“ den fĂŒnftletzten Platz. Mit Semesterbeginn rutscht sie weiter ab. Der ausfĂŒhrliche Beitrag „Uni-Ranking: vertuschte SchwĂ€chen“ mit weiteren Kriterien ist zu lesen in der aktuellen Printausgabe/ E-Paper.

bild_klein_0000012611.jpg
Die aktuelle Belegung (Quelle: Uni Passau)
Was die Bestrebungen der Uni-PrĂ€sidentin zunichtemachte: Die UniversitĂ€t Passau hat eine bis 2018 gĂŒltige Zielvereinbarung mit dem Freistaat zu erfĂŒllen, die eine Mindestaufnahme von Erstsemestern vorschreibt, um bestimmte Fördermittel zu erhalten. Wird die Quote ĂŒbererfĂŒllt, werden ZuschlĂ€ge in Aussicht gestellt.

Erstsemester bringen Geld
Die Tore wurden fĂŒr dieses Semester weit geöffnet: Nur 5 von 20 StudiengĂ€ngen waren zulassungsbeschrĂ€nkt. Zum Vergleich: Vor vier Jahren galten ZulassungsbeschrĂ€nkungen fĂŒr mehr als die HĂ€lfte der StudiengĂ€nge.

Die Freude ĂŒber den Passauer Studienplatz wĂ€hrt fĂŒr viele StudienanfĂ€nger nur kurz, denn umso mehr Erstsemester zugelassen werden, desto hĂ€rter wird in der Folge ausgesiebt. „Es ist eine Zumutung, was man den jungen Leuten hier antut“, sagt eine Passauer Juristin, die selbst Kinder an der Uni hat.

GĂŒnstiger Wohnraum vergriffen
"Wir haben in unserer Wohngemeinschaft ein Matratzenlager fĂŒr drei Auslandsstudenten eingerichtet, weil sie sonst auf der Straße sitzen wĂŒrden", berichtet Dominik, ein Student der Staatswissenschaften. AuslĂ€nder hĂ€tten nicht die finanzielle Möglichkeit, ĂŒbergangsweise auf Pensionen auszuweichen.

Der Anteil der auslĂ€ndischen Studenten hat sich bei gut zehn Prozent eingependelt. An der Spitze bei den NeuzugĂ€ngen Österreich (269), Indien (110) und China (78). Aus Syrien, dem Land der KriegsflĂŒchtlinge, kommen 32 Studenten, etwa so viele wie aus der Ukraine oderTschechien.

Im letzten Absatz der Pressemitteilung dringt nach dem Selbstlob, zu den "weltbesten" UniversitĂ€ten zu gehören, die hausgemachte Krise durch: Die Passauer BĂŒrger werden um Hilfe gebeten, Wohnraum abzubieten. Selbst ein Schlafplatz auf der Couch sei eine willkommene Option.

 
Bitte klicken Sie diese Förderer
und Freunde der freien Presse:

Hier Ihre Anzeige?
Kontaktieren Sie uns!

 

Unsere News und Bilder
finden Sie wieder:
 
Tageszeitung

 

Wochenzeitung

 

Illustrierte

 

TV & Radio
ARD
ZDF
Bayerisches Fernsehen
 
Agenturen

 

Ausland

 

Internet
Google
Yahoo
Passau Bilder