Sonntag, 22. Oktober 2017
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Bayern >> Montag, 18. September 17

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Merkel spricht, Scheuer und Kollegen lauschen. Den Wahlkampfauftritt der Kanzlerin hat die PNP auf Facebook übertragen: Es regnete mehr Wutmännchen als "Daumen hoch!". (Quelle: Facebook)
Merkel in Passau

Von Wuttiraden und Scheuerschmeicheleien

Man darf gespannt sein, welchen Satirehieb sich die ZDF-Heute-Show fĂŒr die Sendung am Freitag vor der Bundestagswahl einfallen lĂ€sst. Als Zaungast wurde beim Merkel-Auftritt in Passau eine junge freche Schnauze gesichtet: Komiker Fabian Köster, 22 Jahre alt. Er sah eine Merkel in FDP-gelber KostĂŒmjacke – eine Koalitionsansage?

Merkels Auftritt auf dem alten Dultplatz fand hinter Absperrgittern und gefĂŒhlt - "Sicherheit: StĂ€rke zeigen" - einem Spalier von 500 Polizisten statt. Jeder Zuschauer, der den mit BierbĂ€nken bestĂŒckten Innenbereich betreten wollte, musste sich namentlich registrieren lassen, den Personalausweis vorzeigen. Journalisten, die sich nicht bei der CSU-Landesleitung angemeldet hatten, wurden wie Fabian Köster zu ZaungĂ€sten.  

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Der 22-jĂ€hrige ZDF-Komiker Fabian Köster war mit seinem TV-Team fĂŒr die "Heute Show" angereist. (Quelle: ZDF)
Die Kanzlerin sorgte zu Beginn fĂŒr Heiterkeit. Als sie bei der BegrĂŒĂŸung an ihren letzten Passau-Besuch zur Hochwasserkatastrophe 2013 erinnerte, verwechselte sie die FlĂŒsse. Zur Wiedergutmachung sagte sie eine EselsbrĂŒcke auf: „Iller, Lech, Isar, Inn, fließen rechts zur Donau hin“.

Um 18.50 Uhr, als der Kanzlerin noch zehn Minuten Redezeit verblieben, waren erstmals Trillerpfeifen der AfD-AnhÀnger zu hören, die ihre 300 Meter entfernte Gegenkundgebung offenbar aufgelöst hatten.

Merkel schmeichelte CSU-Lokalmatador Andreas Scheuer, der mit anderen örtlichen CSU-Granden an einem BĂŒhnenstehtisch die Rede verfolgte: „FĂŒr den muss ich hier nicht werben, der ist hier verwurzelt, der ist hier bekannt. Wenn Passau in Not ist, dann weiß das ganz Berlin, weil er uns alles sagt.“

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Merkel winkt, Scheuer klatscht. Den Wahlkampfauftritt der Kanzlerin hat die PNP auf Facebook ĂŒbertragen: Es regnete mehr WutmĂ€nnchen als "Daumen hoch!". (Quelle: Facebook)
1.000 Zuschauer betrachteten den Merkelauftritt live auf Facebook. Die Kommentare, viele beleidigend und hassbetont, erweckten den Eindruck, als wĂ€ren mehr Merkel-Gegner als Merkel-AnhĂ€nger zugeschaltet. „Koana mogs angeblich, aber jeder schaut sichs a“, schrieb Zuschauerin Marion B. zutreffend.

Im Netz Spreu vom Weizen trennen

Die Beleidigungen und Hasstiraden im Netz beim Merkelauftritt zeugten vom Abschaum, der sich in den (as)sozialen Netzwerken (nicht Medien!) angesammelt hat. Es wĂ€re eine wirksame Abhilfe, eine wunderbare Vorstellung: Wenn sich die echten Journalisten geschlossen aus den privaten US-Netzwerken verabschiedeten, den Verlust an kostenloser Werbung fĂŒr ihre Produkte und - eine Frage der Zeit - verlorener Aufmerksamkeit verschmerzten, die Spreu vom Weizen wĂ€re getrennt.

Die Orientierung im Netz wĂ€re wieder hergestellt: hier die Medienportale mit ausgewiesenem Impressum, die sich an deutsches Recht, Gesetz und Pressekodex halten (mĂŒssen), denen notfalls mit Gegendarstellungen und Unterlassungsklagen beizukommen ist, dort das Sammelbecken der ErgĂŒsse von Hinz und Kunz, der Textsumpf in dem selbst Hasstiraden und sogenannte Fake-News versinken und keinen Schaden mehr anrichten. 

Schöne Idee, aber wohl leider zu spĂ€t fĂŒr die Umsetzung. Facebook ist auch fĂŒr BĂŒrgerblick zur Fessel geworden, ein willkommenes Instrument zur Verbreitungsvermehrung. Selbst mir fehlt der Mut, dieses dicke Seil im Netz zu kappen.

Hubert Jakob Denk

Videobeitrag Campus Radio/ Uni Medien

 
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