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Walter Landshuter, 71 (Foto: Wolfgang C. Bayer)
Scharfrichterhaus-GrĂŒnder

40 Jahre Liebe zum Protest

Walter Landshuter, 71, und Edgar Liegl, 78, feierten im kleinen Kreis. Das große GrĂŒndungsfest „40 Jahre Scharf­richterhaus“ fiel aus. Zum sogenannten Rubin-JubilĂ€um baten wir sie zu einem Interview. Die Zeiten haben sich geĂ€ndert, das Scharfrichterhaus hat in all den Jahren etwas von seinem bĂ€rbeißigen Charme verloren. Es gehört mittlerweile zum kulturellen Passauer Establish­ment. Im GesprĂ€ch mit den beiden GrĂŒndervĂ€tern erfuhr BĂŒrgerblick-Autor Wolfgang Bayer vom unbeugsamen Willen, welcher einst der NĂ€hrboden fĂŒr diese KleinkunstbĂŒhne war. Sie erzĂ€hlen ĂŒber Freuden und Leiden an Ihrem Lebenswerk.

Dieser Beitrag erschien in BĂŒrgerblick-Heft Nr. 107 im Juli 2017.

Das Scharfrichter ist von einem Hort der „Nestbeschmutzer“ zu einer der wichtigsten SĂ€ulen im kulturellen Leben der Stadt Passau geworden. HĂ€tten Sie sich das jemals ertrĂ€umen lassen?

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Edgar Liegl, 78 (Foto: Wolfgang C. Bayer)
Edgar Liegl: „Die „SĂŒddeutsche Zeitung“ hat mal geschrieben, wir seien in die deutsche Kabarettgeschichte eingegangen. Diesen Tagtraum, den Walter und ich damals hatten, dass der in ErfĂŒllung geht, konnten wir nicht voraussehen - und auch nicht die Schwierigkeiten, die finanziellen Probleme. Ich glaube, dass eine konkrete Utopie nur dann in ErfĂŒllung geht, wenn man nicht Ă€ngstlich an die Zukunft denkt. Wir waren geradezu davon besessen, die kulturellen und politischen VerhĂ€ltnisse in Passau zu verĂ€ndern. Wir haben damals nicht von ungefĂ€hr auch Ernst Blochs „Das Prinzip Hoffnung“ gelesen.“

Walter Landshuter: „Also ich habe mir nichts ertrĂ€umt. Das Einzige, was ich gehofft habe, dass wir nicht untergehen und ja: Speziell ich war da jahrelang wirklich davon bedroht. Ich habe einen Schuldenberg angehĂ€uft, von dem werde ich wohl einen Teil mit ins Grab nehmen mĂŒssen. Aber ich will nicht jammern, es war trotzdem ’ne tolle Zeit. Eine kĂ€mpferische Zeit, das fehlt mir einerseits jetzt; andererseits ist es so ein bisschen gemĂŒtlicher.“

War der massive Widerstand von Presse, Kirche und CSU am Ende nicht sogar ein Segen fĂŒr den Erfolg des Scharfrichterhauses?
Edgar Liegl: „Mit Sicherheit. Druck erzeugt Gegendruck, der Druck gegen uns war wohl einmalig. Wir hatten damals ohne Zweifel sowas wie Feindbilder.  Diesen Ausdruck gebraucht man heute nicht mehr gerne. Die Konfrontationsmöglichkeiten sind voll aufgegangen. Der damalige Chefredakteur der „Passauer Neue Presse“, Erwin Janik, hatte eine Zensur ĂŒber das Scharfrichterhaus verhĂ€ngt.

Die PNP hat das Haus wegen der gotteslÀsterlichen Auftritte von Kabarettisten wie Sigi Zimmerschied totgeschwiegen. Der Chefredakteur, der den Boykott verhÀngte, war Erwin Janik, sein Bruder war Chefredakteur beim Bistumsblatt.

Das muss man sich vorstellen im demokratischen Deutschland: ein Boykott, der fast fĂŒnf Jahre dauerte.  Das dĂŒrfte einmalig sein. Wir sind aufgestanden gegen diese, ich nenne es mal „Dreieinigkeit“, gegen diese geballte Macht – und das ist geglĂŒckt.“

Walter Landshuter: „Ich wĂŒrde „Erfolg“ in AnfĂŒhrungszeichen setzen. Wir sind ĂŒberregional bekannt geworden, in ganz Deutschland. Wenn man Bekanntheitsgrad als Erfolg sieht, dann kann man es so bezeichnen, aber das trifft fĂŒr mich nicht zu. FĂŒr manche bedeutet viel Geld Erfolg, doch in diesem Punkt sind wir völlig erfolglos, das ist dann hier eine Katastrophe. Ich nenne es Erfolg, dass es uns nach vierzig Jahren ĂŒberhaupt noch gibt, dass wir eine feste Institution sind, wo Kabarett, wenn es ambitioniert ist, unterhĂ€lt und aufklĂ€rt.“

Hat denn das Scharfrichterhaus in Ihren Augen irgendetwas bewirkt?

Edgar Liegl:
„Da muss man vorsichtig sein, weil Kunst und Kultur kein direkter Hebel zur VerĂ€nderung sind, sondern immer nur indirekt. Ich glaube, ĂŒber die emotional-intellektuelle Ebene haben wir etwas bewirkt, aber viel wichtiger war die Fernwirkung: In ganz Deutschland sind KleinkunstbĂŒhnen entstanden. Wir haben das „Scharfrichterbeil“, diesen Wettbewerb, ins Leben gerufen. Heute gibt es in Deutschland 60 Kabarettpreise.“

"Passau ist fĂŒr mich eine Pappkulisse fĂŒr ein ziemlich schlechtes B-Movie" Walter Landshuter, Gastronom

Walter Landshuter: „Bei aller Wirkung, heute haben wir das Problem, dass in der von Touristen gefluteten Altstadt das Scharfrichterhaus wie der Dom vorgefĂŒhrt wird. Ich stelle mir oft die Frage: Was ist noch echt an Passau, wer sind die Passauer? FĂŒr mich ist alles eine Pappkulisse fĂŒr ein ziemlich schlechtes B-Movie. Ich glaube, dass die meisten Leute auf den Kreuzfahrtschiffen gar nicht wissen, in welcher Stadt sie sind. Passau, Salzburg, es ist ja eh ́ wurscht, alles austauschbar. Da steht ein schöner Dom, drei FlĂŒsse fließen und innerhalb unserer Mauern hat’s ein paar aufmĂŒpfige Leute gegeben, das Ganze nennt man Kabarett. Es ist eine sehr fragwĂŒrdige Entwicklung. Die große UmwĂ€lzung, die wir in unserem Tatendrang vor vierzig Jahren beabsichtigt hatten, ist natĂŒrlich nicht eingetreten. Dies zu glauben, war vielleicht ein bisschen naiv. Aber alle haben ihren Spaß gehabt, auch ich."

Wer kam eigentlich damals auf die Idee mit dem Beil?

Walter Landshuter:
„Das war Edgar. Er hat in den ersten Jahren sehr viele Ideen entwickelt und umgesetzt.  Ich war meistens mit der physischen Arbeit beschĂ€ftigt: BierfĂ€sser hin und hertragen, mich mit Burschenschaftlern rumschlagen. Edgar hat sich da rausgehalten, aber dafĂŒr solche Zeichen gesetzt, die wichtig waren.“

Edgar Liegl: „Walter sagt immer: Das war Edgars Kind. Ich weiß noch genau den Tag, ich bin von MĂŒnchen runtergefahren, dachte, ein „Kabarettpreis“, das wĂ€r ́s. Der Walter war sofort angetan. Ohne ihn hĂ€tte ich meine Idee nie umsetzen können. Es ist unser „gemeinsames Beil“. Walter bemĂŒht sich all die Jahre darum, KĂŒnstler fĂŒrs Beil an Land zu ziehen. NatĂŒrlich dĂŒrfen die Mitarbeiter nicht vergessen werden. Matthias Ziegler, der immer nur als der tolle GeschĂ€ftsmann hingestellt wird, steht auch auf der Seite dieser Ideen.“
Ende der 1990er Jahre hatte Matthias Ziegler, Sohn eines GrĂŒnen-Stadtrats, mit Ende 30 das Scharfrichterhaus gekauft und Schulden abgelöst. Er hatte als SchĂŒler diese KleinkunstbĂŒhne kennen und lieben gelernt.

Wie zermĂŒrbend war es fĂŒr Sie, von heute auf morgen eine „Persona non grata“ in Passau zu sein?

Edgar Liegl:
„Ich fand das toll. Ich mein, das war gut so. Ich zitiere mal Dieter Hildebrand, der bei einem Auftritt im Passauer Redoutensaal zu uns gesagt hat:  Seid froh, dass ihr diesen Janik habt. Boykott und Zensur haben dem Ruf des Scharfrichterhauses gedient, ohne Zweifel. Auch der Widerstand von der Stadt und von anderen Seiten hatte seinen Wert.“
Walter Landshuter: „Persona non grata“ war ich nur fĂŒr bestimmte Leute. FĂŒr andere war ich der kleine Held. Sie fanden es sehr gut, dass ich es gewagt hatte, so aufmĂŒpfig zu sein, dass wir stellvertretend fĂŒr sie die Revolution herbeifĂŒhren und den Kopf hinhalten. Insofern konnte ich mit erhobenem Haupt durch die Stadt gehen.“

Das heißt: Es hat Sie auf persönlicher Ebene nicht tangiert?

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2012: Das Restaurant im Gewölbekeller mit langen Tafeln und WandgemÀl­den. Dieser Raum wurde nach der Flut 2013 umgebaut zum Theaterkeller.
Walter Landshuter: „Ganz im Gegenteil, das war mir ein VergnĂŒgen mich mit den Institutionen und Leuten auseinanderzusetzen. Ich und Edgar sind nach einem lĂ€ngeren GesprĂ€ch mit Chefredakteur Janik, der die Feindschaft angezettelt hatte, im hohen Bogen aus der PNP rausgeflogen. Ich bin selten so vergnĂŒgt aus einem Haus rausgeschmissen worden.“ (lacht) Edgar Liegl: „Wir fanden das toll. Tangiert hat es uns nur in finanzieller Hinsicht. Der Boykott hat natĂŒrlich den Walter als Gastronom besonders getroffen. Aber er war immer der Felsen vor Ort. Wir hatten damals noch Jazz im Programm, das war nicht billig. Aus finanzieller Sicht war es gut, dass spĂ€ter der Matthias Ziegler dazu gekommen ist.“

Wie haben Sie sich kennengelernt?

Edgar Liegl: „Vor meinem spĂ€ten Philosophie- und Politikstudium in MĂŒnchen habe ich in der Passauer Handelsschule Pindl, wo Walter zur Schule ging, ein pĂ€dagogisches Praktikum absolviert. Ich wurde zum Vertrauenslehrer gewĂ€hlt und wirkte an der SchĂŒlerzettung mit. Gemeinsam grĂŒndeten wir den Arbeitskreis „Junge Kunst“, trafen uns in CafĂ©s und diskutierten. Die Frankfurter Schule war damals enorm aktuell, es war die AtmosphĂ€re der spĂ€ten 68er-Bewegung, die uns faszinierte. Walter ging dann in die Lehre und zur Bundes - wehr. Man muss sich den Walter in Unteroffiziers - uniform vorstellen, herrlich! (lacht) Ich habe ihn öfters von der Kaserne in Kohlbruck abgeholt. Wir hatten ein Zimmer im Niederhaus gemietet und dort Literatur verschlungen. Ich will gar nicht erwĂ€hnen, was wir uns da alles reingezogen haben.“

Also haben Literatur, Intellekt und Idealismus zur Geburt des Scharfrichterhauses gefĂŒhrt?

Walter Landshuter:
„Naja, wie so hĂ€ufig eher sehr egoistische Absichten. Ich war bei der Hemdenfabrik „Eterna“ beschĂ€ftigt als Produktmanager und Verkaufsleiter, durchaus nicht ohne Erfolg. Aber ich konnte mir nicht vorstellen, mich das ganze Leben lang mit bunten Knöpfen und BrustaufnĂ€hern zu beschĂ€ftigen - so erotisch das auch gewesen sein mag (lacht). Ich wollte meinem Leben eine Wendung geben, mein Schicksal selbst in die Hand nehmen. Der Nebeneffekt sollte sein, diese so geschichtstrĂ€chtige Provinzstadt ein bisserl aufzumischen - und das ist uns wohl gelungen.“

Sie mussten dafĂŒr große finanzielle Einschnitte in Kauf nehmen, oder?

Walter Landshuter:
„Naja klar, wenn ich in meinem Job geblieben wĂ€re, hĂ€tte ich jetzt irgendwo ein HĂ€uschen mit Swimmingpool und einen BMW in der Garage. Muss ich drauf verzichten. (lacht)

"Ich will gar nicht erwÀhnen, was wir uns da alles reingezogen haben" Edgar Liegl, Diplom-Politologe

Edgar Liegl: „Bei mir ging es ĂŒber Bankdarlehen. Als EigentĂŒmer des Scharfrichterhauses erhielt ich ein Auf baudarlehen zu einem gĂŒnstigen Zinssatz. Walter hat sich mit seinem Darlehen hochverschuldet. Ich hatte das Haus als Sicherheit.

Der eine studiert in MĂŒnchen und akquiriert die KĂŒnstler, der andere schuftet im Keller in der Provinz – fĂŒhrte das nicht zu Spannungen?

Edgar Liegl:
„Es stimmt schon, der Walter wurde oft allein gelassen. Aber wir haben uns immer abgestimmt.  Es war eigentlich fast wie eine Liebe zwischen zwei MĂ€nnern, die nicht homosexuell war. Ich weiß nicht, wer einmal gesagt hat: Zwei völlig verschiedene Typen hĂ€tten sich getroffen und ergĂ€nzt. Der eine voll von bodenstĂ€ndiger Kraft, der Walter; ich mehr der unruhige Geist zwischen Provinz und Großstadt.“

Walter Landshuter: „Naja, Liebe wĂŒrde ich nicht sagen. Es ist schon eher eine tiefe Freundschaft, die auf großem gegenseitigem Vertrauen aufbaut, die aber in 40 Jahren schwersten PrĂŒfungen unterzogen worden ist.  Schrammen blieben nicht aus. Letztlich ist uns beiden das wichtig, was ĂŒbriggeblieben ist: Das Scharfrichterhaus, wie es jetzt dasteht. Wir hĂ€tten uns unsere Nachfolge vielleicht etwas anders vorgestellt, aber es gab nicht viele Möglichkeiten, die Leute auszuwĂ€hlen. Im Grunde genommen sind wir froh, dass Matthias Ziegler es jetzt so weiterfĂŒhrt, wie er es macht.“

Gibt es irgendetwas, was sie damals im Scharfrichterhause nicht akzeptiert hĂ€tten, auch heute nicht tun wĂŒrden?

Walter Landshuter:
„Als 1978 die Uni gegrĂŒndet wurde, glaubten Burschenschaftler, das könnte ihr Lokal werden. Ich hatte alle HĂ€nde voll zu tun, denen plausibel zu machen, dass dies der falsche Ort fĂŒr sie sei. Das hat zu Handgreiflichkeiten gefĂŒhrt. Ich hatte Spaß daran. Meine Einstellung zu Burschenschaften hat sich bis heute nicht geĂ€ndert, weil sie fĂŒr mich der geistige Humus sind, auf dem NPD und die ganzen rechtslastigen Parteien gedeihen.“ Edgar Liegl: „Ich wĂŒrde sagen: Die Gesellschaft hat sich verĂ€ndert, das Publikum hat sich verĂ€ndert, Passau hat sich verĂ€ndert und auch die Struktur des Kabaretts. Es geht hin zu Comedy und Performance. Ich denke, gerade wir Alten sollten nicht Bremser sein, aber wir sollten mit der Entwicklung des politischen Kabaretts eindeutig kritisch umgehen.“

Es war eigentlich fast wie eine Liebe zwischen zwei MĂ€nnern, die nicht homosexuell war. Edgar Liegl, Ex-Kulturmanager

Wie weit darf Satire gehen?

Edgar Liegl: „Gutes Beispiel ist Jan Böhmermann.  Ich habe mich aufgeregt ĂŒber den schlechten Text, den er zu Erdogan ablieferte. Aber ich behaupte trotzdem, der deutschen Satire konnte nichts Besseres passieren.  Viele werden mit mir die Meinung teilen, dass Kabarett und Kunst Grenzen ĂŒberschreiten und Tabus brechen mĂŒssen, sonst taugen sie nichts.“

Einer, der etwas taugt, wurde offenbar in Passau vergrault. Was ist mit dem österreichischen Kabarettisten und Filmemacher Josef Hader?

Edgar Liegl:
„Hader? (lacht). Als wir ihn in den 1980er Jahren holten, war er noch völlig unbekannt. Es ergab sich eine problematische Situation, weil sich an diesem Tag zwei Veranstaltungen ĂŒberschnitten hatten. Walter bat ihn im Nebenraum aufzutreten, dem heutigen Kino. Dies hat Hader offenbar als KrĂ€nkung empfunden und bis heute nicht verwunden. Er kommt zu uns nicht mehr.“

Walter Landshuter: „Mich schmerzt das etwas, weil ich den Hader sehr schĂ€tze. Nicht nur als Kabarettisten, auch als Schauspieler. Es gibt selten KĂŒnstler, die so allroundfĂ€hig sind. Sein Werk „Indien“ habe ich auf der BĂŒhne und im Kino gesehen, auch als Buch gelesen. Hader funktioniert ĂŒberall. Nur bei uns will er nicht mehr spielen.“
Edgar Liegl: „...aber vielleicht kommt er doch irgendwann wieder.“ (lacht)

40 Jahre Scharfrichter - ein JubilĂ€um, das eine grĂ¶ĂŸere Feier verdient hĂ€tte?
Walter Landshuter:
„Man sollte alle Gelegenheiten nutzen, um zu feiern. Wir haben es in kleinerem Rahmen getan. Unser Geburtstag war der Eröffnungstag am 11.  MĂ€rz 1977. Man hĂ€tte es grĂ¶ĂŸer aufziehen können, aber es hat unseren Matthias Ziegler nicht bewegt, weil er nicht von Anfang an dabei war. Vielleicht holen wir es zum FĂŒnfzigsten nach. Da bin ich dann ja erst 80. (lacht)

Edgar Liegl: „Ich finde es schade, aber ich respektiere die Entscheidung von Matthias Ziegler. Der geht natĂŒrlich mit Recht davon aus: Das war eure Welt, ich habe eine andere Vorstellung. Es wird darauf verwiesen, man könne das FĂŒnfzigjĂ€hrige entsprechend feiern. Ob der Edgar Liegl dann noch dabei ist, dass muss man immer dahingestellt lassen.“

***

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August 2002: SandsĂ€cke stapeln sich vor den TĂŒren. Ein Fluthelfer spritzt nach dem Hochwasser den Schlamm vom Vorplatz des Scharfrichterhauses.
JubilÀum in "Rechter Burg"

2002, zum 25-jĂ€hrigen JubilĂ€um, hatten die Scharfrichterleute ein großes Programm aufgezogen, das bereits im Vorfeld wegen des Veranstaltungsortes fĂŒr Diskussionsstoff sorgte: Sie mieteten sich am 9.  MĂ€rz in die Nibelungenhalle, in die „Burg der Rechten“ ein. Kabarettisten hatten bis dahin diese Halle wie der Teufel das Weihwasser gescheut. Die einen sahen in dem Vorhaben eine gelungene Provokation, die andere befĂŒrchteten eine unpassende Verneigung vor einem Unort der Passauer Geschichte. Der Abriss der Halle sollte zwei Jahre spĂ€ter erfolgen.
Die Skeptiker behielten nicht Recht. Der Abend wurde, aus heutigem Blickwinkel, zum spannend-fröhlichen Fest der Satire, angefĂŒhrt vom ursprĂŒnglichen Passauer Kabarettistentrio Sigi Zimmerschied, Bruno Jonas und Rudolf Klaffenböck. Letzterer meisterte auf der BĂŒhne die Gradwanderung zwischen Komik und Entsetzen, als er einen beeindruckenden Auftritt als Hitler ablegte (siehe Seite 8). Zu den Mitwirkenden gehörte auch der MĂŒnchner OberbĂŒrgermeister Christian Ude.

Ude schrieb damals: „Die Nibelungenhalle ist mir bisher nur als Ort populistischer Spektakel oder gar rechtsextremer AufzĂŒge bekannt - da ist es doch höchste Eisenbahn, endlich einen Ort gewitzter AufklĂ€rung daraus zu machen.  Das Scharfrichterhaus imponiert mir seit jeher: So viel widerspenstiger Witz, aufsĂ€ssiger Geist, kreative Kleinkunst in konservativem Umfeld; da sage ich nur Respekt!“

Klaffenböck, der sich der satirischen Fotokunst widmet, hat den Niedergang der Nibelungenhalle dokumentiert und Inventar erworben.  Seine Ausstellung „Nibelungenhalle – RĂ€ume der Erinnerung“ sorgte Ende 2005 fĂŒr bundesweites Medienecho.

Passauer Passion

Zum JubilĂ€um 2002 schrieb „Der Spiegel“ ĂŒber Passau und sein Scharfrichterhaus: „Am Anfang war es so, wie es in der Bibel steht, finster, schwarz, katholisch: Eine heilige Dreifaltigkeit von Kirche, CSU und „Passauer Neue Presse“ hielt die Bayern-Schönheit Passau im Griff und boykottierte ein unkeusches Haus im Schatten des Doms.  Es hieß „Scharfrichterhaus“, in grauer Vorzeit war es GefĂ€ngnis und Hort des „Endrichters“, und nun traten da plötzlich Leute auf, die sich Kabarettisten nannten und ĂŒber Gott und die Welt lĂ€sterten... eine Kulturrevolution hob an; heute ist das Liegl-Landshuter-Unternehmen eine KultstĂ€tte, eine Passauer Passion.“  

 
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