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Unter 77 Bewerber hat der Stadtwerke-Aufsichtsrat sich für ihn entschieden: Uwe Horn, 52. Er unterschrieb den Geschäftsführervertrag, löst Gottfried Weindler ab. (Foto: Mediendenk)
Ein hemdsärmeliger Typ

Herr Horn, der Neue

Als die Reporterin im niedersächsischen Holzminden ihn fragte, warum er seinen Job bei den Stadtwerken nach so kurzer Zeit wieder aufgeben wird, hielt er sich bedeckt.  â€žEs sind sehr persönliche GrĂĽnde, denn so etwas macht man ja nicht jeden Tag“, sagte Uwe Horn. Wohin es geht, wollte er auch nicht sagen. Das wurde tags darauf von einem Rathaus 600 Kilometer weiter sĂĽdöstlich herausposaunt: Horn wird der neue Stadtwerkechef von Passau.

Horn ist der Wunschkandidat unter 77 Bewerbern. Der bisherige Stadtwerke-GeschäftsfĂĽhrer Gottfried Weindler, der ursprĂĽnglich nach einer dreimonatigen Einarbeitungszeit seines Nachfolgers am 1. November in Ruhestand gehen wollte, wird ein paar Wochen anhängen mĂĽssen. Wegen KĂĽndigungsfristen kann Horn erst am 21.  August seinen Dienst antreten. Wenn er betont, dass der Wechsel eine „sehr persönliche Entscheidung“ ist, dann seien da einfach mehrere Punkte zusammengekommen. Dass er wieder zurĂĽck in Bayern ist, sei nur einer dieser ausschlaggebenden Punkte. Horn stammt aus Oberbayern.

Sein erster Eindruck von Passau?
„Als ich vor Kurzem die Hochwassermarken am Rathaus gesehen habe, ist mir schon anders geworden.“ Er würde eine Wohnung im zweiten Stock bevorzugen. Sie sind eine vierköpfige Familie. Seine 13 Jahre alten Zwillinge, ein Bub und ein Mädchen, werden nach zwei Jahren Niedersachsen wieder nach Bayern in die Schule wechseln.

Bei den Stadtwerken Holzminden ist Horn noch sehr eingespannt. „Ich hoffe, dass vor dem Umzug Zeit für bisschen Urlaub bleibt.“ Hobbys kann er nicht aufzählen, denn „mein Job füllt mich aus“. „Spazieren gehen, vielleicht mal laufen, damit der Kopf frei wird“, sagt er.

Uwe Horn begann seine berufliche Lauf bahn als Kfz-Mechaniker. Sein Studium schloss er als Diplom-Wirtschaftsingenieur und Ingenieur für Versorgungstechnik ab. Er war von 2000 bis 2008 in bei den Stadtwerken München und danach als Vorstand der Gemeindewerke Peißenberg tätig. Vor zwei Jahren unterschrieb er seinen Geschäftsführervertrag in Holzminden.

Das Erlebnisbad kennt er schon
Passau kenne er schon ein bisschen, weil in der Nähe Verwandte wohnen, erzählt er. Als er Vorstand in Oberbayern war, gab es bereits Kontakte mit dem Passauer Stadtwerke-Chef Weindler. Er erinnert sich, dass er 2010 auf dessen Einladung das Passauer Erlebnisbad besucht hat.

Die Kollegen der Stadtwerke Holzminden, wo gut 100 Mitarbeiter beschäftigt sind, beschreiben Horn als „hemdsärmeligen Typ“, sympathisch und nahbar. Der Wechsel von Holzminden nach Passau bedeutet für ihn 350 Mitarbeiter mehr. In Passau sind die Stadtwerke breit aufgestellt: Vom Strom bis zum Stadtbus, von der Fernwärme bis zum Glasfasernetz, vom Erlebnisbad bis zum Kreuzfahrthafen. „Mir ist der kommunale Einfluss wichtig“, sagt Horn. In Passau sei dieser durch die Stadträte, die den Aufsichtsrat stellen, gegeben. Die Hafensparte nennt er etwas Besonderes, „so wie Landshut den Flugplatz oder Garmisch die Bergbahnen hat.“

„Etwas bewegen, nicht nur reden“
„Es stimmt, ich setze gerne etwas um“, sagt Horn. Sein Motto sei „etwas bewegen, nicht nur reden.“ Die Situation der kommunalen Energieversorger sei nicht einfacher geworden. Der Gesetzgeber habe es so gewollt, dass sich Stadtwerke mit ihren Produkten einem harten Wettbewerb stellen müssen, vor allem beim Strom. Der Verwaltungsaufwand führe zu Mehrausgaben.

Wie steht er zur Elektromobilität?
„Abwarten, bis die Technik ausgereift ist, die Entwicklung aufmerksam beobachten und früh entscheiden“, beschreibt er seine persönliche Einstellung. Dass in Passau gerade Elektrobusse getestet werden, habe er in den Medien gelesen.

Horn selbst fährt einen Diesel der Euro-Norm 6. „Als Ingenieur weiß ich, ganz unabhängig von der Stickoxidproblematik, dass der Diesel thermodynamisch vorne liegt und sparsam ist“.

Thema Ă–kostrom?
„GrĂĽner Strom“ sei „sehr wichtig“, aber nicht immer wirtschaftlich sinnvoll, meint er. Kunden sollte im Portfolio eine Auswahl angeboten werden. 

Wie gehts dem Konzern?
Der neue Stadtwerke-Chef Uwe Horn wird einem gesunden Konzern voranstehen. Die Zahlen sind noch nicht veröffentlicht, aber für 2016 erwartet sein Vorgänger Weindler für den Stadtwerke Gesamtkonzern einen sechsstelligen Gewinn. 2015 lagen die Verluste bei 500.00 Euro, im Jahr davor noch bei über 2 Millionen Euro. Zuschussbetriebe sind der öffentliche Nahverkehr (3,2 Millionen Euro) und das Erlebnisbad (2,9 Millionen).
 

Gewinne

  • wirft die Telepark-Tochter mit ihren 3.000 Glasfasernetzkunden ab, der Kundenstamm wächst jährlich um 500.
  • Verlässliche Einnahmequellen sind die AnlegegebĂĽhren fĂĽr Kreuzfahrtschiffe, Tickets und Dauervermietungen der Parkhäuser;
  • das Kerngeschäft, der Verkauf von Strom und Gas
  • das Wasserkraftwerk Hals.

Die Stadtwerke in Zahlen (2015): 13.500 Häuser sind ans Stromnetz angeschlossen, 40.000 Stromzähler  werden abgerechnet; Leitungen von 1.200 Kilometern misst das Stromnetz; seit 1981 ist Passau ans Erdgasnetz angeschlossen, das Leitungsnetz misst  400 Kilometer; vier Blockheizkraftwerke versorgen 130 HausanschlĂĽsse mit Fernwärme; 8 Millionen Fahrgäste steigen in die Stadtbusse; in vier Parkhäusern werden 1.400 Parkplätze verwaltet; 300.000 Besuche zählt das Hallenbad und 120.000 das Freibad.

Beitrag erschien in der Zeitschrift BĂĽrgerblick im Heft Nr. 107/ Juli/ August 2017.

 
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