Dienstag, 22. August 2017
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Meinung >> Sonntag, 21. Mai 17

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PR-Foto von "Circus Krone", der Ende Juni in Passau gastiert: Dompteur Martin Lacey jun. mit dem weißen Löwen Baluga.
Zirkusdebatte

Von der Freiheit der Kreatur

Im Radio läuft eine Reportage über die Zwangsruhiggestellten und Eingesperrten. Mit der Vereinsamung stelle sich Unruhe ein, da könnten Psychopharmaka eine Wohltat sein, erklärt eine Ärztin. Es geht um die abgeschobenen Alten in unseren Altenheimen. Eine Peta, die sich für die Abgeschobenen einsetzt, gibt es nicht. Worüber sollten wir uns aufregen, womöglich gar über uns selbst, über unser „System“?

Es gibt wichtigere Themen. In der Lokalzeitung wird eines breitgetreten und am Montag beschäftigt es den Stadtrat: Zwangsdressierte und Eingesperrte der anderen Art: Zirkustiere. Der Mensch hat sie der freien Wildbahn entnommen und in die Manege gesetzt, damit sie sich für ihn zum Affen machen. Schwieriges Thema. Die Berufsfreiheit der Dompteure und die Existenz von beispielsweise „Circus Krone“ steht gegen die Freiheit der Kreatur.

Manege frei fĂĽr Wildtiere?
18 europäische Länder wie Belgien, Österreich, die Niederlande und Griechenland haben bereits den Wildtierzirkus verboten. Rund 70 deutsche Städte lassen bestimmte Tierarten in der Manege auf ihren kommunalen Flächen nicht mehr zu. Berlin blockiert ein generelles Verbot. Es scheitert im Bundestag an der CSU/CDU. Es bleibt den Kommunen überlassen, wie sie die Zirkusleute behandeln. Als schärfste Maßnahme können sie ein Gastspielverbot auf öffentlichen Grundstücken aussprechen. Darüber wird es am Montag in Passau gehen. Die Zirkusbetreiber müssten klagen oder auf Privatgelände ausweichen.

Zweifellos haben auch Dompteure und Zirkustierpfleger ein Herz für Tiere, genauso wie Altenpfleger eines für altersschwache Menschen. Es geht um die Lebensumstände, die zum Tier- und Menschenleid führen: hier die Käfiggehaltenen, dort die Pflegebatteriegebundenen. Die Lobby, die für die Vierbeiner kämpft, ist gefühlt lauter. Manchmal habe ich den Eindruck, dass Tierliebe davon ablenken soll, dass wir die Menschenliebe verloren haben. Dies gilt nicht nur beim kritischen Blick auf unsere Altenheime. Im Mittelmeer ertrinken Tausende Artgenossen. Wieder keine Peta weit und breit, die sich für Menschen auf der Flucht einsetzt, zumindest keine, die laut genug wäre.

Kein "vegetarischer Zirkus"

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PR-Foto von "Circus Krone", der Ende Juni in Passau gastiert: Elefantenparade.
„Circus Krone“ wird seine Tiernummern nicht aus dem Programm nehmen. „Wir hatten 2015 über 1,5 Millionen Zuschauer. Unsere Besucher wollen das“, wird Krone-Sprecherin Dr. Susanne Matzenau von der Münchner Bildzeitung zitiert. Ein Zirkus ohne Tiere sei wie ein "Mensch ohne Seele", ein „vegetarischer Zirkus.“ Krone gastiert im 111. Jahr seines Bestehens vom 21. bis 27. Juni auf dem kommunalen Messegelände Passau. Ein Verbot würde in der Dreiflüssestadt frühestens 2018, wenn bestehende Verträge mit Zirkusunternehmen nicht mehr betroffen sind, wirksam werden.

Nachtrag: Mit einem offenen Brief hat sich jetzt auch das Aktionsbündnis „Tiere gehören zum Cirkus“ an das Rathaus gewandt. Mit Aussagen von Zoologen, Verhaltensforschern und Amtstierärzten wird belegt, dass es Zirkustieren bei vorbildlicher Haltung genauso gut gehe wie Zootieren. Messungen der Stresshormone im Speichel hätten ergeben, dass selbst der Transport die Tiere nicht stresst; sie seien von klein auf daran gewöhnt. „Ein Elefant steigt so selbstverständlich in seinen Transportwagen wie ein Hund in das Auto seines Herrchens“, heißt es. Die Vorwürfe der Tierrechtsorganisationen werden als „haltlos“ bezeichnet.

"Eines Tages bin ich ins Heim gekommen und meine Mutter hatte total blutige Lippen. Dann hat sich herausgestellt, dass sie den Mund an dem Tag nicht aufgemacht hat. Also haben sie versucht, ihr den Löffel reinzuwürgen", erzählt eine Angehörige im Radiobeitrag "Wie Menschen in Heimen ihrer Freiheit beraubt werden". Ich werde den Eindruck nicht los, dass Zirkusleute derzeit mit ihren Tieren unter strengerer Aufsicht stehen als Altenheimleute mit den ihnen Anvertrauten.

hud

 
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