Donnerstag, 25. Mai 2017
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Lokalnachrichten >> Montag, 08. Mai 17

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Michael Cramer, gefragter Verkehrsexperte der Grünen im Europaparlament, ist heute zu Gast bei einer Passauer Bürgerkonferenz. (PR-Foto: Cramer)
Verkehrskonferenz der Bürgerinitiativen

Vorbild München: Oben Flanieren, unten fließt der Verkehr

Passau - Feinstaub, Lärm, Abgase. Die Dreiflüssestadt dient als Drehscheibe für den Durchgangsverkehr. Sie ist vom Verkehr belastet wie sonst nur große Metropolen. Drei Flüsse, Brücken als Nadelöhr und kein Umgehungsring - gibt es eine Lösung? Heute Abend haben sich Vertreter von vier Bürgerinitiativen ausgetauscht und mit Verkehrsexperten Michael Cramer vom EU-Parlament diskutiert. 

Boris Burkert, Stadtrat der Grünen und Gründer des Passauers "Car-Sharings", hat die Veranstaltung initiiert. Als Gast holt er den Europaparlamentarier Michael Cramer, der für die Grünen im Verkehrsausschuss sitzt. Cramer gehört dem Europaparlament seit 2004 an. Die Politik stürze sich gerne mit viel Geld auf Großprojekte statt kleinere Maßnahmen zu finanzieren, die seiner Meinung nach oft sinnvoller und effektiver sind. Er hält es mit der These, dass neue Straßen nur noch mehr Verkehr anziehen, setzt auf Konzepte, die das Auto generell zurückdrängen; egal ob sprit- oder batteriebetrieben.

Was Lösungen für Passau anbelangt, wurden allerdings vorrangig Großprojekte diskutiert und vorgestellt: Tunnellösungen. Als Vorbild wurden Beispiele aus München beschrieben. Es sind Milliardenprojekte, die von Bürgern gefordert und umgesetzt worden sind. Diese Großprojekte waren im Rathaus anfangs skeptisch gesehen worden, sie haben sich im Nachhinein als gut und richtig herausgestellt: Oben flanieren die Bürger in neu gewonnenen Parkanlagen und unten fließt der Verkehr.

Folgende Initiativen waren unter anderem vertreten:

Die Angerer“: Hier haben sich eine Reihe von Hausbesitzern und Bewohnern des Stadtteils „Am Anger“ zusammengeschlossen, deren Zugang zur Donau beim Aufbruch ins Autozeitalter durch eine vierspurige Stadtautobahn verbaut worden ist. Sie dient als Hauptverkehrsachse. Diese einzuhausen oder mit einem Tunnel durch den Georgsberg neu zu legen wurde spätestens seit der Flut 2013 diskutiert - und wieder verworfen. Die Vertreter stellten ihr neues Zukunftsprojekt "Stadt-Tunnel" vor, das den Autoverkehr entlang dem Donau- und Ilzufer unter die Erde bringt. Zwischen dem westlichen Ende von Hacklberg und dem östlichen Ende der Ilzstadt könnte eine von Lärm, Feinstaub und Blech befreiter neuer Stadtteil entstehen. Er wäre in der Fläche so groß wie das Dreiflusseck von der Ortsspitze bis zum Römerplatz, schilderte ein Vertreter der Ilzstadt. Der Anger würde als verkehrsbefreite Uferterrasse alle Vorzüge vereinen: Er ist von der Sonne verwöhnt wie die Innpromenade und bietet einen grandiosen Panoramablick auf die Altstadt ähnlich wie das Innstadtufer.

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Nadelöhr Innstadt: Gelenkbusse, Schwerlastverkehr, Österreichpendler - alle zwängen sich durch.
Initiative Lebenswerte Innstadt“: Der einzige Stadtteil jenseits des Inns muss mit dem Durchgangsverkehr ins benachbarte Österreich, ins untere Donautal und zu einer jenseits der Grenze erbauten günstigen Tankstelle leben. Bürger, die sich dafür einsetzen, den Schwerlastverkehr auszusperren und „Tempo-30“ auszuweiten oder nach einer zusätzlichen Brücke weiter flussabwärts rufen, sind hier vertreten. Auch hier gab es Ideen, wie der Verkehr unter die Erde gebracht werden könnte. Die Tunnelpläne sind "eingeschlafen". Man wünsche den Angerern mehr Glück, sagte ein Vertreter resigniert. 

Ilzstadt-Initiative“: Der Stadtteil im Mündungsbereich der Ilz muss den gesamten Pendelverkehr in den Bayerischen Wald schlucken. Die Hauptverkehrsstraße nennt sich "Freyunger Straße". Der Stadtteil gilt als "tot", weil der Verkehr die Infrastruktur erstickt hat. Wenn der Stadttunnel vom Anger sich unter dem Niederhaus flussabwärts ein Stück fortsetzt bis zum Ortsende der Ilzstadt, zudem ein weiterer Abzweig durch den Georgsberg hinüber führt zur B12, wäre dies für den Stadtteil der große Befreiungsschlag. Schöne Zukunftsmusik.

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Ein Elektrobus könnte die Altstadt vom belastenden Dieselbus befreien.
Die Initiative "Altstadleben", in welcher Boris Burkert selbst mitwirkt, war nicht vertreten. Sie kümmert sich um die lebenswerte Altstadt. Sie hat beispielsweise den Wochenmarkt zurück auf den Domplatz geholt. Die Einheimischen und Touristen sind dabei, das Pflaster als Fußgängerzone zurückzuerobern. Für Autos ist auf Tempo 20 beschränkt. Die Altstadt autofrei oder wenigstens aussschließlich für Anlieger offen zu halten, wäre das Fernziel. Zu den störenden Lärmquellen und Luftverpestern gehört die städtische Citybuslinie, die von alten Dieselbussen im Halbstundentakt bedient wird.

Zum Thema Verkehrslärm: Ein Vorstoß der Grünen, für Passau einen Aktionsplan für Lärmschutz zu erstellen, ist vorerst gescheitert. Die Verwaltung des Rathauses sieht sich nicht in der Lage, belastbares Zahlenmaterial zu liefern. Die letzten Verkehrszählungen rühren laut Anfrage dieses Magazins von 2010. Grünen-Stadtrat Karl Synek hatte den Antrag eingebracht.

 
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