Mittwoch, 26. Juli 2017
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Bayern >> Freitag, 30. Juni 17

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Erdogans Größenwahn zeigt sich auch in seinen Werbeplakaten fürs „Ja“ zum Referendum, hier am Taksim-Platz (Foto: Tobias Köhler)
Reporter in der TĂŒrkei

"Wir schieben alle Paranoia"

Maximilian Popp und Raphael Geiger, zwei Journalisten mit Passauer Wurzeln, arbeiten beide als Korrespondenten in der TĂŒrkei. BĂŒrgerblick-Reporter besuchten sie in Istanbul, wollten wissen, wie es ihnen unter Erdogan ergeht. Sie konnten nicht ahnen, dass sie in die turbulenten Tage der niederlĂ€ndisch-tĂŒrkischen Konflikte geraten wĂŒrden. Die Proteste, so warnte das AuswĂ€rtige Amt, könnten sich auch gegen Deutsche richten.

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Firat, Ömer und Emreizzet im Ausgehviertel Beyoglu, drei von 3.000 Polizisten, die seit den TerroranschlĂ€gen in Istanbul patrouillieren. (Foto: Tobias Köhler)
Veronika hat beschlossen, den Ärger dieses Tages hinunterzuspĂŒlen und bestellt bei dem   schnauzbĂ€rtigen Kellner ein   zweites Efes-Bier. „Hier hat sich   schon AtatĂŒrk seine Leberzirrhose geholt“, sagt sie lachend   und lĂ€sst ihren Blick hinauf zur Decke schweifen, zu   den Rundbögen und Fenstern in dem drei Stockwerke   hohen Raum mit der noch höheren Glaskuppel. Sie   mag diese BierschĂ€nke am Eingang der alten Istanbuler   Blumenpassage an der „Istiklal Caddesi“, ĂŒbersetzt „Straße der UnabhĂ€ngigkeit“; die alten MĂ€nner, hier   jeden Tag unter den Jugendstillampen sitzen. Ein Heizstrahler wĂ€rmt die kalte Luft, die durch das hohe Portal   hereinströmt. Es riecht nach gegrilltem Fleisch, Tabak-  rauch und Anisschnaps.   

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Zwei Reporter mit Passauer Wurzeln berichten in schwierigen Zeiten aus Istanbul: Maxi Popp (l.) fĂŒr den Spiegel und Rafael Geiger fĂŒr den Stern. (Foto: Tobias Köhler)
Vor einer halben Stunde hat die 43-jĂ€hrige Journalist   nach einem ereignisreichen Tag ihr kirschrotes Laptop   zugeklappt. „Ich bin eine MĂ€dchen-Journalistin“, scherzt sie und zeigt ihr rotes Handy. In Wirklichkeit   ist sie eine unerschrockene Vertreterin ihrer Zunft. Sie   hat es geschafft, der staatlichen WillkĂŒr zu entgehen, mit der mittlerweile die Aufenthaltsgenehmigungen   fĂŒr auslĂ€ndische Journalisten vergeben werden. Sie   arbeitet seit der Jahrtausendwende getarnt als Touristin   im Land. Mit der VerlĂ€ngerung des Visums hat es jedes   Mal geklappt; das mag daran liegen, dass sie einen tĂŒrkischen LebensgefĂ€hrten hat, einen BuchhĂ€ndler. Sie sagt, seit der Verhaftung ihres deutsch-tĂŒrkischen Kollegen Deniz YĂŒcel habe sich die Stimmung unter den Kollegen   schlagartig geĂ€ndert. „Wir schieben alle Paranoia.“ Deshalb spielt sie mit dem Gedanken, nach Deutschland   zurĂŒckzugehen, es gibt ein Angebot aus Ingolstadt.   Es war ein turbulenter Tag, der morgen die Titelseiten vieler europĂ€ischer Medien bestimmen wird.

Auf dem RĂŒckweg zum Hotel sind die   BĂŒrgerblick-Reporter auf der „Straße   der UnabhĂ€ngigkeit“, in der die meisten Auslandsvertretungen sitzen, mitten in   einen Polizeiaufmarsch geraten. Vor dem niederlĂ€ndischen Generalkonsulat sind   mehrere Mannschaftswagen sind vorgefahren und ein Wasserwerfer. Beamte   bauen Absperrungen auf, ihre schwer bewaffneten Kollegen bilden eine Kette. Eine Audi-Limousine fĂ€hrt vor, Zivilbeamte steigen aus, die sich besonders   wichtig geben. Als wĂ€re das alles generalstabsmĂ€ĂŸig   geplant, versammeln sich fast zur selben Zeit vor dem   leerstehenden Kaufhaus gegenĂŒber Kameraleute und   Fotografen. Sie warten auf etwas. Wohl auf die richtigen Bilder. Es sind tĂŒrkische Medienkollegen.

Ein Zivilbeamter mit schwarzer Schutzweste schnauzt den BĂŒrgerblick-Fotografen an: „Presse oder nicht?“

Was die BĂŒrgerblick-Reporter zu diesem Zeitpunkt   nicht wissen: in den Niederlanden hatte sich gerade ein   Eklat abgespielt. Man hatte dem tĂŒrkischen Außenminister ein Landeverbot erteilt, kurz darauf seiner   auf dem Landweg eingereisten Kollegin, der Familienministerin, den Zugang zur tĂŒrkischen Botschaft   in Rotterdam verweigert. Beide hatten weitere Wahlkampfauftritte geplant. Die tĂŒrkischen Nachrichtensendungen berichten laufend ĂŒber dieses Thema: die   unverschĂ€mten HollĂ€nder. Erdogan beschimpft sie als „Faschisten und Nazi-Nachfahren“. Bei einer Rede in   einer Istanbuler Vorstadt hatte er Rache geschworen. 

Die richtigen Bilder kommen: Wie auf   Kommando marschiert ein Trupp von   TĂŒrkeifahnen schwenkenden MĂ€nnern   und Frauen heran. Sie brĂŒllen UnverstĂ€ndliches und strecken ihre HĂ€nde mit dem   Wolfsgruß, ein Zeichen rechtsextremer   Gruppierungen, gegen das niederlĂ€ndische GebĂ€ude. Das laute HĂ€ufchen zĂ€hlt   rund 40 Demonstranten. Ein ergrauter   Mann mit Halbglatze und Schnauzbart   bietet kostenlos Erdogan- und TĂŒrkeifĂ€hnchen an.   Die Istanbuler Passanten gehen an ihm mit demselben   Desinteresse vorbei wie Passauer in der FußgĂ€ngerzone   an Zeugen Jehovas, die ihren „Wachturm“ anpreisen.  „Presse oder nicht?“, schnauzt ein Zivilbeamter mit   schwarzer Schutzweste den BĂŒrgerblick-Fotografen an, der im Pulk der tĂŒrkischen Kollegen Fotos vom martialischen Aufmarsch der Polizei geschossen hat.

Er will die Akkreditierung sehen. „Hier fotografiert jeder Passant   mit dem Handy, was ist das Problem?“, probiert der   Schreiber zu schlichten. Der Beamte verschĂ€rft den Ton: „Presse, ja oder nein?“ Niemand dĂŒrfe hier fotografieren.   Der Reporter hat die BefĂŒrchtung, dass sein Fotograf   gleich abgefĂŒhrt wird. Er wirbt um VerstĂ€ndnis. Sie seien   privat auf Besuch hier, aber die Szene vor   dem Konsulat habe ihre journalistische   Neugier geweckt. Der Beamte gibt Handzeichen, dass verschwinden sollen.   15 Millionen Einwohner zĂ€hlt Istanbul.   Die Aufregung ĂŒber die Abfuhr der tĂŒrkischen Spitzenpolitiker in Niederlanden ist   den BĂŒrgern offensichtlich ziemlich egal.   In der Nacht soll die Demonstration auf   200 Teilnehmer angewachsen sein. Um   die Relation zu ermessen: Wenn es 300 gewesen wĂ€ren, entsprĂ€che dies in Passau einem einsamen AfDler, der   am Ludwigsplatz steht.

Ziel war es, bis zum Aufgriff etwas Zeit zu gewinnen. Sie reichte aus, dass der Fotograf heimlich die Speicherkarte austauschen konnte.  

Doch die tĂŒrkischen Kollegen leisten gute Arbeit.   Wenn einige wenige Demonstranten große Fahnen   schwenken, diese mit dem richtigen Bildausschnitt   menschenleere LĂŒcken verdecken, lĂ€sst sich die Wirkung   einer gewaltigen Menge erzielen. Deutsche Fotografen   puschen Ihre Bilder genauso. Das Fatale ist: Mit diesen   Bildern aus TĂŒrkei wird bewusst Stimmung vergiftet, ein Keil zwischen das europĂ€ische und tĂŒrkische Volk   getrieben, den letzteres nicht verdient hat. 

Drei Abende zuvor hatte es in einer   tĂŒrkischen Taverne im Beyoglu, dem   europĂ€ischsten Stadtteil der Metropole, ein großes Hallo gegeben. Das   BĂŒrgerblick-Team traf den Grund seiner   Reise, zwei Passauer Kollegen: Maximilian   Popp, langjĂ€hriger TĂŒrkei-Experte, der in   Istanbul studiert hat und als Korrespondent fĂŒr den „Spiegel“ tĂ€tig ist; Raphael   Geiger, ehemaliger BĂŒrgerblick-Praktikant, der fĂŒr das Magazin „Stern“ aus der TĂŒrkei   berichtet. Die beiden reden nicht viel darĂŒber, aber sie   haben als Vertreter der internationalen freien Presse   den Druck des Erdogan-Regimes zu spĂŒren bekommen.   Stern-Reporter Geiger ist seine Akkreditierung als   Journalist nicht verlĂ€ngert worden. Deshalb sitzt er seit   Jahresanfang im BĂŒro in Athen, fliegt von dort kurzfristig fĂŒr seine   Reportagen in die TĂŒrkei wie Veronika als Tourist.

Spiegel-Reporter Popp hatte auf seine Aufenthaltserlaubnis   im Vorjahr neun Monate warten   mĂŒssen, bis November. Dazu   muss man wissen: Die Akkreditierung wird nur fĂŒrs Kalenderjahr   ausgestellt. Mit einem deutschen   Reisepass ist der Aufenthalt in der   TĂŒrkei bis zu drei Monaten erlaubt, danach besteht Visumspflicht. FĂŒr   Popp lĂ€uft die Frist ab. Morgen   muss er erneut zur AuslĂ€nderbehörde. Die Ämter sind wegen des  Zustroms von FlĂŒchtlingen ĂŒberlastet. Er wird den halben Tag mit  Warten zubringen mĂŒssen.

„Ich weiß nicht, ob ich zur   Wahl gehe“, sagt ein Hotelbesitzer, ein aufgeschlossener TĂŒrke   um die 30. Er sei kein Freund von   Erdogan und hoffe, dass die Nein-  Stimmen ĂŒberwiegen. Nur die   HĂ€lfte seiner Zimmer ist belegt.   Die kleine Herberge liegt in einer Nebenstraße, wenige Schritte vom   Galatasaray-Platz entfernt, direkt   gegenĂŒber der britischen Botschaft.   Ein bizarrer Ort. Das   Brexit-Konsulat auf tĂŒrkischem Boden zwei VerbĂŒndete in ihrer Feindseligkeit gegenĂŒber Europa   und doch so verschieden. Jeden   Morgen um 6.15 Uhr schrecken  die auslĂ€ndischen GĂ€ste hoch, wenn vom Lautsprecher eines   nahen Minaretts der Muezzin zum   Morgengebet ruft. Die regennasse   Fahne der Briten hĂ€ngt schlaff am   Mast. In der Hauptstraße gegenĂŒber lodern Flammen am Gehsteig   vor einem Haus. Ein Lagerfeuer. Es   wĂ€rmt zwei Obdachlose, welche   die kalte Regennacht im Freien   verbracht haben. Der Fotograf   besucht sie, will ihnen 20 Lira, umgerechnet vier Euro schenken. Sie lehnen höflich ab, aber laden   ihn ein, sich auf ein Bier mit ans   Feuer zu setzen. So geht tĂŒrkische Gastfreundschaft, auch die  Ärmsten pflegen sie. 

Fischrestaurants, Dönerbuden, CafĂ©s und Kneipen. In den Gassen von Beyoglu tobt normalerweise   das touristische Leben. Das ist   vorbei. „FrĂŒher war hier vor lauter   Menschen kein Durchkommen, in den Restaurants kein Platz zu kriegen“, erzĂ€hlt Popp. Jetzt bleiben viele Tische leer. Er schĂ€tzt, dass die   Zahl der europĂ€ischen Touristen   auf ein Viertel gesunken ist. Sie seien die kauffreudige Kundschaft   gewesen. Sein Magazin hat im   Vorjahr vermeldet, dass auf dem   Großen Basar 600 der 3.600 Ladenbesitzer aufgegeben hĂ€tten.

AuffĂ€llig ist die große PolizeiprĂ€senz in diesem Viertel.   Die Nachwirkungen der großen   TerroranschlĂ€ge vom letzten Jahr.   WĂ€hrend der Fotograf die beiden TĂŒrkei-Korrespondenten vor dem Lokal ablichtet, entdeckt der   Reporter zwei Polizisten, die in   einer Nebenstraße die Passanten   aufhalten und mit der Taschenlampe ihre PĂ€sse kontrollieren. Es   trifft immer nur junge MĂ€nner   mit arabischem Aussehen. Der   Reporter will NĂ€heres wissen und   spricht sie an. Polizeibeamte mit   Migrationshintergrund; einer   stammt aus Saloniki in Griechenland, der andere aus Aserbaidschan. Popp und Geiger sind   mit dem Fotografen um die Ecke   verschwunden, sie waren nervös   geworden. Wenn auslĂ€ndische   Journalisten an die falschen Polizisten geraten, keine Akkreditierung vorweisen können, könnte es   Probleme geben.

Die lange Zeit in der TĂŒrkei   hat den beiden Passauern Vorsicht   antrainiert. Popp benutzt prinzipiell nur sein deutsches Handy. Man mĂŒsse es sich immer vor Augen fĂŒhren: Mehr als 150 Journalisten teilen sich in der TĂŒrkei das Schicksal von Deniz YĂŒcel und sitzen in Haft. „In den tĂŒrkischen Zeitungen und Fernsehsendern, die 90 Prozent staatlich gelenkt sind, ist YĂŒcel genauso wenig Thema wie seinerzeit der Fall Böhmermann“, erzĂ€hlt Popp. 

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Deutsches Generalkonsulat nahe Taksim-Platz. Schwer bewaffnete tĂŒrkische Polizei mit Wasserwerfer und Mannschaftsbus riegelt es ab. Erlaubte Demo Frauen und MĂ€nner treffen sich seit mehr als zehn Jahren jeden Samstag am Galatasaray-Platz mit den Bilde
Im deutsch-tĂŒrkischen Kaffeehauses am unteren Ende der FußgĂ€ngerzone spricht Aybars D., ein 34-jĂ€hriger tĂŒrkische Kellner, perfektes Deutsch: „Erdogan ist gefĂ€hrlich, ein korruptes System“. Er werde fĂŒr „Nein“ stimmen. Den letzten Satz sagt er so leise, als wĂ€re es ein verbotener Aufruf zum Putsch.  Der Konflikt spalte seine Familie, erzĂ€hlt er. Sein Vater, ein TextilhĂ€ndler, ist in der TĂŒrkei geboren und in Deutschland aufgewachsen, bei ihm selbst ist es genau umgekehrt. Seine tĂŒrkische Mutter sei die treibende Kraft gewesen, dass die Familie wieder an den Bosporus zurĂŒckkehrte. Der Vater und er möchten am liebsten nach Deutschland zurĂŒck.

Es war nie klar, ob das niederlĂ€ndische Konsulat von den tĂŒrkischen Polizeibeamten vor Demonstranten geschĂŒtzt wird oder provokativ abgeriegelt worden ist.  Letzteres ist wohl eher der Fall, denn auf ungeklĂ€rtem Weg war es einem der Wolfsgruß-MĂ€nner gelungen aufs Dach des GebĂ€udes zu gelangen und fĂŒr wenige Stunden die niederlĂ€ndische gegen die tĂŒrkische Fahne auszutauschen.

%PIC11702%Die BĂŒrgerblick-Reporter haben tags darauf aus Neugierde das deutsche Generalkonsulat besucht und waren ĂŒberrascht, dass dieses ebenso abgeriegelt ist: Mannschaftswagen, Wasserwerfer, schwer bewaffnete Polizeibeamte. Wieder rĂŒcken sie ungewollt mit diesen zusammen. Einer verlĂ€sst seinen Posten und stĂŒrmt ĂŒber die Straße auf die vermeintlichen Touristen zu.  Der Aufgebrachte spricht nur TĂŒrkisch, aber Ton und Gestik verraten dem Erschrockenen erneut, was gemeint ist: Fotografieren verboten! Er hatte mit seinem Handy das klassizistische, palastĂ€hnliche GebĂ€ude festgehalten, vor dem die deutsche Fahne weht. „Ich Deutscher, dort mein deutsches Haus“, wollte der Handyfotograf dem jungen Beamten seine Legitimation darlegen. Er traf auf den Falschen. Der nahm ihm unversehens das MobilfunkgerĂ€t aus der Hand, tippte sich in die fremden Fotodateien, sichtete und löschte. Beim zweiten Versuch, die Situation am deutschen Generalkonsulat festhalten, sollte es zu einer noch brenzligeren Situation kommen.

„Halt! Stehenbleiben!“, rufen diesmal zwei der bewaffneten MĂ€nner.

„Nicht mal am Sonntag hat man seine Ruhe“, sagt Maximilian Popp nach dem arbeitsreichen Einsatz wegen des Fahnen-Eklats. Am Vormittag hatten er und Veronika im selben Lokal ihre Texte geschrieben:  im CafĂ© „Ara“. Es ist beliebter Treffpunkt fĂŒr KĂŒnstler und Journalisten. An manchen Nachmittagen sitzt Ara GĂŒler, der 89-jĂ€hrige Besitzer, bei einer Tasse Tee selbst in seinem Laden. Er ist der berĂŒhmteste Fotograf der TĂŒrkei, seine Istanbul-Bilder sind Ikonen. Einige Motive hĂ€ngen in Großformaten an den WĂ€nden.

Die Journalisten blieben an diesem Sonntag nicht lange, das Internet lahmte. Popp glaubt, dass die tĂŒrkische Regierung mit dem staatlichen Netzanbieter Turkcell die Netzgeschwindigkeit drosseln könne, kĂŒnstliche EngpĂ€sse erzeuge. Aber es könnte auch den einfachen Grund gehabt haben, dass bei der Demonstration die Teilnehmer, neugierige Zuschauer und Vertreter der Medien das Netz ĂŒberlasten haben.

Weil das Handyfoto vor dem deutschen Generalkonsulat nicht geglĂŒckt ist, versuchen die Passauer Reporter es aus sicherer Entfernung mit einem Trick.  Der schreibende Vertreter posiert fĂŒr den fotografierenden zum Schein wie ein Tourist. „Halt! Stehen - bleiben!“, rufen diesmal zwei der bewaffneten MĂ€nner.  Die Ertappten, als wĂŒrden sie es nicht hören, entfernen sich zĂŒgig, aber mit gemĂ€ĂŸigtem Schritt. Es soll nicht nach Flucht aussehen. Ziel ist es, bis zum Aufgriff etwas Zeit zu gewinnen. Sie reicht aus, dass der Fotograf unbemerkt die Speicherkarte austauschen kann.  Als die Beamten die Fotos kontrollieren, kein aktuelles Motiv finden können, werden sie kurz stutzig, aber lassen dann diese offenbar schlecht hörenden Deutschen unbehelligt weiterziehen. „Ich bin froh, wenn ihr wieder Zuhause in Sicherheit seid“, verabschiedet sie Maximilian Popp. 

Beitrag erschienen in BĂŒrgerblick Nr. 104, April 2017.

 

 
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