Freitag, 28. April 2017
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Günther Sax (weiße Jacke) mit seinem Rechtsanwalt Wolfgang Schima. 17 Monate haben sie für die Baugenehmigung gekämpft. (Foto: Tobias Köhler)
FlĂŒchtlingsheim genehmigt

Böses Blut in Pfenningbach

Passau - Eine SportartikelhĂ€ndler will sein leerstehendes GeschĂ€ft am Land zur Herberge fĂŒr Zuwanderer umbauen lassen. „Asylflut stoppen auch in Pfenningbach“ verteilten Neonazis InfoblĂ€tter im Dorf und nutzen die Stimmung: Gemeinderat und Dorfbewohner stemmen sich gegen das Projekt, weil ihnen die Zahl der Neubewohner zu hoch im Vergleich zu den ansĂ€ssigen Bewohnern erscheint. Dieser Beitrag erschien im Lokalmagazin BĂŒrgerblick Nr. 103/ MĂ€rz.

GĂŒnther Sax steht mit Pulli und Daunenjacke in seinem Passauer Sportartikelladen. Kunden, die lĂ€nger verweilen, reiben sich wegen der KĂ€lte die HĂ€nde. Sax hat die Heizung abgestellt, denn es ist ihm zu kostspielig fĂŒr die kurzen Öffnungszeiten im Winter den großen Raum aufzuheizen. Seine KleiderstĂ€nder und Regale fĂŒllen das gesamte Untergeschoss des ehemaligen Möbelhauses.

Sax, zerschlissene Jeans, struppige graue Haare, Jahrgang 1968, ist ein anspruchsloser Typ, dann das:  Als „geldgeiler Hund“ hĂ€tten ihn die Nachbarn in seinem Heimatdorf Pfenningbach (Gemeinde Neukirchen am Inn) beschimpft.  Den schlimmsten seiner Gegner musste er wegen Körperverletzung anzeigen. Der hat ihn angeschrien „Verschwinde!“ und ihm eine Schaufel auf den Arm geschlagen.  Der Angreifer kam mit einer Geldstrafe davon. „Ich habe verhindert, dass dieser Fall an die Öffentlichkeit kam“, erzĂ€hlt Sax. Er wollte kein großes Aufheben, denn der Hintergrund war brisant.

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Im großen GebĂ€udekomplex, umgeben von EinfamilienhĂ€user, soll die Asylunterkunft entstehen. (Foto: Tobias Köhler)
In Pfenningbach gibt es böses Blut, seit GĂŒnther Sax im November 2015 eine Bauvoranfrage an die Gemeinde gestellt hat: Er will die seit einem Jahr leerstehenden 2.000 Quadratmeter seines ehemaligen Sportartikelladens umbauen in eine Gemeinschaftsunterkunft fĂŒr 150 Asylbewerber. In dem Ortsteil leben 320 BĂŒrger, 8 sind unmittelbare Nachbarn, darunter PNP-Lokalreporter Franz Danninger, der gleichnamige Sohn des 2013 verstorbenen EhrenbĂŒrgers und AltbĂŒrgermeisters.

FĂŒr Sax ist Danninger die „treibende Kraft“ des Konflikts. „Der ist der Hetzer; der hat das alles eingefĂ€delt; der hat der Gemeinde einen Anwalt aus MĂŒnchen beigebracht, damit sie gegen mich vorgehen kann“, schimpft Sax. Seine Stimme wird laut. Er sei kein Mensch, der streiten will, sagt er. Aber jetzt wolle er es ihnen heimzahlen, weil sie ihn "vorgefĂŒhrt und ausgebremst" haben, mit Presse und Gericht.

Sax ist nach 15 Monaten des Streits als Sieger hervorgegangen.  Er hat die Baugenehmigung in der Tasche. Das Landratsamt hat sich mit ihm auf eine Gemeinschaftsunterkunft mit 102 Bewohnern geeinigt.  Der Mietvertrag mit der Bezirksregierung ist unterschrieben. Dieses Jahr soll der Umbau beginnen. (Nachtrag: Die Gemeinde geht mit weiteren juristischen Schritten gegen die vom Landratsamt erteilte Baugenehmigung vor).

„150 war von Anfang an der Wahnsinn. Die Anwohner sind Sturm gelaufen“, sagt Danninger auf Anfrage. Seine SĂ€tze klingen wie die Überschriften der PNP-BeitrĂ€ge, aber er ĂŒbte sich korrekt in ZurĂŒckhaltung. Alle Artikel sind offenbar von Kollegen geschrieben worden.  Danninger tritt als Protagonist des Widerstands auf. Er organisierte BĂŒrgertreffen und sorgte fĂŒr medienwirksame Bilder: Einmal protestieren 120 Pfenningbacher vor dem Sax-GebĂ€ude, um die bevorstehende „FlĂŒchtlingsmasse“ zu veranschaulichen. Ein andermal hĂ€lt Danningers Schwester eine Ortskarte bestickt mit 320 roten und 102 gelben Nadeln in die Kamera. Die gelben Köpfchen geballt in der Mitte markieren die unerwĂŒnschten NeubĂŒrger.

„Allein die Zeitungsgeschichten haben mich 50 Prozent Umsatzeinbußen gekostet“, klagt Sax.  Wohl kein FlĂŒchtlingsheim der Region ist im Vorfeld so oft thematisiert worden: Wer die Stichworte in Google eingibt, stĂ¶ĂŸt auf mehr als ein Dutzend PNP-Artikel.

Der Gemeinderat, an der Spitze CSU-BĂŒrgermeister Wolfgang Lindmeier, hat das seinige dazugetan, dass sich die Baugenehmigung hinzog.  Mal habe der Kanal nicht gepasst, dann die WasseranschlĂŒsse, mal der Stromanschluss oder die Zufahrt, zĂ€hlt Sax die Schikanen auf. „Obwohl ein Asylant mit Sicherheit kein Auto hat.“

Beim Brandschutz ging die Attacke der Gemeinde nach hinten los: Ein IngenieurbĂŒro deckte auf, dass es in Pfenningbach am erforderlichen Löschwasserdruck mangelt.  Jetzt können sich die BĂŒrger bei Sax bedanken, dass heuer noch ein 100.000-Liter-LöschwasserbehĂ€lter installiert wird, der ihre HĂ€user sicherer macht.

Das böse Blut kocht weiter.  Der Gemeinderat hat beschlossen, gegen die Baugenehmigung beim Verwaltungsgericht Regensburg vorzugehen. Lindmeier nennt als Obergrenze „50 Asylbewerber“.  Auch die acht Anwohner, darunter die Danningers klagen. Letztere befĂŒrchten, dass ihre 50.000 Quadratmeter große Wiese, zum Baugrund ausgewiesen, durch das FlĂŒchtlingsheim entwertet wĂŒrde.

„Asylflut stoppen auch in Pfenningbach“ steht auf den Netzseiten der rechtsextremen Organisation „Der dritte Weg“. Der Fall liefert den Neonazis Munition. Ihre Kampagne fĂŒr das „Dorf, das ungefragt ĂŒberfremdet“ werde, lĂ€uft. Mitglieder verteilten InfoblĂ€tter, „wie man ein Asylheim verhindern kann“.  

 
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