Mittwoch, 26. April 2017
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Lokalnachrichten >> Montag, 20. März 17

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Der Stand der Abrissarbeiten am Wochenende: Blick über das Schutt- und Trümmerfeld am "Apfelkoch" Richtung Inntal. (Fotos: Bürgerblick)
Stadtteil verliert Wirtshaus

Zahnarzt lässt "Apfelkoch" abreißen

Innstadtbrauerei, Peschl-Brauerei, Pauerschlössl - Meilensteine der Passauer Geschichte haben vermögende Bauherren und habgierige Bauspekulanten ganz oder teilweise umstürzen lassen. In die Serie "verschwundene steinerne Zeitzeugen" wird sich bald auch das Wirtshaus "Zum Apfelkoch" einreihen.

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Vom Gasthaus "Zum Apfelkoch" steht nur noch das steinerne Skelett, das Nebengebäude wurde teilweise bereits abgetragen. (Foto: Bürgerblick)
Das Wirtshaus "Zum Apfelkoch", Ursprung im 17. Jahrhundert, gab dem Stadtteil am linken Innufer seinen Namen. Die Vertreter der bayerischen Denkmalpflege befanden das Giebelhaus mit seiner Granitfassade als nicht schützenswert, zumal hinter der zweifellos hübschen Hülle der Zeitgeist der 1980er Jahre den historischen Kern zerfressen hatte.

Der Käufer der Immobilie, ein Passauer Zahnarzt, hat sich entschieden, den nach seinem Befund "faulen Zahn" reißen zu lassen und ein neues Implantat einzusetzen: eine moderne Wohnanlage, 40 Zwei- bis Dreizimmerwohnungen. Durch die Nähe zu Klinikum, Universität und dem künftigen Gründerzentrum "Digitales  Niederbayern" verspricht er sich gute Mieteinnahmen. Die Unterstützung des Oberbürgermeisters, der Wachstum im Wohnungsbau begrüßt, war ihm sicher. Den Abriss vom "Apfelkoch" hätten einige wenige Bürger, darunter Stadthistoriker Matthias Koopmann, gerne verhindert. 

Das Wirtshaus war auch Treffpunkt dieses Stadtteils für Bürgerversammlungen
. Es diente seit mehr als 100 Jahren als Vereinslokal dem gleichnamigen Schützenverein. Dieser ist darauf nicht mehr angewiesen: Er hat sich gegenüber an seiner Schießhalle einen Aufenthaltsraum eingerichtet. Die Familie des Schützenvereinsvorstands, so die Verbindung, war der frühere Eigentümer des Wirtshauses "Zum Apfelkoch". Der letzte Wirt Matthias Spetzinger, bekannt für seinen guten Schweinebraten, hatte das Lokal 33 Jahre lang gepachtet. Ein Nachfolger war nach Auskunft der Schützenfamilie nicht zu finden. Da verkaufte sie an den 49-jährigen Zahnarzt, der bereits in mehrere Immobilien investiert hat. Die Funktion eines "Stadtteilwirtshauses" hat jetzt mehr oder minder 700 Meter weiter flussabwärts ein gut gehendes griechisches Lokal übernommen.  

Wohnraum für mehrere Tausende Neubürger wird in diesem Jahrzehnt derzeit an einem Dutzend großen und kleinen Baustellen in Passau geschaffen. Nicht in allen Fällen bereichert dies die innerstädtische Lebensqualität. Hohe Bebauungsdichte und Nutzflächenmaximierung nützen den Bauherren, aber nicht dem Wohngefühl der Bürger. Die Frage "Wohin mit dem neuen Verkehr?" bleibt in der Dreiflüssestadt ungelöst. (Siehe auch dazu das aktuelle Magazin: "Matthias Düsterdick - Wer bremst diesen Bauhai?)

Bis April wird das "Apfelkoch" dem Erdboden gleichgemacht. Die Dachziegel sind bereits abgenommen, vom Wirthaus steht nur noch die Hülle, das oberste Stockwerk des Nebengebäudes haben den Abrissbagger bereits zertrümmert. Am Wiesenhang hinter dem Wirtshaus, zu dessen Fuß früher die Gäste  in einem Biergärtchen die Abgeschiedenheit genossen, sprießt unberührt von den Abbrucharbeiten der Frühling. Goldgelb leuchten die Blüten Dutzender Märzenbecher.

Wirtshaus "Innbräu" bleibt weiteren Sommer geschlossen

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In der Innstadt steht das Wirtshaus "Zum Innbräu" seit zehn Monaten leer. Ein neuer Pächter ist frühestens im September in Sicht. (Foto: Bürgerblick)
Apropos Wirtshäuser. Schlechte Nachricht auch für die Innstädter. Das Wirtshaus "Zum Innbräu" bleibt einen weiteren Sommer geschlossen, bis mindestens zum Herbst. Es ließ sich laut einem Sprecher der Eigentümergemeinschaft (Kapfinger/ Ottakringer) kein neuer geeigneter Pächter finden. Ursprünglich war angedacht, dass der Betrieb dieses Frühjahr wieder starten könnte. Der letzte Wirt hatte sich mit den Eigentümern zerstritten und vorigen Juni hingeworfen. Erst wenn die Bauarbeiten am neuen Wohnquartier "Innviertel" abgeschlossen sind und der Biergarten von der Straße auf die Rückseite des Gebäudes verlegt ist, wird wahrscheinlich ein Ehepaar das Wirtshaus weiterführen. Die neuen Pächter sollen langjährige Erfahrung mit einem Betrieb im Schoß der bischöflichen Hacklberger Brauerei haben.

 
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