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Im Fokus der Debatte zum Hochwasserschutz: Die Innpromenade mit dem Naturdenkmal "Kastanienallee". (Foto: Tobias Köhler/ Bürgerblick)
Vorbereitungen f├╝r B├╝rgerentscheid

Zehn Argumente gegen Flutmauern "Innpromenade"

Die Treffen der B├╝rger finden im Hinterzimmer eines Altstadtwirtshauses statt. Sie dienen dazu, f├╝r einen B├╝rgerentscheid vorbereitet zu sein, falls die Stadtr├Ąte ein Hochwasserschutzprojekt beschlie├čen, das zu den umstrittensten seit den 1960er Jahren z├Ąhlt: der Bau einer Flutmauer an der Innpromenade. Die Namen derjenigen, die als verantwortlich f├╝r den m├Âglichen B├╝rgerentscheid zeichnen, stehen noch nicht fest. Auf einem Papier wurden zehn Argumente zusammengetragen, die gegen das Projekt sprechen.

1. Der diskutierte Hochwasserschutz vernichtet mindestens 30 Kastanienb├Ąume, welche zu einer als Naturdenkmal ausgewiesenen Allee geh├Âren. Diesen "brutalen Eingriff ins Stadtbild" k├Ânne auch ein Landschaftsarchitekt nicht heilen, hei├čt es. Die Mauer bietet nur einen Grundschutz und ben├Âtigt f├╝r den Auf- und Abbau der mobilen Elemente eine parallel verlaufende Versorgungstra├če; zehn Meter breit w├╝rde die vegetationslose Schneise sein.

2. Der Hochwasserschutz an der Innpromenade w├╝rde einem Gesch├Ąfts- und Wohnquartier dienen, das zu den am wenigsten betroffenen Hochwassergebieten geh├Ârt. Zum Vergleich: Die auf der Donauseite gelegene Fritz-Sch├Ąffer-Promenade wurde laut einer Erhebung dieses Magazins seit dem 1954er Jahrhunderthochwasser in 56 der 62 Jahre bis heute ├╝berschwemmt, in manchen Jahren sogar zweimal. Die zur Debatte stehende Innseite (Gottfried-Sch├Ąffer-Stra├če, Unterer und Oberer Sand) ist in 6 der 62 Jahre ├╝berschwemmt worden, davon nur einmal mit wesentlichen Sch├Ąden: bei der Flutkatastrophe 2013, ein laut Statistik 300-j├Ąhriges Ereignis.

3. Die der Kosten-Nutzen-Rechnung zugrunde gelegte Schadenssumme von 15 Millionen Euro entspricht nicht dem tats├Ąchlichen Schaden, der bei einer Wiederholung des 300-j├Ąhrigen Hochwassers eintreten w├╝rde. ÔÇ×Das Hochwasser war wie ein Sechser im LottoÔÇť, sagt ein Hausbesitzer. Es flossen (Spendengelderaussch├╝ttungen nicht ber├╝cksichtigt) staatliche F├Ârdergelder, die bei den denkmalgesch├╝tzten H├Ąusern zu 85 Prozent die Sanierungskosten deckten. Hochwertige Sanierungen und Ert├╝chtigung der H├Ąuser gegen Hochwasser sind inbegriffen. Die realistische Schadenssumme zugrunde gelegt, w├╝rden sich die Baukosten f├╝r die Hochwasserma├čnahme (mindestens 8 Millionen Euro) sehr wahrscheinlich nicht rechnen. Zweifacher Hochwasserschutz, hier der bereits individuelle, dort die Mauer, w├Ąre Verschwendung von ├Âffentlichen Geldern, ein Fall f├╝r den Rechnungshof.

4. Der Hochwasserschutz wird nicht einhellig von allen betroffenen Hausbesitzern bef├╝rwortet. Denn manche bef├╝rchten Nachtteile wie diese: B├Ąume, die Staub und L├Ąrm schlucken, werden geopfert f├╝r eine Mauer, die den Verkehrsl├Ąrm verst├Ąrkt.

5. Die Vertreter des Wasserwirtschaftsamtes betonen selbst, dass der mobile Hochwasserschutz niemals 100-prozentige Schutz leisten kann. Es ist auch nicht auszuschlie├čen, dass eine sp├Ątere Flut die Schutzmauer ├╝bersp├╝lt so wie das Hochwasser 2013 die Schutzeinrichtungen aus den 1960er Jahren. Wenn die mobilen Elemente nicht ausreichen oder versagen ist der Schaden weitaus gr├Â├čer.

6. Der von der Stadt oft behauptete Vorteil, dass mit diesem Hochwasserschutz die Verbindung zur Innstadt aufrechterhalten werden kann, ist nicht richtig. Die Verkehrsbehinderungen beginnen bereits beim Aufbau des mobilen Schutzes, hinter dem mobilem Hochwasserschutz m├╝ssen die H├Ąuser evakuiert, der Verkehr komplett eingestellt werden. Aus Sicherheitsgr├╝nden w├╝rde die Innbr├╝cke ohnehin wieder gesperrt werden.

7. Keine Neiddebatte, sondern eine Frage n├╝chternen Betrachtung: Die von der Sturzflut des Haibachs Gesch├Ądigten erhalten beispielsweise keine Hilfe durch die ├Âffentliche Hand, die am schlimmsten betroffenen Hochwassergebiete der Stadt (Altstadt und Innstadt) m├╝ssen mit dem Hochwasser leben. Es ist schwer zu vermitteln, warum die am wenigsten Betroffenen einen zweifelhaften Schutz f├╝r 8 Millionen Euro erhalten sollen.

8. Sinnvoll w├Ąre dies: Die Stadt Passau legt einen Hochwasserfond an, der im Schadensfall allen betroffenen B├╝rgern zugutekommt. Der individuelle Schutz (Schoten, Technik, Sanierputz) sollte gef├Ârdert werden. Einige der H├Ąuser an der Innpromenade sind ÔÇô wie erw├Ąhnt ÔÇô bereits ert├╝chtigt oder mit individuellem Schutz ausger├╝stet.

9. Der Hochwasserschutz w├╝rde nicht nur die Innpromenade zerst├Âren, sondern w├Ąhrend der mindestens eineinhalbj├Ąhrigen Bauphase Stadtverkehr und Bewohner schwer beeintr├Ąchtigen. Die alte Bausubstanz w├╝rde an den Ersch├╝tterungen leiden, welche die Bohrungen mit sich bringen; St├╝tzpfeiler m├╝ssten in bis zu zehn Metern Tiefe gesetzt werden.

10. Der Verlust von mindestens 30 B├Ąumen mindert die Lebensqualit├Ąt der vom Verkehr geplagten Anwohner in der Gottfried-Sch├Ąffer-Stra├če. Feinstaub ist in Passau ein akutes Umweltproblem geworden.

 
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