Montag, 18. Dezember 2017
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Bayern >> Mittwoch, 01. MĂ€rz 17

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Der Sieger des politischen Aschermittwochwettstreits in Vilshofen: Kanzlerkandidat Martin Schulz winkt mit dem Blumenstrauß. Links von ihm der österreichische Bundeskanzler Christian Kern. (Foto: Tobias Köhler)
Politischer Aschermittwoch

Schulz strahlt, Seehofer krÀnkelt

Keine Stammtischparolen, keine Beleidigungen, der Mann am Podium nahm sich sogar mal selbst auf den Arm: "Mein Spitzname ist Schulle".

Martin Schulz, der Kanzlerkandidat der SPD, hat heute in Bayern eine neue Farbe leuchten lassen. Ein krĂ€ftiges Rot, nein, nicht das aggressive, sondern das liebevolle, das die Herzen berĂŒhrt und zusammenbringt. Er sprach viel ĂŒber Werte, Demokratie und Gerechtigkeit, aber wenig ĂŒber seine politischen Gegner. FĂŒr ihn seien auch im Bierzelt Beleidigungen nicht angebracht, sagte er. In Passau schimpften sie ihn "Martin, der Schummler" (Seehofer) und "Schizo-Schulz" (Scheuer).

Schulz gab den Rechten AufklĂ€rungsunterricht: „Es heißt im Artikel 1 des Grundgesetzes nicht: Die WĂŒrde der Deutschen ist unantastbar, sondern: die WĂŒrde des Menschen.“

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In Passau hielt der stimmlich angeschlagene MinisterprÀsident Seehofer seine Rede in der DreilÀnderhalle. (Foto: Stefan Schopf)
In Passau schwang Seehofer unter dem Jubel der Menge die Keule gegen FlĂŒchtlinge: Obergrenze, Handys kontrollieren. Die FlĂŒchtlinge mĂŒssten akzeptieren, dass Bayern ein christliches Land ist. Was unter christlich zu verstehen ist, sagte er nicht. Seehofer sprach sich fĂŒr dauerhafte Grenzkontrollen und eine StĂ€rkung der deutschen Geheimdienste aus.

Nur zweimal richtete Schulz einen Fingerzeig nach Passau. Dort habe sich die „gefĂŒhlte Mehrheit“ getroffen, hier die „reale Mehrheit“, sagte er. Tosender Applaus. Ein andermal zitierte er Seehofer mit einem Satz aus der „Passauer Neue Presse“, zum Beleg, wie dieser das Land schlecht rede.

„Jetzt ist Schulz!“, „Zeit fĂŒr Martin!“, hielten die AnhĂ€nger vorgedruckte rote Plakate hoch. 5.000 Menschen heizten in Vilshofen das grĂ¶ĂŸte Bierzelt Bayerns auf. Saunatemperatur. In der klimatisierten DreilĂ€nderhalle in Passau bestimmte der Brandschutz die Obergrenze der Besucher: 4.620.    

Seehofer, stimmlich angeschlagen, mag die Show. Es gab einen Moderator und Filmchen ĂŒber politischen Gegner. Von denen wurden ausgewĂ€hlte Szenen mit deren WortbeitrĂ€gen gezeigt, um diese danach polemisch zu kommentieren. Ein bisschen „ZDF-Heute-Show“ nach dem Motto „Die CSU schlĂ€gt zurĂŒck“. „Es ging immer darum, den Gegner in den Dreck zu ziehen“, sagt ein junger Religionslehrer, der diese Veranstaltung das erste Mal besuchte.

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Scheuer spricht betont krĂ€ftig und laut, als mĂŒsse er das Defizit seines Chefs ausgleichen.
Andreas Scheuer, der CSU-GeneralsekretĂ€r, durfte die Schlussrede halten. Er sprach betont krĂ€ftig und laut, als mĂŒsse er das vorangegangene Defizit seines Chefs ausgleichen.

Minutenlanger Schlussapplaus fĂŒr Schulz in Vilshofen. Freudestrahlend winkt er von der BĂŒhne. „Mal schauen, ob der Wunder verbringen kann“, sagt ein MĂ€dchen um die 20 mit gelber Warnweste, die als Ordnerin eingesetzt war und Schulz applaudiert hatte.

Fotos: Stefan Schopf (Passau), Tobias Köhler (Vilshofen); Text: Fabiano Cassin, Hubert Denk

 
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