Dienstag, 22. August 2017
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Regionales >> Montag, 02. Januar 17

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Das "Hallo!" zum 1. Januar war ein "Tschüss!": Redaktionsleiter Sebastian Daiminger hat die "Am Sonntag" verlassen. Die Redaktion ist führungslos. (Quelle: AS)
Daiminger dankt ab

"Passauer Neue Presse": Sonntagsblatt f├╝hrungslos

Als w├Ąre der Streit um die Lohnpolitik bei der "Passauer Neuen PresseÔÇť (PNP) f├╝r die Verlegerfamilie nicht Ungemach genug, bricht jetzt eine wichtige F├╝hrungskraft bei den Anzeigenbl├Ąttern weg: Ein langj├Ąhriger Redaktionsleiter kehrt dem Haus den R├╝cken.

Sebastian Daiminger hat zum Jahreswechsel die redaktionelle Leitung des kostenlosen Boulevardblattes ÔÇ×Am SonntagÔÇť (AS), eine PNP-Tochter, aufgegeben. Er ├╝bernimmt eine neue journalistische Aufgabe bei einer richtigen Zeitung, der "tz-M├╝nchen". Dort sitzen bereits mehrere Kollegen, die aus dem PNP-Haus nach M├╝nchen gewechselt sind. Daiminger stand seit sieben Jahren an der Spitze der AS-Redaktion. Die Verlegerfamilie Diekmann hatte das Sonntagsblatt 2000 gegr├╝ndet, um einen wichtigen Marktplatz zu besetzen. Es gab die Bef├╝rchtung, dass ein ober├Âsterreichischer Verleger mit einer Sonntagszeitung das Passauer Medienmonopol st├Ârt.

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Sebastian Daiminger bei seinem Antritt bei der "Am Sonntag" im Sommer 2009. (Quelle: mediendenk)
Als Daiminger im August 2009 die AS ├╝bernahm, war er mit 30 Jahren der wohl j├╝ngste Redaktionsleiter Niederbayerns. Anfangs ├╝berwog die Freude ├╝ber den Karrieresprung, sp├Ąter stieg vielleicht die Unzufriedenheit ├╝ber die undankbare Aufgabe. Daiminger hatte seit vielen Jahren damit gelieb├Ąugelt, sich beruflich zu ver├Ąndern. Jetzt ist offenbar das passende Angebot gekommen. Die tz-M├╝nchen soll ihn angeblich einsetzen als Bindeglied zwischen Chefredaktion und dem sogenannten Newsdesk, der dort neu eingerichtet wird.

Journalisten erleben bei Gratiszeitungen bisweilen eine unbefriedigende Aufgabe: Sie sollen ein redaktionelles Umfeld schaffen, das die Leser zur Lekt├╝re reizt, eine grelle Verpackung schaffen. Es hat sich bew├Ąhrt, mit Schlagzeilen und kurzen Texten die Bildzeitung zu imitieren; mangels Professionalit├Ąt und Personal entsteht oft ein Pseudo-Boulevard. Protagonisten (und Opfer) der meist aufgeblasenen Skandal- und Sensationsgeschichten werden ausschlie├člich diejenigen, die keine potentiellen Anzeigenkunden sind: Politiker, Beamte und einfache B├╝rger. Zugleich m├╝ssen die Redakteure oft gegen ihre ├ťberzeugung den Werbekunden und der Werbewirtschaft dienen.

Die Luft war bei der ÔÇ×Am SonntagÔÇť zum Jahresende, zu Daimingers Abgang, sp├╝rbar raus: In ihrer letzten Ausgabe des Jahres 2016 erschien das Wurfblatt mit abgespeckten 20 Seiten, davon die H├Ąlfte Werbung. Ein Nachfolger f├╝r Daiminger ist noch nicht gefunden. Seine K├╝ndigung hat das Haus offenbar ├╝berrascht. Die K├╝ndigungsfrist hat es selbst vorgegeben: vier Wochen. Aus dem Impressum vom 1. Januar ist Daiminger verschwunden; es werden zwei Redaktionsmitglieder aufgef├╝hrt, aber kein verantwortlicher Redakteur. Solange der Posten nicht besetzt ist, tr├Ągt die redaktionelle Verantwortung der Gesch├Ąftsf├╝hrer der GmbH, Reiner F├╝rst, ein ehemaliger Anzeigenvertreter und CSU-Gemeinderat.

Sebastian Daiminger, ein geb├╝rtiger Chamer, begann seine Ausbildung beim ÔÇ×Straubinger TagblattÔÇť, sammelte Erfahrung beim Lokal-TV und scherte vor zehn Jahren unter dem damaligen AS-Redaktionsleiter Stefan K├╝rthy, sp├Ąter Klatschreporter bei ÔÇ×BildÔÇť, beim Sonntagsblatt ein.

Offenlegung: Der Autor dieser Zeilen war Chefredakteur bei der Gr├╝ndung dieses Anzeigenblattes im Jahr 2000. Nach knapp einem Jahr war ihm die fristlose K├╝ndigung ausgesprochen worden. Er hatte sich geweigert, die Leser mit bezahlten redaktionellen Inhalten zu t├Ąuschen, pochte auf eine klare Trennung von Redaktion und Werbung. Dies war ihm als ÔÇ×Gesch├Ąftssch├ĄdigungÔÇť ausgelegt worden. Vor dem Arbeitsgericht hielten die fristlose K├╝ndigung und ihre Begr├╝ndung nicht stand. Die Verleger mussten den Kl├Ąger gro├čz├╝gig entsch├Ądigen. Er erhielt eine Abfindung, die gemessen an der Besch├Ąftigungszeit einem Vielfachen des ├ťblichen entsprach; der Journalist wiederum musste sich zum Stillschweigen verpflichten. Dies f├╝hrte zu einer falschen, rufsch├Ądigenden Darstellung auf Wikipedia: der Verlag habe den Chefredakteur ÔÇ×fristlos entlassenÔÇť. Wegen der Rechtslage des Aufhebungsvertrages blieb dies bis heute unwidersprochen.

Hubert Jakob Denk

 
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