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Das "Hallo!" zum 1. Januar war ein "Tschüss!": Redaktionsleiter Sebastian Daiminger hat die "Am Sonntag" verlassen. Die Redaktion ist führungslos. (Quelle: AS)
Daiminger dankt ab

"Passauer Neue Presse": Sonntagsblatt fĂŒhrungslos

Als wĂ€re der Streit um die Lohnpolitik bei der "Passauer Neuen Presse“ (PNP) fĂŒr die Verlegerfamilie nicht Ungemach genug, bricht jetzt eine wichtige FĂŒhrungskraft bei den AnzeigenblĂ€ttern weg: Ein langjĂ€hriger Redaktionsleiter kehrt dem Haus den RĂŒcken.

Sebastian Daiminger hat zum Jahreswechsel die redaktionelle Leitung des kostenlosen Boulevardblattes „Am Sonntag“ (AS), eine PNP-Tochter, aufgegeben. Er ĂŒbernimmt eine neue journalistische Aufgabe bei einer richtigen Zeitung, der "tz-MĂŒnchen". Dort sitzen bereits mehrere Kollegen, die aus dem PNP-Haus nach MĂŒnchen gewechselt sind. Daiminger stand seit sieben Jahren an der Spitze der AS-Redaktion. Die Verlegerfamilie Diekmann hatte das Sonntagsblatt 2000 gegrĂŒndet, um einen wichtigen Marktplatz zu besetzen. Es gab die BefĂŒrchtung, dass ein oberösterreichischer Verleger mit einer Sonntagszeitung das Passauer Medienmonopol stört.

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Sebastian Daiminger bei seinem Antritt bei der "Am Sonntag" im Sommer 2009. (Quelle: mediendenk)
Als Daiminger im August 2009 die AS ĂŒbernahm, war er mit 30 Jahren der wohl jĂŒngste Redaktionsleiter Niederbayerns. Anfangs ĂŒberwog die Freude ĂŒber den Karrieresprung, spĂ€ter stieg vielleicht die Unzufriedenheit ĂŒber die undankbare Aufgabe. Daiminger hatte seit vielen Jahren damit geliebĂ€ugelt, sich beruflich zu verĂ€ndern. Jetzt ist offenbar das passende Angebot gekommen. Die tz-MĂŒnchen soll ihn angeblich einsetzen als Bindeglied zwischen Chefredaktion und dem sogenannten Newsdesk, der dort neu eingerichtet wird.

Journalisten erleben bei Gratiszeitungen bisweilen eine unbefriedigende Aufgabe: Sie sollen ein redaktionelles Umfeld schaffen, das die Leser zur LektĂŒre reizt, eine grelle Verpackung schaffen. Es hat sich bewĂ€hrt, mit Schlagzeilen und kurzen Texten die Bildzeitung zu imitieren; mangels ProfessionalitĂ€t und Personal entsteht oft ein Pseudo-Boulevard. Protagonisten (und Opfer) der meist aufgeblasenen Skandal- und Sensationsgeschichten werden ausschließlich diejenigen, die keine potentiellen Anzeigenkunden sind: Politiker, Beamte und einfache BĂŒrger. Zugleich mĂŒssen die Redakteure oft gegen ihre Überzeugung den Werbekunden und der Werbewirtschaft dienen.

Die Luft war bei der „Am Sonntag“ zum Jahresende, zu Daimingers Abgang, spĂŒrbar raus: In ihrer letzten Ausgabe des Jahres 2016 erschien das Wurfblatt mit abgespeckten 20 Seiten, davon die HĂ€lfte Werbung. Ein Nachfolger fĂŒr Daiminger ist noch nicht gefunden. Seine KĂŒndigung hat das Haus offenbar ĂŒberrascht. Die KĂŒndigungsfrist hat es selbst vorgegeben: vier Wochen. Aus dem Impressum vom 1. Januar ist Daiminger verschwunden; es werden zwei Redaktionsmitglieder aufgefĂŒhrt, aber kein verantwortlicher Redakteur. Solange der Posten nicht besetzt ist, trĂ€gt die redaktionelle Verantwortung der GeschĂ€ftsfĂŒhrer der GmbH, Reiner FĂŒrst, ein ehemaliger Anzeigenvertreter und CSU-Gemeinderat.

Sebastian Daiminger, ein gebĂŒrtiger Chamer, begann seine Ausbildung beim „Straubinger Tagblatt“, sammelte Erfahrung beim Lokal-TV und scherte vor zehn Jahren unter dem damaligen AS-Redaktionsleiter Stefan KĂŒrthy, spĂ€ter Klatschreporter bei „Bild“, beim Sonntagsblatt ein.

Offenlegung: Der Autor dieser Zeilen war Chefredakteur bei der GrĂŒndung dieses Anzeigenblattes im Jahr 2000. Nach knapp einem Jahr war ihm die fristlose KĂŒndigung ausgesprochen worden. Er hatte sich geweigert, die Leser mit bezahlten redaktionellen Inhalten zu tĂ€uschen, pochte auf eine klare Trennung von Redaktion und Werbung. Dies war ihm als „GeschĂ€ftsschĂ€digung“ ausgelegt worden. Vor dem Arbeitsgericht hielten die fristlose KĂŒndigung und ihre BegrĂŒndung nicht stand. Die Verleger mussten den KlĂ€ger großzĂŒgig entschĂ€digen. Er erhielt eine Abfindung, die gemessen an der BeschĂ€ftigungszeit einem Vielfachen des Üblichen entsprach; der Journalist wiederum musste sich zum Stillschweigen verpflichten. Dies fĂŒhrte zu einer falschen, rufschĂ€digenden Darstellung auf Wikipedia: der Verlag habe den Chefredakteur „fristlos entlassen“. Wegen der Rechtslage des Aufhebungsvertrages blieb dies bis heute unwidersprochen.

Hubert Jakob Denk

 
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