Passau - Szenen von der guten Stube "Neue Mitte": Wie einen Hund schleifte ein wütender Wirt einen jungen Punker an seinem Halsband vom Eingang des Nibelungencenters weg. Jetzt hat der Gastronom eine Strafanzeige wegen Körperverletzung am Hals.
Schon zu Zeiten der Nibelungenhalle war dieser Stadtteil Treffpunkt der Passauer Punker. Eine Selbstmordserie bescherte ihnen landesweite Aufmerksamkeit. Von einer des "Lebens in der engen Umgebung überdrüssigen Jugend", von einem "betonmodernen Stadtteil" in der ansonsten makellosen Dreiflüssestadt wurde damals schon geschrieben, 1996, in der "Zeit". Mit einem Glasvorbau wurde die störende Jugend vom Eingangsbereich der Halle vertrieben.
Die Passauer Punker von heute wissen vermutlich nichts mehr von dieser Geschichte, aber ihr Lieblingsplatz ist derselbe: Heute eben nicht mehr vor einem CSU- und Veranstaltungstempel, der Nibelungencenter und Nibelungenplatz ihre Namen gab, sondern vor schnöden Einkaufszentren und auf schick getrimmte Gastronomie.
Punks wollen mit ihrer bewusst gewählten Anti-Mode auffallen und provozieren. Das schrille Quartett, das Freitagmittag vor dem Haupteingang zum Nibelungencenter saß, empfand ein 50-jähriger Passauer, der dort ein Lokal betreibt, als "geschäftsschädigend". Weil Worte die jungen Menschen nicht bewegten, wurde der Wirt handgreiflich. Er packte einen 19-jährigen an seinem Nietenhalsband und zerrte ihn weg. So heftig, dass das Schmuckwerk zerriss und am Hals des Punkers sichtbare Verletzungen blieben.
Der junge Mann begab sich zum Arzt und erstattete Strafanzeige.