Passau - Der Passauer Stadtarchivar und Heimatpfleger stellte ein unanständiges Bilderrätsel ins Netz. Es wurde von Facebook, dem amerikanischen Anbieter des größten sozialen Netzwerkes, als "pornografisch" zensiert.
Die "Passauer Woche" hebt die "Penis-Posse" in der aktuellen Ausgabe auf den Titel. Verschweigt allerdings, wer der Urheber der Geschichte ist: Heimatpfleger und Stadtarchivar Richard Schaffner.
Auf der Innwiese der Universität wurden im Rahmen der "Europäischen Wochen" Skulpturen der beiden Künstler Alto Hien und Christiane Pott-Schlager aufgestellt, darunter ein Männertorso aus rostigem Stahl. Das männliche Geschlechtsteil inspiriert Scherzbolde, die es mit Kondomen schmücken, und bewegt den Heimatpfleger. Er greift zum Fotoapparat, knipst den Schniedel-Ausschnitt und stellt ihn mit einer Quizfrage auf seine Facebook-Seite: Wo gibt´s das in Passau zu sehen?
Das Bilderrätsel hält sich nicht lange. Die Pornografie-Zensur des US-Anbieters schlägt zu, es wird gelöscht, begleitet mit einer automatischen Nachricht über einen "Verstoß gegen die Nutzerbedingungen". "Nacktheit" sei nicht gestattet.
Die "PaWo " zeigt das beanstandete Bild. Es lässt Spielraum für Diskussionen: witzig oder ekelhaft? Denn Schaffner zeigte nicht die pure Kunst, den rostigen Penis, sondern dessen schweinische Verfremdung. An ihm hängt ein offenbar gefülltes Kondom.
Die Geschichte belegt: Das weltweit größte soziale Netzwerk (fast zehn Milllionen Deutsche sind angemeldet) hat nicht nur Sicherheitslücken, auch seine eigenen Gesetze. Und die Menschen, die sich dort tummeln, geben uns unverblümte Einblicke in den großen Tiergarten unserer Gesellschaft.
"Angeregt zu dieser Geschichte hat mich die offizielle Beschwerde einer Studentin, die sich wegen des Kunstwerks empört an die Unileitung wandte", sagt Schaffner heute. Als "Facebook-Experte" habe er die Reaktionen testen wollen. In seiner Eigenschaft als Privatmann und nicht als Leiter der kommunalen Medienzentrale.