Passau - Dröhnender Autoverkehr und allmächtige Discounter haben das Herz des ältesten Stadtviertels abgewürgt: Vor Kurzem schloss der letzte Laden am Kirchenplatz. Die Innstadt endgültig tot? Bürger setzten ein Signal und organisieren mitten auf dem verödeten Areal ein "Nachbarschafts-Grillfest".
Bei schlechtem Wetter wird das am 24. Juli geplante Grillfest auf den 31. Juli verschoben.
Wenn die kleinen Geschäfte schon nicht überleben können, dann eben den Platz anderweitig beleben. Der Kirchenplatz wird am Samstag (15 bis 22 Uhr) Treffpunkt für ein ungewöhnliches Freiluftpicknick mit Grill. Würstl, Salate, Gläser, Besteck und was sonst noch gebraucht wird, sollten die Innstädter einfach selber mitbringen.
"Für gekühlte, günstige Getränke ist gesorgt", sagt Initiator Stephan Bauer. Für Grillgeräte und Biergarnituren auch. Bauer, ein Stadtrat, war der letzte Betreiber eines Ladens am Kirchenplatz; er probierte es mit hochwertigen, jungen Öko-Klamotten und einer kleinen Espresso-Bar.
Irgendwie ist am Kirchenplatz alles schief gelaufen. Die Ladenbesitzer jammerten, weil die Kundschaft auf dem verkehrsberuhigten Platz mit dem Auto nicht mehr anhalten konnte. Das zentrale Kunstwerk ist eher abstoßend als anmutig: Der plätschernde Granitbrunnen, ein rauer, hoher Trog, lädt nicht zum Verweilen ein. Weil der Platz mit staatlichen Zuschüssen zu Tode saniert wurde, lässt er sich ohne Regressansprüche nicht zurückbauen.
Leere Flächen um den Brunnen und vor der Kirche gäbe es genug. Vielleicht entstehen beim fröhlichen Grillen weitere Ideen. Warum nicht einen kleinen Innstädter Wochenmarkt organisieren? Das dient der Nahversorgung, würde alteingesessenen Innstädter und Bauern aus der Umgebung freuen, wäre willkommener Farbtupfer und Lebensfunke auf dem leeren Pflaster.