Montag, 16. September 2019
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Lokalnachrichten >> Sonntag, 23. Mai 10

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Erst Petrus, dann die Polizei: Weder Regen noch Razzia kann die Begeisterung für Tausende Fans beim Pfingst-Open-Air in Hauzenberg bremsen. (Photo: Tobias Köhler für mediendenk)
Schon 60 Festnahmen

Erstmals Drogenrazzia beim Pfingst-Open-Air

Hauzenberg - Bei jedem Open-Air-Festival schwingt ein Hauch von Woodstock in der Luft, natürlich auch der süßliche Geruch von verbotenem Gras. Manche Besucher des Hauzenberger Pfingst-Open-Airs freuen sich das ganze Jahr auf diesen Freiraum, aber er ist - vor allem in Bayern - eben nur gefühlt: Mindestens 60 vorläufige Festnahmen und Anzeigen gibt es nach einer diskreten Drogen-Razzia auf dem Hauzenberger Festgelände.

Der Polizeieinsatz war in jeder Hinsicht eine Premiere. Für den 38-jährigen Hauzenberger Inspektionsleiter Laurentius Hobelsberger, der erst letzten Sommer von der Dreiflüssestadt in die Granitstadt wechselte. Für die jungen Bereitschaftspolizisten aus Dachau, die bis dato solche Kontrollen in Zivil hauptsächlich auf dem größeren bayerischen "Woodstock"-Fest", dem Reggae-Open-Air am Chiemsee, durchführen. Für die Hauzenberger Festbesucher ohnehin. In den letzten zehn Jahren war Polizeipräsenz auf dem Festivalgelände so gut wie nicht gegeben.

Die jungen Zivilfahnder fischten auf dem Spaziergang durch die Zeltstadt die Kandidaten mit Kennerblick heraus. Sie mussten manchmal vielleicht nur ihrer Nase nach gehen. Sie beschlagnahmten Joints und jede Menge Krümel in den Taschen. Noch hat der Polizeichef die beschlagnahmte Menge an Cannabis und anderen verbotenen Rauschmitteln nicht addiert. Die Party läuft noch und für den Abschlussbericht bleibt Zeit.

"Ich unterstütze solche Konzerte für die jungen Leute, aber wir dürfen keine Freiräume für Drogen schaffen", sagt Hobelsberger, dem der Ruf nacheilt "Passaus strengster Polizist" gewesen zu sein. Es klingt fast wie eine Rechtfertigung, denn er ergänzt: "Ich habe wegen des Einsatzes auch schon negative Anrufe bekommen." Doch solche Aufregung versteht er nicht. "Die Eltern erwarten, dass sie ihre Kinder dort beruhigt hinschicken können".

Ohne solche Rauschgiftkontrollen, die natürlich auch der Abschreckung dienen, würden auf solchen Festen vielleicht die Dämme brechen. Hobelsberger hat sich gerade den letzen Bericht vom Drogeneinsatz beim Chiemseefestival faxen lassen. Am ersten Tag wurden 53, am zweiten Tag 83 Personen aufgegriffen. Unter 25.000 Besuchern. Der Veranstalter distanziert sich bereits im Internet und zeigt bei Verstössen die "gelbe Karte".

Im Vergleich zum Chiemsee lesen sich die ersten Zahlen von Hauzenberg beachtlich, rein rechnerisch weit mehr als das Doppelte! Rund 60 Festivalbesucher, darunter zehn unter 18, mit Drogenbesitz an zwei Tagen. Bei rund 5.000 Teilnehmern. Es wird in allen Fällen Anzeige erstattet. Ob die gefundene Drogenmenge dann zu einem Verfahren, zu einem Strafbefehl oder zur Einstellung führt, entscheidet die Staatsanwaltschaft Passau. Von ihr war die Aktion angeregt worden.

"Wir haben den Einsatz sozialverträglich gestaltet", sagt der Hauzenberger Polizeichef und meint damit das zurückhaltende Vorgehen, ganz im Sinne der Veranstalter und der Betroffenen. Die Drogenfahnder aus Dachau und ihre Fahrzeuge - alle getarnt, alles in Zivil.

Ironie am Rande: Letztendlich hat die Hauzenberger Partygemeinde das ungewöhnlich große Polizeiaufgebot ihren Gesinnungsgegnern zu verdanken. Die Kräfte der Dachauer Bereitschaftspolizei waren ursprünglich vorgesehen für ein rechtes Rockkonzert in Oberbayern - das wurde plötzlich abgesagt.

"Wir hatten bislang nicht die Möglichkeit für solche Kontrollen, weil uns die Kräfte fehlten", bestätigt der Hauzenberger Inspektionsleiter.

 
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